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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.07.2013

Mirjam von Arx - Virgin Tales. Kinostart im fsk-Kino in Berlin am 27. Juli 2013
Veronika Siegl

"Reinheit ist nicht nur eine Frage des Körpers, sondern auch der Seele und des Geistes". Nach diesem Credo lebt die neunköpfige Familie Wilson im "evangelikalen Vatikan" Colorado Springs. Der…



... Dokumentarfilm der Schweizer Filmemacherin portraitiert die wohl schillerndsten Verfechter_innen des mittlerweile globalen Purity Movements.

Autorität und Unterstützung

Wer sich die Jungfrauen als Mauerblümchen vorstellt, liegt falsch. In den Haaren ein Diadem, Perlenketten um den Hals, Make-up im Gesicht und figurbetonte Ballkleider – das ist der Dresscode des Keuschheitsballs, den die Wilsons seit 1998 veranstalten und der mittlerweile in 48 US-Bundesstaaten gefeiert wird.

In weißen Spitzenkleidern tanzen kleine Mädchen um ein großes Holzkreuz herum, im Hintergrund gefühlvolle christliche Popmusik. "Der Ball ist eröffnet", ruft Randy Wilson, "das wird die beste Nacht unseres Lebens". Und schon wirbeln die Väter mit ihren Töchtern über die Tanzfläche. Denn dieser Abend gehört nur ihnen. "Heute Abend entscheiden wir uns, ein Beispiel für Reinheit, Integrität und Respekt für unsere Töchter zu sein", verkündet der Organisator, bevor er die Väter dazu aufruft, gemeinsam ein Gelübde vor Gott abzulegen, ihre Töchter zu beschützen und zu lieben. Ein emotionaler Augenblick.

Purity Movement

Mit einer Gemeinde, die ein Viertel der US-amerikanischen Bevölkerung umfasst, bilden evangelikale Christ_innen in den USA die größte religiöse Vereinigung. Darüber hinaus stellen sie die am schnellsten wachsende christliche Kirche weltweit dar.

Wie die Wilsons, leben viele Evangelikalen in gesellschaftlicher Abgeschiedenheit, ihr Leben findet ausschließlich in religiösen Kontexten statt – Unterrichtet wird von der Mutter zu Hause, getratscht bei den Purity Treffen, wo sich die Mädchen über delikat verzierte Teetassen und Pralinen hinweg über ihre zukünftigen Ehemänner unterhalten, oder bei den zahlreichen Ritualen, die sich auch an Männer richten.

Das Warten auf den Traumprinz

Der Titel "Virgin Tales" verweist auf die Märchenhaftigkeit der Keuschheitserzählungen, so die Regisseurin Mirjam von Arx im Interview mit der schweizerischen Online-Plattform art-tv. Ein Märchen, in dem Männer zu Kriegern gemacht werden, die sich ihre Frauen erobern müssen und Frauen zu Prinzessinnen, die auf ihren Traumprinzen warten. So wie die 23-jährige Jordyn: "Ich wusste schon immer, dass ich Ehefrau und Mutter sein möchte. Wieso sollte ich viel Geld in eine Ausbildung investieren, die ich nie brauchen werde?" Stattdessen widmet sie sich der "Purely Woman. School of Grace" und lehrt jungen Mädchen, wie sich Frauen zum Trinkbrunnen bücken oder bei einer Begrüßung lächeln sollten.

Eine Bühne für Selbstdarstellung

Das kleine Filmteam von drei Frauen begleitete die Wilson-Familie über zwei Jahre. Obwohl von Arx in keiner Weise die evangelikalen Werte der Familie teilt, war es ihr wichtig, ihre Lebensweise nicht zu diffamieren – "Ich wollte einen beobachtenden, keinen wertenden Film" machen und "dem Publikum erlauben, sich eigenes Bild zu machen", so die Regisseurin gegenüber art-tv. Durch den Verzicht auf Elemente wie Erzähler_innenstimmen oder Texteinblendungen, wirkt der Dokumentarfilm nicht nur relativ wertfrei, sondern lässt die Gestaltungsmöglichkeiten der Protagonist_innen erkennen. So bildet auch Jordyns Videotagebuch ein Stilmittel, ihren Alltag und ihre Gefühlswelt nah mitzuerleben.

Dennoch haben die Szenen etwas Gestelltes, denn das Leben der Wilsons folgt einem vorgefertigten Drehbuch, das sie im Film selbst inszenieren. Widersprüche gibt es kaum. Jede der vielen Liebesbekundungen, Danksagungen, Tränen, jeder der stolzen Blicke sitzt. Und über all dem thront die Kontrolle des wachsamen Vaters, der sich allerdings lieber als Unterstützer versteht und nicht müde wird, die Selbstbestimmtheit seiner Töchter zu betonen.

AVIVA-Tipp: "Virgin Tales" bietet faszinierende und unbehagliche Einblicke in eine rechts-konservative Familie, die sich und ihre Glaubenssätze selbst feiert. Auf eindrucksvolle Weise schafft die Regisseurin eine Doku, in der sich Filmteam und Protagonist_innen auf gleicher Augenhöhe begegnen und dadurch eine Vielzahl von Lesarten entstehen lassen.

Zur Regisseurin: Mirjam von Arx, besuchte die Ringier Journalistenschule und arbeitete viele Jahre als Redakteurin und Freelancerin für deutschsprachige Magazine. 1991 ging sie nach New York, wo sie mit Polo Hofer den Roadmovie "Bluesiana" produzierte und mehrere Fernsehbeiträge und -dokus drehte. Zehn Jahre später zog Arx nach London, kurz darauf gründete sie die Produktionsfirma ican films gmbh. 2003 kam mit "Abxang" ihr erster Dokumentarfilm ins Kino, 2005 folgt "Building the Gherkin". 2006/7 produzierte sie den Dokumentarfilm "Sieben Mulden und eine Leiche", der den Zürcher Filmpreis 2007 und eine Nomination für den Schweizer Filmpreis 2008 gewann. Ihr Dokumentarfilm "Seed Warriors" (2010) wurde für einen Internationalen Green Film Award der Cinema for Peace Gala in Berlin (2011) nominiert.

Zur Autorin: Michèle Wannaz, studierte in Zürich Filmwissenschaft, Publizistik und Neuere Deutsche Literatur. Daneben machte sie eine Ausbildung zum Script Consultant. Sie war Filmredakteurin beim Nachrichtenmagazin Facts und arbeitete als Spielfilmdramaturgin für Micha Lewinsky, Markus Imhoof, Xavier Koller, Pipilotti Rist u.v.a. Zurzeit ist sie Projektleiterin beim Think Tank W.I.R.E., wo sie Ausstellungs- und Buchprojekte betreut, sowie Mitglied der Spielfilmkommission bei der Zürcher Filmstiftung. Ihre Publikationen umfassen "Dramaturgie im Autorenfilm: Erzählmuster des sozialrealistischen Arthouse-Kinos" (2009) und "Mind the Future: Kompendium für Gegenwartstrends" (2011).

Virgin Tales
Schweiz 2012
Regie, Produktion: Mirjam von Arx
Darsteller_innen: Randy Wilson, Lisa Wilson, Lauren Wilson, Colten Wilson, Khrystian Wilson, Jordyn Wilson, Logan Wilson, Kameryn Wilson, Kaalyn Wilson
Drehbuch: Michèle Wannaz, Mirjam von Arx
Produktionsleitung: Manuela Ruggeri
Kamera: Kirsten Johnson und Claudia Raschke
Schnitt: Sabine Krayenbühl
Produktion: ican films gmbh
Länge: 87 Minuten
Verleih Schweiz: Praesens-Film AG, www.praesens.com
Verleih International: Films Transit International Inc., www.filmstransit.com

Kinostart im fsk-Kino in Berlin: 27. Juli 2013

Mehr Infos und der Trailer unter: virgintales.com/film

Weitere Informationen:

Interview mit Miriam von Arx (art-tv.ch)

"Purity Balls" Get Attention, but Might Not Be All They Claim (New York Times)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Marcia Pally - Die neuen Evangelikalen in den USA


Kultur Beitrag vom 25.07.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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