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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.08.2013

Das Tagebuch der Effi Briest. Ausstellung bis 22. August 2013 in der Galerie Su de CouCou, Crowdfunding bis zum 19. September
Dorothee Robrecht

13 Künstler_innen aus 9 Ländern inszenieren auf Initiative von Lena Braun, SOLARIS Kunst-Förderverein Berlin e.V., das Leben der Fontane-Heldin, um mit der Einrichtung eines Effi Briest Hauses ...



... im Berliner Umland HAUS eine Künstler_innenresidenz ins Leben rufen.

Effi Briest gehört zu den berühmtesten Frauenfiguren der deutschen Literatur: Eine junge Frau, die - selbstbewusst und äußerst lebhaft - mit 17 heiratet, an der Ehrbarkeit dieser Ehe erstickt, sich in eine Affäre flüchtet, verstoßen wird und schließlich, mit knapp 30, im Haus ihrer Eltern stirbt. Rainer Werner Fassbinder ist nur einer von 5 Regisseur_innen, die ihre Geschichte verfilmten, und dennoch - ganz auserzählt ist sie offenbar auch jetzt noch nicht. Das zumindest legt der Titel nahe, unter dem die Ausstellung im Su de CouCou firmiert: Das Tagebuch der Effi von Briest.

Diese Ausstellung hat viel vor: Sie erzählt Effis Geschichte neu, so wie Effi selbst sie vielleicht hätte erzählen können. Und sie ist der Auftakt für ein Projekt, das diese Geschichte in Architektur verwandeln soll, in einen begehbaren Roman. Zunächst zur Ausstellung: Sie lohnt - auch für die, die den Fontane Roman nicht gelesen haben. Die Exponate ergänzen sich erstaunlich gut, erstaunlich, weil es 13 Künstler_innen aus neun Ländern sind, von denen einige den Roman vorher nicht kannten und sich erst anlässlich dieser Ausstellung mit ihm beschäftigt haben. "Im Prinzip," so Pavel Kralik, einer der ausstellenden Künstler_innen, "ist Effi Briest die deutsche Madame Bovary. Als wir die Geschichte damals in der Schule gelesen haben, hat sie mich wirklich berührt."
Kralik ist Tscheche, und sein Beitrag ist das Foto eines Mädchens, das im Schneidersitz und mit Zigarette in der Hand am Boden hockt - lässig, aber auch merkwürdig erschöpft. "Ihr Blick hat mich fasziniert, für mich liegt Resignation darin. Und ich glaube, auch Effi hat resigniert, als sie geheiratet hat. Vielleicht hat sie geahnt, dass Status nicht alles ist, dass Liebe fehlt."

Von Liebe ist bei Fontane nicht die Rede, und von Sex schon gar nicht. Wie merkwürdig das eigentlich ist – denn immerhin: es ist außerehelicher Sex, der Effi zum Verhängnis wird - illustriert ein weiteres Exponat. SECRET EFFI heißt es, eine Installation der polnischen Künstlerin Sylwia Olszewska-Tracz. Zu sehen sind 19 kunstvoll drapierte schwarze Schachteln. Lüftet mensch die Deckel dieser Schachteln, fällt der Blick auf Zeichnungen einer Frau, die sich selbst befriedigt. Das wohl extravaganteste Exponat: ein wuchtiges antikes Fotoalbum, ledergebunden von 1850. Doch das Äußere täuscht, denn drin ist das Tagebuch der Effi Briest, handgeschrieben und bebildert mit zahllosen Fotos, auf denen Romy Schneider erkennbar ist, Romy und auch Magda Schneider.

"Ich habe", so die Künstlerin Lena Braun, "den Fokus auf die Mutter-Tochter Beziehung gelegt. Effi hat ja nicht nur einen Verehrer ihrer Mutter geheiratet, sie hat ihre Mutter geliebt und wollte sein wie sie. Aber das war sie nicht, sie war zu wild, zu frei."

Braun hat diese Ausstellung auch kuratiert – als Auftakt für ihr Projekt "Effis Haus". Was Braun plant, ist, ein ganzes Haus so umzuwandeln, dass der Fontane Roman in ihm begehbar wird: "Berlin und sein Umland sind die Schauplätze dieser Geschichte, das Elternhaus von Effi stand im Ruppiner Land, und hier in Berlin, am Anhalter Bahnhof, war die kleine und dunkle Wohnung, in der sie vor sich hinvegetierte, nachdem ihr Mann sie verstieß. Wo wenn nicht hier sollte man ihr ein Denkmal setzen?"

Das geplante Effi Briest Haus soll kein Museum sein, ganz im Gegenteil: es soll ein Haus werden, in dem Künstler_innnen weiterarbeiten können zu Effi Briest und dazu, wie sie sie sehen. Das Konzept steht, und auch ein Haus, das alle Voraussetzungen für die Realisierung ihres Projekts bietet, hat Braun schon gefunden – im Fontaneland nördlich von Berlin. Was fehlt, ist Geld für den Kauf dieses Hauses, und um es einzuspielen, hat Lena Braun ein Crowdfunding gestartet.

Für alle, die das Projekt unterstützen möchten, hier der Link zur Crowdfunding Kampagne auf Indiegogo: www.indiegogo.com.

Informationen zur Ausstellung und zum Projekt "EffisHaus":

www.sudecoucou.net

Das Tagebuch der Effi von Briest, bis 22.8.2013
Finissage am Donnerstag, 22.8.2013, 19 Uhr

Öffnungszeiten Di-Sa, 14-19h und nach Vereinbarung (030-896 43 139)
Galerie Su de Coucou
Weserstr. 202
12047 Berlin-Neukölln
Mehr Infos unter: www.sudecoucou.net

Kultur Beitrag vom 06.08.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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