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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 27.11.2013

Eisheimat - Ein Dokumentarfilm von Heike Fink. Ab 5. Dezember 2013 im Kino
Lea Albring

Sie teilen ein Schicksal und führten doch die unterschiedlichsten Leben. Die sechs im Film porträtierten Frauen sind Teil der ersten großen Einwanderungswelle nach Island. 1949 machen sie sich...



...auf, um fernab von Deutschland als Landarbeiterinnen ihr Geld zu verdienen. Die heute über 80 jährigen Damen blicken zurück und erzählen von harter Arbeit, Liebe auf den ersten Blick, von ungewollten Schwangerschaften und unglücklichen Ehen.

Lebensfragmente zwischen Goldrahmen und Spitzendeckchen

Ungerührt sitzt Anna Karólína Gústafsdóttir in ihrem Wohnzimmer und erinnert sich an ihre Eheschließung mit einem isländischen Maurer: "Mein Mann war so betrunken, der konnte noch nicht mal seinen Namen schreiben." Ursúla Guðmundsson ist da emotionaler. Als sie inmitten von antiken Möbeln und Bilderrahmen an ihre ersten Tage in Island denkt, kämpft sie mit den Tränen. Die Wucht des damaligen Heimwehs ist plötzlich so präsent, als wäre es nie weg gewesen. Neben Anna Karólína und Ursúla schildern auch Aníta Valtysdóttir, Ursúla von Balzun, Ilse Björnsson und Harriet Jóhannesdóttir besondere Lebensetappen und persönliche Geschichten aus ihrer neuen "Eisheimat", die sie vor mehr als einem halben Jahrhundert erstmals betraten.
Im Jahr 1949 sind die Auswanderinnen in einen Frachtkutter nach Island gestiegen, um dem Elend und der Perspektivlosigkeit des Nachkriegsdeutschlands zu entkommen. 238 junge Frauen folgten damals dem Ruf des isländischen Bauernverbandes, der in einer norddeutschen Zeitung per Annonce um weibliche Arbeitskräfte warb. Da nach der Besatzung durch Briten und Amerikaner viele Isländerinnen die Insel verlassen hatten, fehlte es an Arbeitskräften, aber auch an "Frauen fürs Bett", wie Ursúla Guðmundsson weiß.

"Du" ist schöner als "Sie"

Bei ihrem Regiedebüt besuchte die Filmemacherin Heike Fink die sechs Auswanderinnen in ihren Wohnzimmern und machte mit ihnen Ausflüge in die isländische Natur und zu ihren ehemaligen Arbeitsstätten. Es geht um die Stationen ihrer Vita und gleichzeitig um zentrale Fragen des Lebens: Was ist Heimat? Wo gehört frau hin? Wer bin ich? "Ich bin Isländer", sagt Anna Karólina Gústafsdóttir zu Beginn. "Ich bin Deutsche", stellt dagegen Harriet Jóhannesdóttir fest. Schon der Anfang der Dokumentation weist exemplarisch auf die Andersartigkeiten hin, die im Laufe des Films noch an Kontur gewinnen. Als sich die Frauen allerdings um einen Tisch versammeln und Kaffee aus geblümten Porzellantassen mit Goldrand trinken, scheinen alle Unterschiede für einen Moment verschwunden. Ganz klar einig ist sich die Kaffeerunde darüber, dass das Isländische "Du" viel schöner ist als das Deutsche "Sie". In Island sei sie irgendwie freier, kann auch Ilse Björnsson in der Rückschau auf ihr Leben behaupten. Noch immer ist sie mit dem Mann verheiratet, der ihr vor vielen Jahren verbot, den gemeinsamen Kindern Deutsch beizubringen. Freiheit ist relativ und als Kategorie an die Historie gebunden, auch das zeigt der Film.

Im Mittelpunkt stehen die Geschichten

Die Doku kommt völlig ohne Audiokommentar aus. Auch die Namen der Akteurinnen werden nicht eingeblendet. Der Fokus liegt ganz klar auf den Erzählungen der Frauen. Sie sprechen für sich – das gilt für die Frauen genauso wie für ihre Geschichten. Die Kameraführung unterstützt diese Autonomie, sie verzichtet auf dramatische Close-Ups und herangezoomte Gesichter. Filmisch miteinander verwebt werden die Szenen durch Natur- und Landschaftsaufnahmen Islands. Sie trennen die Erzählpassagen voneinander und geben Raum zum Nachdenken – hier wirken die Geschichten nach. In Kombination mit der sehnsüchtigen, traurig-schönen isländischen Musik, verleiht das dem Film nicht nur eine gewisse Ruhe und Melancholie, sondern auch eine subtile Sinnbildlichkeit: So unverwüstlich die Kraterlandschaften Islands, so unverwüstlich erscheinen auch die sechs Frauen.

Über den Film hinaus

Kurz nach Ende der Dreharbeiten ist Aníta Valtysdóttir verstorben. In der Dokumentation hatte sie die Möglichkeit, von ihrem nicht immer einfachen Leben zu berichten, auf das sie am Ende in einer erstaunlichen Gelassenheit zurückblicken konnte.
Anítas Geschichte war bereits Teil des Buches "Frauen, Fische, Fjorde. Deutsche Einwanderinnen in Island" (2011) der Journalistin, Hörspielautorin, Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin Anne Siegel. Auch hier werden insgesamt sechs Frauen porträtiert, die sich wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg nach Island aufmachen und dort eine neue Heimat finden.

Zur Regisseurin: Heike Fink, 1968 in Marbach am Neckar geboren, studierte Literatur und Soziologie, im Anschluss absolvierte sie ein Redaktionsvolontariat bei einer Fachzeitschrift für Gastronomie und war als Testesserin tätig. Als Filmemacherin arbeitet sie seit 2000, sie schrieb Drehbücher für Kurzfilme und war darüber hinaus für TV-Produktionen tätig. Viele ihrer Drehbücher wurden mit Preisen ausgezeichnet oder gefördert. (Quelle: mindjazz pictures)

AVIVA-Tipp: Die Dokumentation kommt unaufdringlich daher, das gesprochene Wort wirkt durch die reduzierten Mittel umso eindringlicher. Das Regiedebüt von Heike Fink gibt den sechs porträtierten Frauen den Raum, den Lebensgeschichten benötigen, die einzigartig sind und als Migrantinnenbiographien doch über sich hinausweisen und universelle Züge annehmen.

Eisheimat
Ein Dokumentarfilm von Heike Fink
Deutschland 2012
Regie: Heike Fink
Protagonistinnen: Ursúla von Balzun, Ursúla Guðmundsson, Ilse Björnsson, Aníta Valtysdóttir, Anna Karólína Gústafsdóttir, Harriet Jóhannesdóttir
Buch: Heike Fink
Kamera: Birgit Gudjonsdóttir, Marcel Reategui
Länge: 84 Minuten
Verleih: mindjazz pictures
Kinostart: 5.12.2013
www.mindjazz-pictures.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Anne Siegel - Frauen, Fische, Fjorde. Deutsche Einwanderinnen in Island

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Kultur Beitrag vom 27.11.2013 Lea Albring 

   




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