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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.11.2013

Das Große Heft – ein Film von János Szász. Ab 7. November 2013 im Kino
Rabea Erradi

Ein Zwillingspaar übt sich im Ungarn des zweiten Weltkriegs an Entmenschlichung – die Literaturverfilmung, ausgezeichnet als "Bester Film" auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary,...



... ist ein schonungsloses Kinoerlebnis.

Ungarn, Sommer 1944: Zwei Zwillinge werden von ihrer Mutter aufs Land zur Großmutter gebracht. Dort sei es während des Krieges sicherer als in der Stadt, so die Annahme der Eltern.

Der Alltag auf dem Bauernhof könnte ihrem bisherigen Leben gegenüber jedoch kaum gegensätzlicher sein: Aus der wohlbehüteten, bildungsnahen Idylle der Stadtwohnung gerissen, sind die Geschwister fortan auf ihre körperliche Arbeit angewiesen, um sich Schlafplatz und Verpflegung bei der Großmutter zu sichern. Diese hat kaum wärmende Worte für ihre Enkelkinder übrig. Die von ihr als "Hundesöhne" betitelten Jungen werden von ihr regelmäßig schikaniert und geschlagen. Um den Schmerz, die Sehnsucht nach den Eltern und das allgegenwärtige Leid im Krieg zu überwinden, absolvieren die zwei ein selbst auferlegtes Training zur gnadenlosen Abhärtung, welches sie in ihrem Tagebuch – dem "großen Heft" – detailreich beschreiben. Das Ergebnis ist verheerend.

Die Verfilmung von Agota Kristofs gleichnamigem Roman besticht durch eisige, verbalisierte Sachlichkeit im Umgang mit dem zweiten Weltkrieg in der ungarischen Provinz. Die quälend kurzen Sätze, in denen die Zwillinge ihre Lektionen beschreiben, zeigen vor allem die Entmenschlichung, die in Allgegenwärtigkeit all der Grausamkeiten ihren Lauf nimmt. Für entsprechende Bilder sorgt Kameramann Christian Berger, bekannt durch seine außerordentliche Arbeit in Hanekes "Das weiße Band". Berger weiß es, die fade, ungarische Wintereinöde in still-düsteren Bildern einzufangen, die das Publikum förmlich frösteln lassen.

Regisseur János Szász zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die durch Krieg und Grausamkeit verdorben wird, ja unausweichlich verdorben werden muss. Fernab von jeglicher Moral wird gestohlen, verraten, getötet. Das Gute wird, sofern es denn kurz aufflammt, im Keim erstickt:
Der jüdische Schuster, der den Zwillingen warme Winterstiefel schenkt, wird mit seinem eigenen Hammer erschlagen. Die einzige Freundin der beiden erliegt den Folgen einer Massenvergewaltigung. Eine zunächst hilfsbereit erscheinende Magd entpuppt sich als Verräterin, die der Deportation von jüdischen DorfbewohnerInnen amüsiert und genussvoll Brot essend aus ihrem Fenster heraus zuschaut.

Im Laufe der 113 Minuten entsteht ein endloser Schlund des Leids, der die Zuschauenden ohne Erbarmen mitreißt, sie aber auch spätestens im letzten Drittel kaum noch mehr schockieren kann, da der Kahlschlag so verheerend ist. Vielleicht wäre in diesem Fall eine Prise weniger etwas mehr gewesen, nimmt der Film doch leider bald Dimensionen an, die ob ihrer Grausamkeit nicht mehr greifbar sind. Wunderbar ist jedenfalls die Leistung der in einer Schule gecasteten Brüder András und László Gyémánt: Während sich ihr Schauspiel entsprechend der Handlung in einem schlichten Rahmen bewegt, bestechen sie durch überragenden Ausdruck.

AVIVA-Tipp: Die kalten Gesichter der beiden Jungen bleiben dem Publikum selbst nach Verlassen des Kinosaals erhalten: "Das große Heft" beschert seinen ZuschauerInnen zwar gemischte Gefühle, wird sie in jedem Fall aber lange begleiten.

Das Große Heft
Deutschland/Ungarn/Frankreich/Österreich 2013
Regie: János Szász
DarstellerInnen (Auswahl): András Gyémánt, László Gyémánt, Piroska Molnár, Gyöngyvér Bognár, Ulrich Thomsen
Drehbuch: János Szász, András Szekér, basierend auf Agota Kristofs Roman "Le Grand Cahier"
Kamera: Christian Berger
Länge: 113 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 7. November 2013

Weitere Informationen auf der offiziellen Seite des Films, unter:

www.das-grosse-heft.de





Kultur Beitrag vom 22.11.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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