11 Freundinnen - Sie wollen nicht nur spielen. Kinostart: 23. Mai 2013 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.05.2013

11 Freundinnen - Sie wollen nicht nur spielen. Kinostart: 23. Mai 2013
Lou Zucker

Sommer 2011, Frauenfußball-WM in Deutschland. Sung-Hyung Cho begleitet die Nationalfrauschaft durch die nervenzehrende Vorbereitung und zeichnet fünf intime und überraschende Spielerinnen-Portraits.



Fußball ist wie Hollywood

Zwei Mal in Folge sind sie Weltmeisterinnen geworden, doch vor 75.000 Zuschauer_innen im eigenen Land hat noch keine von ihnen gespielt. Im Sommer 2011 auf dem Platz zu stehen, wenn zum ersten Mal die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland stattfindet, das ist das große Ziel von Dzsenifer Marozsán, Bianca Schmidt, Anja Mittag, Ursula Holl und Lira Bajramaj. Doch bis dahin liegen noch Monate harten Trainings und Leistungstests vor ihnen. Die Anspannung wächst, wen Bundestrainerin Silvia Neid letztendlich in ihren Kader berufen wird – und auch der Erwartungsdruck von außen steigt, den Titel ein drittes Mal zu holen. Ganz nebenbei muss noch der Job, die Ausbildung, das Studium bewältigt werden. Denn von ihrem Gehalt als Nationalspielerinnen leben, kann fast keine der jungen Frauen.

Fußball ist ein bisschen wie Hollywood: Milliarden Zuschauer_innen auf der ganzen Welt und große Emotionen. Sung-Hyung Cho ("Full Metal Village"), die sich als Vorbereitung auf diesen Film das erste Mal ein Fußballspiel ansah, schafft es, diese mitreißende Gefühlswelt aus Stadien, Kneipen und Kabinen ins Kino zu transportieren. Selten ein Dokumentarfilm, der so viel Gänsehaut, Tränen, in die Lehne gekrallte Fingernägel und lautes Lachen hervorruft.

Bundeswehrsoldatinnen und Beautyqueens

Doch ein bisschen WM-Flair zu konservieren ist nicht das Hauptanliegen der Regisseurin. Sie möchte den Spielerinnen näher kommen, ihren Antrieb erkunden, ihr Privatleben und ihre Einstellungen kennen lernen, wissen, was sie beschäftigt.
Das Resultat sind fünf Portraits, die uns in ihrer Verschiedenheit alle Klischees von Frauen und von Fußballerinnen vorführen, um sie gleich darauf über den Haufen zu werfen.

Bianca Schmidt vom 1. FFC Frankfurt ist nebenbei Bundeswehrsoldatin und überlegt, eine Ausbildung bei der Polizei zu machen. Lira Bajramaj muss sich andauernd dafür rechtfertigen, dass sie auch auf dem Feld Wert auf ein perfektes Make-Up legt. Beim kochen – "das muss eine Frau schon können!" - macht sie nebenbei ein paar Angeber_innentricks mit einer Pampelmuse. Torhüterin Nadine Angerer - "Kein Kamm in meine Haare!" - bringt beim Fotoshooting auf ironisch-humorvolle Weise die Stylist_innen zum Verzweifeln und die Zuschauer_innen zum lachen. Vor dem Eröffnungsspiel lässt sie sich dann doch von Lira die Augebrauen zupfen, wobei sich die zwei aufs prolligste herumkabbeln.
Siegprämie: ein Kaffeeservice

Hat Frauenfußball etwas mit Emanzipation zu tun? Bis 1970 hatte der DFB (Deutscher Fußballbund) seinen Mitgliedsvereinen noch verboten, Frauenfußball anzubieten, mit der Begründung: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand". 1989 wurde die deutsche Nationalfrauschaft erstmals Europameisterin und erhielt als "Siegprämie" ein geblümtes Kaffeeservice. Ein Sebastian Schweinsteiger verdient etwa hundert mal so viel wie Rekordstürmerin Birgit Prinz. Und obwohl 2011 die Einschaltquoten für die Frauen-WM-Spiele teilweise bis zu 18 Millionen erreichten, können sie immer noch nicht mit denen des Männerfußballs konkurrieren. Nicht nur die abwesenden, auch die anwesenden Zuschauer_innen reproduzieren dabei alte Vorurteile: Eine Szene in einer Fußballkneipe zeigt zwei angetrunkene ältere Herren, die ein weniger brillantes Spiel der Nationalfrauschaft folgendermaßen kommentieren: "Das ist Frauenball und nicht Fußball! Fußball ist was für Männer!" – "Da kann ich den DFB verstehen, dass er Frauenfußball bis in die 1970er verboten hat!"

Feminismus? Fußball!

Wer sich bei einem Film über Frauenfußball eine Hymne auf die Gleichstellung erhofft, wird in "11 Freundinnen" eines besseren belehrt. Keine der portraitierten Spielerinnen prangert die beschriebenen Missstände an, keine versteht sich als Kämpferin gegen tradierte Geschlechterrollen. Stürmerin Anja Mittag, die mit einem Bürojob ihren Lebensunterhalt aufbessert, "will nicht mit den Männern tauschen" und hat gegen ihr Gehalt und die verhältnismäßig geringe öffentliche Resonanz nichts einzuwenden. Die Newcomerin Dzsenifer Marozsán wurde von ihrem Vater für den Fußball begeistert und ihr Idol ist ebenfalls ein Mann: Cristiano Ronaldo. Bis auf die gelegentlichen Auftritte der Bundestrainerin Silvia Neid sind auch die vielen Szenen bezeichnend, in denen sich 22 Frauen abrackern – überwacht und angewiesen von ausschließlich männlichen Trainern. Natürlich ist auch die Entscheidung der Regie in Frage zu stellen, derart viele Filmminuten darauf zu verwenden, die Spielerinnen beim Kochen und Backen zu zeigen, dennoch fördern diese Szenen gerade bei Lira Bajramaj geradezu konservative Frauenbilder zutage, wenn sie behauptet, ihre Mitbewohnerin müsse kochen lernen, "wenn die mal heiratet, was will die ihrem Mann denn machen?"

Der Untertitel des Films "Sie wollen nicht nur spielen", erscheint damit unpassend. Denn die Botschaft, die genderbewusste Kinobesucher_innen aus "11 Freundinnen" mitnehmen, scheint gerade zu sein, dass Profifußballerinnen auch nichts anderes wollen als ihre männlichen Kollegen: nämlich spielen. Allen Fans und fußballbegeisterten kleinen Mädels zu zeigen, dass das möglich ist, mit voller Leidenschaft, auf höchstem Niveau und trotz aller Widrigkeiten, ist vielleicht als Beitrag zu einer geschlechtergerechteren Welt mehr als genug.

AVIVA-Tipp: Lachen, weinen, mitfiebern: mensch braucht kein großer Fußballfan zu sein, um sich von den Hoffnungen und Enttäuschungen der Spielerinnen mitreißen zu lassen – und von der Stimmung, die in einem Stadion mit 75.000 Zuschauer_innen bei einem WM-Spiel herrscht. Gleichzeitig macht der Film die spezifischen Schwierigkeiten von Frauen sichtbar, die sich auf einem besonders männlich dominierten Gebiet spezialisiert haben, zeigt aber ebenso ihre Gemeinsamkeiten mit den männlichen Fußballern: dass sie genauso prollig sein können, sich genauso wenig für Feminismus interessieren und genauso leidenschaftlich kicken.

Zur Regisseurin: Selbst in ihrer Jugend sportlich aktiv, vor allem in Leichtathletik und Handgranatenweitwurf, interessierte sich Sung-Hyung Cho eigentlich kaum für Fußball, bis das Thema von Seiten der Produktionsfirma Pandora an sie herangetragen wurde. Nach ihrem ersten großen Erfolg "Full Metal Village", einer Doku über das schleswig-holsteinische Dorf Wacken, das einmal im Jahr von Heavy-Metal-Fans überflutet wird, zeigt sie gebürtige Südkoreanerin den Kinobesucher_innen in "11 Freundinnen" wieder ein Stück deutscher Kultur. Zur Zeit arbeitet die studierte Kommunikationswissenschaftlerin, die seit 1990 in Deutschland lebt, an einem weiteren "Heimatfilm": "Liebe in Zeiten der Mauern" beschäftigt sich mit den Beziehungen von DDR-Frauen zu Nordkoreanischen Studenten.

11 Freundinnen
Deutschland 2012
Buch und Regie: Sung-Hyung Cho
Darstellerinnen: Lira Bajramaj, Ursula Holl, Dzenifer Marozsán, Anja Mittag, Bianca Schmidt, Team der Frauenfußballnationalmannschaft von 2011
Produzent: Raimond Goebel
Verleih: NFP marketing & distibution
Filmlänge: 95 Minuten

Weitere Infos unter:

www.11freundinnen-derfilm.de

www.nfp-md.de

www.pandorafilm.com

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Kultur Beitrag vom 22.05.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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