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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.08.2013

The Bling Ring - ein Film von Sofia Coppola. Kinostart: 15. August 2013
Julia Lorenz

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins in einem Vorort von L.A. setzt in fünf gelangweilten "Rich Kids" kriminelle Energien frei: Arglos und hochhackig erleichtern sie die Hollywood-Prominenz um..



... ihre Habseligkeiten - und die Frisur hält.

"Live fast, die young/ Bad girls do it well" wummert aus dem Lautsprecher, wenn Rebecca (Katie Chang), Nicki (Emma Watson), Chloe (Claire Julien) und Sam (Taissa Farmiga) nachts durch Los Angeles steuern. Schulschwänzen, Feiern in den angesagtesten Clubs der Stadt und Drogen entlocken den Teenagern aus gehobenen Verhältnissen maximal ein müdes Lächeln für den nächsten Partyschnappschuss.

Als Mark (Israel Broussard), ein eher unscheinbarer Junge, der sich im Epizentrum des Starkults zunächst völlig deplatziert fühlt, von Cliquen-Königin Rebecca unter ihre Fittiche genommen und zu ihrem besten Kumpel auserkoren wird, erliegt auch er dem Reiz des glamourösen Lebens: Ausgedehnte Shoppingtouren beschleunigen seine Transformation zum hippen Gangmitglied und machen ihn vertraut mit der Welt der Upper-Class-Teens, die in ihrem Wachkoma zwischen materiellem Überfluss und Tristesse ständig auf der Suche nach Nervenkitzel sind. Als die Jugendlichen entdecken, wie verblüffend einfach sich ein kleiner Autodiebstahl zwischen After-Hour-Drink und Discobesuch gestaltet, fallen auch die letzten Hemmungen: Angefixt vom Tabubruch und gewillt, dem Lebensstil ihrer prominenten Idole in den Hollywood Hills so nahe wie möglich zu kommen, brechen sie in die Villen von Paris Hilton und anderen Stars ein - und lassen Medien und Polizei zunächst im Dunklen tappen.

Ein Plot, der unglaubwürdiger kaum sein könnte? Keineswegs: Coppolas Drehbuch basiert auf dem Vanity-Fair-Artikel "The Suspects Wore Louboutins", der über eine Einbruchserie in L.A. berichtet. Die Bande, in der Berichterstattung reißerisch als "The Bling Ring" bezeichnet, ließ Stars wie Megan Fox und Orlando Bloom monatelang um ihre Wertgegenstände bangen. Existenzangst? Finanzielle Nöte? Fehlanzeige: Die DiebInnen entpuppten sich schließlich als gut situierte Mittelschichts-Teenager.

Ihrem Lieblingsthema - Einsamkeit und Langeweile im Leben der High Society - bleibt Regisseurin Sofia Coppola so auch mit ihrem neuen Werk in gewisser Weise treu. Doch statt mit melancholischen Großstadtbildern wie im modernen Klassiker "Lost in Translation" ihrem Faible für Zeitgeist-Portraits und Popkultur zu huldigen, begibt sich die Regisseurin in "The Bling Ring" auf einen kompromisslosen ästhetischen Streifzug durch den Fundus der US-amerikanischen Reality-Shows: Schillernde Farben, knappe Outfits und ein wuchtiger Soundtrack mit Songs von Hip-Hop-KünstlerInnen wie M.I.A. und Kanye West inszenieren den Ausverkauf auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten als grelle Party. Ganz nebenbei kommt die Website zum Werk im Stil eines Tumblr-Blogs, das Filmprospekt als Lifestyle-Magazin, daher.
Wie bereits im Vorgänger "Somewhere" setzt Coppola auf Redundanz, um sich der Lebensrealität ihrer ProtagonistInnen anzunähern: Scheinbar endlose Sequenzen, die Rebecca und ihre GespielInnen auf illegalen Beutezügen im Mode-Schlaraffenland begleiten, reproduzieren jene Mischung aus Voyeurismus und Inhaltsleere, die in Form von Celebrity-Dokus Millionen ZuschauerInnen fesseln und nicht zuletzt symptomatisch für den monotonen Alltag der Teenager sind.

Doch trotz Coppolas starker visueller Sprache, trotz ihres Gespürs für das Lebensgefühl der jungen Kriminellen scheint es unmöglich, Zugang zur Mehrheit der Charaktere zu finden - und das beabsichtigt die Regisseurin auch: "Schließlich gibt es in dieser Geschichte keine wirklichen Sympathieträger. Nick [den "echten", von der Regisseurin interviewten Mark - Anm. d. Red] fand ich am zugänglichsten, und ich habe ihn für den Film auch noch ein wenig sympathischer gemacht", erklärt sie im Interview mit dem Musikmagazin Intro. Während Protagonist Mark bereuen, analysieren und reflektieren darf, bleiben die übrigen Charaktere überwiegend flach und statisch - und erfüllen so lediglich ihre Funktion als mal belustigende, mal erschütternde Zeugnisse für die Oberflächlichkeit der Wohlstandsgesellschaft.

Dafür spielt das Ensemble das satirische Potential der Figuren perfide aus: Vor allem Emma Watson, auf den ersten Blick eine kuriose Besetzung für die Rolle der verwöhnten Lolita, und Leslie Mann als überforderte Mutter, die sich beim Heimunterricht für ihre Töchter mit Angelina-Jolie-Collagen behilft, beweisen viel Feingefühl beim Balanceakt zwischen Persiflage und Zynismus.
Wenn nach einer Prom-Night-würdigen Rede von Nicki aka Emma Watson die Lichter im Kinosaal angehen, bleibt dennoch die Unsicherheit darüber, was Sofia Coppola mit ihrem neuen Film eigentlich leisten möchte. Sozialkritik? Satire? Eine Milieustudie oder Momentaufnahme? Ratlos und ein wenig überfordert nach einem neunzigminütigen Glamour-Dauerbeschuss fragt sich der/die ZuschauerIn, ob das wirklich alles ist, was über die im Film portraitierte Gesellschaft gesagt werden kann. Vielleicht ist es Sofia Coppolas Intention, die Antwort jedem/r selbst zu überlassen.

AVIVA-Tipp: Zu feinsinnig, um Hollywood und seinen Starkult gnadenlos vorzuführen, jedoch nicht tief genug, um Verständnis für die starversessene Westküsten-Jugend zu generieren, entzieht sich "The Bling Ring" allen Etikettierungen. Die maximale Distanz zu den ProtagonistInnen erweckt einerseits den Eindruck, Sofia Coppola kratze lediglich an der Oberfläche des schönen Scheins, anstatt in die Tiefe vorzudringen. Andererseits ermöglicht eben diese Zurückhaltung den ZuschauerInnen eine eigene Urteilsbildung - solange diese bereit sind, hinter die glänzende Fassade des Films zu schauen.

Zur Regisseurin: Sofia Coppola, geboren 1971 in New York City, hat als Tochter der FilmemacherInnen Eleanor und Francis Ford Coppola schon früh Leinwanderfahrungen gesammelt: Bereits als wenige Wochen altes Baby besetzte sie ihr Vater für eine Rolle im Mafia-Epos "Der Pate". Nach ihrem Studium der Malerei und Fotografie führte sie in den Neunzigern Regie bei diversen Musikvideos (u.a. der Band "The Flaming Lips") und legte 1999 mit "The Virgin Suicides" schließlich ihr Spielfilmdebut vor, das vom Feuilleton positiv aufgenommen wurde und internationale Preise gewann. Der endgültige Durchbruch gelang ihr - wie auch ihrer Hauptdarstellerin Scarlett Johansson - im Jahre 2003 mit dem Film "Lost in Translation", der Coppola den Oscar für das beste Originaldrehbuch einbrachte. Auch ihre Werke "Marie Antoinette" (2006) und "Somewhere" (2010) gewannen Preise bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig.
Sofia Coppola ist mit Thomas Mars, Sänger der französischen Band Phoenix, verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter.
Weitere Infos unter: www.imdb.com


The Bling Ring
USA 2013
Regie: Sofia Coppola
DarstellerInnen: Katie Chang, Israel Broussard, Emma Watson, Claire Julien, Taissa Farmiga, Georgia Rock, Leslie Mann, Gavin Rossdale
Drehbuch: Sofia Coppola, basierend auf einem Vanity-Fair-Artikel von Nancy Jo Sales
Kamera: Harris Savides ASC und Christopher Blauvelt
Schnitt: Sarah Flack ACE
ProduzentInnen: Roman Coppola, Sofia Coppola, Youree Henley
Musik: Brian Reitzell
Kostüme: Stacey Battat
Filmlänge: 90 Minuten
Verleih: TOBIS Film-GmbH & Co. KG

Kinostart: 15. August 2013

Der Film im Netz
www.theblingring.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lost in Translation - ein Film von Sofia Coppola

My Week with Marilyn - ein Film mit Emma Watson




Kultur Beitrag vom 06.08.2013 Julia Lorenz 

   




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