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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.07.2013

Appassionata. Ein Film mit Alena Cherny von Christian Labhart. Kinostart: 4. Juli 2013
Sabine Reichelt

Ein Flügel reist aus der Schweiz in die Ukraine. Seine Schenkerin, eine gefeierte Pianistin, begeistert die Zuschauendenrin währenddessen sympathisch und bescheiden für ihr Leben mit Bach, Mozart…



... und Co.

Bereits in dieser ersten Szene nimmt die Protagonistin die Zuschauerin mit ihrer Selbstironie für sich ein. Da steht eine Frau am Bügelbrett in ihrem Wohnzimmer und richtet sich an den Regisseur im Off: "Können wir nicht über mich einen Film machen? Weißt du: Wer möchte mich heiraten? (Ich kann) bügeln, Staub saugen, Klavier spielen, Geld verdienen." Sie präsentiert sich so – vollkommen uneitel – und muss über ihre eigene Idee herzlich lachen.

Alena Cherny lebt seit fünfzehn Jahren in der Schweiz. Sie wird 1967 in der ukrainischen Kleinstadt Romny geboren, wo sie ihren ersten Klavierunterricht erhält. Dort gilt sie als Wunderkind und wird von ihren Eltern mit zehn Jahren an das Musikinternat des 200 Kilometer entfernten Kiew geschickt. Später studiert sie Klavier am Konservatorium, zieht in die Welt, geht auf Konzertreisen und lässt sich schließlich in Wetzikon bei Zürich nieder.

Hier spielt sie als Organistin im Gottesdienst und gibt Klavierunterricht. Und wie! Neben der Anweisung an die Schülerin, Mozart erzähle immer eine Geschichte, singt sie Melodiebögen mit, dirigiert, zeichnet mit der Hand Phrasen nach und ist mit Leib und Seele in die Musik versunken. Denn: "Mit Worten kann man lügen, mit Tönen nicht."

Auch deshalb, und aus Dankbarkeit will Alena Cherny ihrem Geburtsort Romny, wo sie ihren ersten Klavierunterricht bekam, einen Flügel schenken. Von ihrer Reise in die Ukraine, die zugleich auch eine Reise in ihre Vergangenheit ist, erzählt diese liebevolle und ja, auch mitreißende Dokumentation. Als junge Frau wird die Pianistin Mutter einer Tochter: Sofia. Das Baby ist stets dabei, wenn die Mamasie mit dem Studierendenorchester probt. Sofia schreit bei Schostakowitsch und schläft bei Mozart. Heute spielen Mutter und Tochter vierhändig Klavier.

Dann, im April 1986, kommt die Katastrophe von Tschernobyl. Cherny ist zu dieser Zeit in Kiew, reichlich über 100 Kilometer Luftlinie vom Reaktorunfall entfernt.

"Tschernobyl war für mich wie ein Meteorit, der durch die glückliche Glasglocke durchgebrochen ist und meine Vorstellungen über die Welt total veränderte. Dort habe ich etwas Enormes verstanden: unser Leben kostet nichts für den Staat, für die Ideologie."

In der Folge erkrankt sie an Leukämie, weiß, dass sie für ihre kleine Tochter unbedingt weiterleben muss - u. Und überlebt.

Mit Guide und Geigerzähler an ihrer Seite besichtigt die Pianistin jetzt Pripjat, den zur Geisterstadt verkommenen Ort bei Tschernobyl. Vor dem Unglück hatte die Stadt 50.000 Einwohner_innen, heute lebt dort niemand mehr. Ausgestorbene Gebäude stehen an leeren Straßen. In einem großen Saal wartet einsam und verfallen ein Flügel. Das Messgerät piept wild, zeigt aber erträgliche Werte. Einen Hammer aus dem Inneren des Instrumentenkadavers nimmt Alena Cherny aus Pripjat mit. Souvenir eines Nicht-Ortes.

Überall und immer fand und findet die Musikerin ein Klavier vor. So zieht sich das Tasteninstrument gleichsam leitmotivisch durch den Film. Während ihrer Zeit im Internat ist es ihr Heimat und Angstquelle zugleich. Aber auch der enorme Leistungsdruck, an dem Cherny beinahe zerbricht, kann ihre unbändige Spielfreude, die und Musikbegeisterung nicht zerstören. Als sie jetzt die Kiewer Schule wieder besucht, ist der Flügel mit Band zugeklebt. Es ist Ferienzeit. Ihre eigene Zeit am Internat sieht die Virtuosin zwiegespalten: Das Spielen ist ihr Leben, aber der Schulbesuch war eine Qual.
Ein weiteres Klavier steht in Romny. Im Wohnzimmer ihrer ersten Musiklehrerin spielt die Pianistin Chopin auf einem ordentlich gründlich verstimmten Instrument.

Schließlich: der große Augenblick, als der Flügel aus der Schweiz in der Musikschule ankommt. Als Empfangskomitee ruft eine Gruppe Mädchen auf Anweisung "Hurra, hurra, hurra!" und erinnert mit wohl unfreiwilliger Komik an den bekannten Loriot-Sketch. Schließlich wird der Flügel ausgepackt und aufgestellt. Ein Aufatmen: er ist unversehrt. Zur Einweihung trägt Alena Cherny unter viel Applaus einige Stücke vor, dann treten junge Talente der lokalen Musikschule auf. Unter ihnen ist auch ein sehr begabtes Mädchen mit viel zu großen Schleifen im Haar - der Wunderkindzyklus wird fortgesetzt.

Zum Regisseur: Christian Labhart wurde 1953 in Zürich geboren. 1972 bis 1974 war er Beleuchter und Kameraassistent bei der Condor Film AG. Im Anschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Lehrer und war in diesem Beruf tätig. Ab 1980 arbeitete er als Landwirt, Primarlehrer und Hausmann. Seit 2000 ist er freier Filmemacher. (Informationen des Verleihs)

AVIVA-Tipp: Es mag trivial und phrasenhaft klingen, aber Alena Cherny ist tatsächlich mit ganzer Seele Musikerin. Und iIhren gewinnenden Enthusiasmus für die Werke großer Komponist_innen gibt sie wirkungsvoll an die Zuschauerin weiter. Regisseur Christian Labhart zeigt eindrucksvolle Bilder von großartiger Musik untermalt. Und doch ist die Dokumentation nie pathetisch, denn das übertrieben Gefühlvolle ist Chernys Sache nicht. "Ich hoffe, ich verrate mich nicht," sagt sie an einer Stelle. Im Film sieht es jedenfalls nicht danach aus.


Appassionata
Schweiz 2012
Buch und Regie: Christian Labhart
Mit Alena Cherny, Monika Pfister, Sofia Bachmann, Swetlana und Nikolaj Petrenko, Joanna Grunovich, Tatjana Marchenko, Tatjana Ochotnik
Kamera: Gabriel Sandru
Ton: Reto Stamm
Schnitt: Caterina Mona
Produktion: Paul Riniker, Riniker Communications GmbH
Länge: 83 Minuten
Verleih: One Filmverleih
Kinostart: 4. Juli 2013
www.appassionata-film.de
One Filmverleih: www.one-filmverleih.de
Trailer

Website von Alena Cherny: www.alenacherny.ch


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Kultur Beitrag vom 04.07.2013 Sabine Reichelt 

   




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