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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.05.2013

Mutter & Sohn. Ein Film mit Luminiþa Gheorghiu. Kinostart am 23. Mai 2013
Julia Lorenz

Regisseur Cãlin Peter Netzer lotet mit seinem Ensemblestück die Grenzen zwischen bedingungsloser Elternliebe und Verblendung aus - und wirft gleichzeitig ein Schlaglicht auf die sozialen...



...Zustände in der rumänischen Oberschicht.

"Warte auf meinen Anruf, dann merkst du, ob ich dich respektiere", weist Barbu (Bogdan Dumitrache) seine Mutter Cornelia (Luminiþa Gheorghiu) an - und diese versteht die Welt nicht mehr: Die erfolgreiche Architektin kann den Wunsch ihres erwachsenen Sohns nach mehr Distanz von seinen Eltern weder nachvollziehen noch verkraften. Schließlich hat sie ihrem Kind, das ihr nun mit harscher Zurückweisung begegnet, immer alles in ihrer Macht Stehende ermöglichen wollen. Cornelia glaubt, ihn an seine Lebensgefährtin Carmen (Ilinca Goia) zu verlieren, die Barbu in ihren Augen beeinflusst, manipuliert - und dafür sorgt, dass die engagierte Mutter nun die gemeinsame Reinigungskraft aushorchen muss, um Details aus dem Leben ihres Sohns zu erfahren. "Ich hab dir doch gesagt, bekomm noch ein zweites Kind", hält ihr Freundin Olga (Natasa Raab) vor. "Dann könntest du dir jetzt eins aussuchen."

Doch Cornelias Mutterliebe kennt keine Grenzen - und macht auch vor moralischen Fragen keinen Halt. Als Barbu unter Alkoholeinfluss einen Verkehrsunfall verschuldet bei dem ein Junge ums Leben kommt, beginnt für sie eine Tour de Force: Aus Angst vor einer Haftstrafe für ihren Sohn macht sie von ihren Privilegien als einflussreiche Karrierefrau Gebrauch und versucht, mittels Aussagenfälschung und Bestechung Barbus Unschuld zurückzukaufen.

"Eltern wollen sich durch ihre Kinder verwirklichen", behauptet Cornelia und bringt damit ihr Dilemma auf den Punkt: Obwohl die unreflektierten Verteidigung ihres Sohns ein Zeugnis kompromissloser Loyalität zu ihm ist, wirft ihr vehementes Leugnen aller Tatsachen und ethischen Einwände die Frage auf, wessen Weltbild hier wieder ins Lot gerückt werden muss: Ihres oder Barbus? Der Wunsch, dem eigenen Kind das zu bieten, was ihr selbst möglicherweise verwehrt blieb, nimmt in Cornelias Fall bedenkliche Züge an. Die Überidentifikation mit ihrem Sohn legt das Rechtsbewusstsein der engagierten Mutter lahm und belastet somit nicht nur die eigene Familie, sondern auch die eigentlichen Leidtragenden: Die Hinterbliebenen des verunglückten Jugendlichen.

"Mutter & Sohn" verspricht auf den ersten Blick lediglich den Neuaufguss eines altbekannten Themas: Auf der einen Seite stehen die Mütter, die - ob durch Vernachlässigung oder Überbehütung - im Zweifelsfall an allen Miseren im Leben ihrer Kinder Schuld sind, auf der anderen der Nachwuchs, der sich gegen das elterliche Diktat auflehnt. Die Rollenverteilung scheint auch zu Beginn von Cãlin Peter Netzers Auseinandersetzung mit der komplexen Eltern-Kind-Beziehung von diesem wunderbar einfachen Schema nicht abzurücken: Cornelia verleidet ihrem Sohn seine Beziehung, tritt als Kontrollfreak ohne Respekt vor Privatsphäre in Erscheinung und missbraucht Geld und Macht. Eine klassische Sympathieträgerin sieht anders aus.

Regisseur Netzers und Hauptdarstellerin Luminiþa Gheorghius Verdienst liegt jedoch darin, nicht einfach das Klischee der Übermutter zu reproduzieren, sondern die Protagonistin als Mensch zugänglich zu machen - so beispielsweise in Momenten, in denen sich offenbart, wie sehr sie jenseits aller Eitelkeiten unter dem Vertrauensentzug ihres Sohns leidet. Dieser erschwert den ZuschauerInnen ebenfalls die Anteilnahme: Hilflos bewegt sich Barbu zwischen cholerischen Abgrenzungsversuchen und Unentschlossenheit. Leben möchte der Fünfunddreißigjährige nicht unter der schützenden Hand seiner Mutter, ganz verzichten auf die elterliche Zuneigung jedoch ebenfalls nicht.

Bei aller Kritik an Cornelias überambitionierten Manipulationsversuchen eröffnet sich im Laufe des Films die Frage: Welche Rolle spielt in diesem Trauerspiel der Vater? Der bleibt blass, unterstützt seine Frau weder, noch bildet er einen klaren moralischen Gegenpart und entzieht sich so allen Vorwürfen und Schubladisierungen. Zu einem guten Elternteil macht ihn das noch lange nicht - was wiederum den Gedanken nahelegt, es sich mit dem Focus auf "Mutter und Sohn" ein wenig zu einfach zu machen.

AVIVA-Tipp: Cãlin Peter Netzers diesjähriger Berlinale-Gewinner möchte vieles sein: Familiendrama, Kriminalfilm, Milieustudie. Bei einem Plot, der sich eines beinahe klassischen Konflikts bedient und zudem in der rumänischen Oberschicht angesiedelt ist in der Korruption eine Lappalie zu sein scheint, sind Stereotypisierungen beinahe vorprogrammiert. Doch Regisseur Netzer umschifft ärgerliche Rollenbilder zumeist: Weder setzt er Cornelia launig als unausstehliches "Schwiegermonster" in Szene, noch wälzt er die Schuld auf das rebellische, undankbare Verhalten des Nachwuchses ab oder inszeniert Barbus Lebensgefährtin Carmen als treibende Kraft hinter der zunehmenden Entfremdung. Dem großartigen Cast gelingt es indes, ihren ambivalenten Charakteren Menschlichkeit und Würde zu verleihen - und dem tragischen Plot so manch schwarzhumorigen Moment abzuringen.

Zum Regisseur: Cãlin Peter Netzer wurde 1975 in Rumänien geboren und emigrierte 1983 mit seinen Eltern nach Deutschland. Nach seinem Abschluss an der National University of Theatre and Cinema Art in Bukarest begann er mit der Arbeit an Netzers Kurzfilm- und Spielfilm-Debuts, die beide den Namen "Maria" trugen. Sein Spielfilm "Medal of Honor" (2009) schaffte es in die Selektion von über dreißig Festivals und wurde mehrfach ausgezeichnet. Seine Premiere im Wettbewerb der 63. Berlinale feierte er 2013 mit "Mutter & Sohn" - und gewann dort den Goldenen Bären für den besten Film.

Zur Hauptdarstellerin: Luminiþa Gheorghiu wurde 1949 geboren und gilt als Ikone des rumänischen Films. Ihre mittlerweile dreißigjährige Karriere ist eng verbunden mit Cristi Puius Spielfilmen "Stuff fand Dough" (2001), "Der Tod des Herrn Lazarus" (2005) und "Aurora" (2010). Darüber hinaus war sie in Cristian Mungius´ "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" (2007) sowie in dem in Cannes ausgezeichneten Film "Beyond the Hills" (2012) zu sehen. Gheorghiu wurde für ihre schauspielerischen Leistungen bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem GOPO Award (Rumänischer Filmpreis) und dem Preis der Los Angeles Critics Association.

Mutter & Sohn
Rumänien 2013
Originaltitel: Child´s Pose
Filmlänge: 112 Minuten
Regie: Cãlin Peter Netzer
DarstellerInnen: Luminiþa Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Ilinca Goia, Natasa Raab, Florian Zamfirescu u.a.
Drehbuch: Rãzvan Rãdulescu, Cãlin Peter Netzer
ProduzentInnen: Cãlin Peter Netzer, Ada Solomon, Parada Film
Kamera: Andrei Buticã
Schnitt und Sounddesign: Dana Lucreþia Bunescu
Szenenbild: Malina Ionescu
Kostüme: Irina Marinescu
Verleih: X Verleih

Kinostart: 23. Mai 2013

Der Film im Netz: www.mutterundsohn.x-verleih.de

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Kultur Beitrag vom 22.05.2013 Julia Lorenz 

   




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