20 Feet From Stardom - Der Ruhm zum Greifen nah. Kinostart 24. April 2014 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.04.2014

20 Feet From Stardom - Der Ruhm zum Greifen nah. Kinostart 24. April 2014
Helga Egetenmeier

Erneut konnte eine Dokumentation zur Musikgeschichte einen Oscar gewinnen. "20 Feet From Stardom" ehrt die Backgroundsängerinnen berühmter Bands und Musiker und beleuchtet deren Arbeit, die...



... die Erfolge der Stars erst möglich macht(e).

Jede ClubgängerIn kann "River Deep, Mountain High" mitsummen, "Gimme Shelter" von den Rolling Stones ist ein Jahrhundertsong und doch würden diese Lieder ohne die Sängerinnen im Hintergrund ihre außergewöhnliche Wirkung verfehlen.

Vierzig Jahre Musikgeschichte

Indem der Film den Lebensweg mehrerer Backgroundsängerinnen verfolgt, fängt "20 Feet From Stardom" über vierzig Jahre Musikgeschichte ein. Als die Girlgroups Anfang der 60er Jahre von den auf einen Sänger fokussierten Bands abgelöst wurden, verschwanden die Sängerinnen in den Hintergrund. Diese Entwicklung unterstützte der ab Mitte der 60er Jahre stilprägende "Wall of Sound" des legendären Produzenten Phil Spector,

Gespickt mit Anekdoten über ihre Vergangenheit, führen uns die Protagonistinnen, die in Backgroundgroups mit so wohlklingenden Namen, wie "The Blossoms", The Crystals" und "The Raelettes" gesungen haben, durch ihr Leben. Der Film liefert das dazu passende Archivmaterial und aktuelle Interviews mit Bruce Springsteen, Sting, Mick Jagger und Stevie Wonder zu "ihren" Backgroundsängerinnen.

Im Hintergrund der Stars

Gefragt nach der Zufriedenheit mit ihrem Status als Backgroundsängerin, beschreiben die Interviewten ihre mehr oder weniger gescheiterten Versuche, selbst in den Vordergrund zu treten. Nur wenige, wie Sheryl Crow oder Tina Turner, schafften den Sprung ganz nach vorne. Darlene Love, die aus ihrem bewegten Leben erzählt, ist eine der Glücklichen, sie wurde nach mehreren Anläufen im Jahr 2011 als Sängerin in der Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Gemeinsam schätzen die Befragten aber durchaus an ihrer Arbeit den Aspekt, sich allein nur auf den gemeinsamen Gesang konzentrieren zu können.

Die meisten Protagonistinnen haben ihre ersten Erfahrungen im Kirchenchor gemacht. Der Grund, dass überwiegend afroamerikanische Sängerinnen für die Aufnahmen und Auftritte gebucht wurden, lag anfangs maßgebend an dem Wunsch nach einem "schwarz" klingenden Sound, den die weißen englischen Musiker, wie Joe Cocker, David Bowie und die Rolling Stones, in die USA mitbrachten.

Nur am Rande geht Regisseur Neville auf die Mechanismen des männlich geprägten Musikgeschäfts ein. Wie in dem kurzen Moment, als die Afroamerikanerin Merry Clayton über ihre politische Motivation spricht, die sie ein Engagement bei der Südstaaten-Band Lynyrd Skynyrd annehmen ließ. Oder wenn Darlene Love sich immer noch über das rücksichtslose Verhalten des mächtigen Produzenten Phil Spector gegenüber den jungen Frauen wundert, der mit seinen Namensrechten jonglierte und aufgenommene Songs anderen Gruppen zuordnete.

AVIVA-Tipp: Unterhaltsam und feinfühlig setzt "20 Feet From Stardom" ein längst überfälliges Denkmal für die Leistungen der Backgroundsängerinnen im weltweiten Musikgeschäft. Mit bekannten Songs, bezaubernden Stimmen und spannenden Geschichten hinterlässt der Kinogenuss seine Spuren auch bei der ZuschauerIn, um beim nächsten Konzertbesuch mal hinter "den Star" zu blicken.

Zu den Hauptdarstellerinnen:

Darlene Love unterstützte schon als junge Frau Stars wie Dionne Warwick oder Frank Sinatra. Sie wurde Anfang der 60er Jahre für eine der Bausteine der "Wall of Sound" und damit eine Leadstimme in vielen Charthits, sie ist heute wieder Sängerin bei "The Blossoms".
Merry Clayton begleitete mit ihrer Stimme Carol King auf ihrem Erfolgsalbum "Tapestry", hat großen Anteil an dem Rolling-Stones-Klassiker "Gimme Shelter" und ist bei Joe Cockers Liedern als Backgroundsängerin zu hören.
Lisa Fischer tourt seit 1989 als Leadsängerin mit den Rolling Stones und steht mit Sting und Chris Botti auf der Bühne. Für ihr Soloalbum "So Intense" gewann sie 1992 einen Grammy.
Táta Vega versuchte es in den 70er Jahren bei Motown als Solokünstlerin und hatte ein Comeback als ihre Stimme Steven Spielberg begeisterte und er sie für "Die Farbe Lila" engagierte. Danach tourte sie mit Elton John.
Judith Hill geht als Backgroundsängerin mit Elton John und Stevie Wonder auf Tour. Statt im Jahr 2009 mit Michael Jackson bei seiner Konzertserie auf der Bühne zu stehen, hörten sie etwa eine Milliarde Menschen als Leadstimme bei der Jackson Gedenkveranstaltung.

Zum Regisseur: Morgan Neville kann viel Erfahrung mit Musik- und Kulturdokumentationen vorweisen. Drei seiner Filme über MusikerInnen, die das 20. Jahrhundert geprägt haben, waren für einen Grammy nominiert, darunter "Respect Yourself: The Stax Records Story" von 2007. Sein Film "Troubadours" mit Carole King und James Taylor feierte 2011 auf dem Sundance Film Festival Premiere.

20 Feet From Stardom
USA, 2013
Regie: Morgan Neville
Hauptdarstellerinnen: Darlene Love, Merry Clayton, Lisa Fischer, Táta Vega, Judith Hill
Verleih: Weltkino Filmverleih
Lauflänge: 91 Minuten
Kinostart: 24. April 2014

Weitere Infos unter:

www.20feet.weltkino.de und www.twentyfeetfromstardom.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Carole King "Tapestry"

Sheryl Crow - Detours



Kultur Beitrag vom 21.04.2014 Helga Egetenmeier 

   




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