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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.05.2014

Violette. Ein Biopic mit Emmanuelle Devos und Sandrine Kiberlain von Martin Provost. Kinostart: 5. Juni 2014
Clara Woopen

Violette Leduc brach mit ihren autofiktionalen Romanen Geschlechternormen und Tabus der Nachkriegszeit. Entdeckt und gefördert wurde sie zwar von keiner Geringeren als Simone de Beauvoir, dennoch...



... fand ihr anachronistisches Werk lange keine Beachtung.

Nicht die Zeit ihres Erfolgs in den 60er Jahren wird beleuchtet, sondern die Anfänge ihres Schaffens zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, die mühsamen Jahre voller Selbstzweifel und ohne LeserInnenschaft. Der Film beginnt im eisig kalten, unfreundlichen Dunkel irgendwo auf dem Land in Frankreich, bevor Violette überhaupt an Schreiben denkt. Sie wird in einem heftigen Streit dazu aufgefordert, um sich zu beruhigen. Seitdem bedeutet Schreiben für sie, ihre schwierige Vergangenheit in ärmlichen Verhältnissen und die destruktiven Selbstzweifel aufzuarbeiten. Es wird immer mehr zu einer fast krankhaften Obsession, angetrieben durch ihren Drang nach Liebe und Bestätigung. Mit jedem Kapitel wird eine Person oder ein Ort eingeführt, die sie weiter auf ihrem beschwerlichen Weg zur Schriftstellerin bestärken oder prägen.

Alleine in Paris stößt sie auf ein Buch von Simone de Beauvoir, "eine Frau, die so ein dickes Buch geschrieben hat", wie sie positiv überrascht feststellt. Noch verdient sie selbst ihren Lebensunterhalt auf dem Schwarzmarkt. Sie fährt in ihrer Einsamkeit damit fort, sich die angesammelte Frustration von der Seele zu schreiben und legt Simone de Beauvoir das fertige Manuskript vor die Wohnungstür. Diese hält die Unbekannte für sehr talentiert und ihre Sprache für ungewöhnlich ausdrucksstark, woraufhin sie ihr zu einer ersten Veröffentlichung verhilft, in einer Reihe herausgegeben von Albert Camus und noch dazu in dem angesehenen Verlag Gallimard. Violette verliebt sich bedingungslos in die einzige Person, die an sie glaubt und ihr Hoffnung gibt. Auf dem Buchmarkt allerdings wird sie ignoriert, sie fällt in ihr Loch aus dramatischer Einsamkeit und Selbsthass zurück.

Zwischen Simone de Beauvoir und Violette entsteht eine enge, wenn auch komplizierte Freundschaft. Sie unterscheiden sich stark durch ihre Lebenswelten, letztere lebt einsam und ignoriert am Rand der Gesellschaft, erstere bewegt sich selbstbewusst in LiteratInnenkreisen. Ihre Themen sind zwar ebenso unterschiedlich motiviert und ganz anders formuliert. Violette erzählt ihre eigene, private Geschichte der sozialen Ungerechtigkeit und findet damit zu sich selbst und ist auf das Geld angewiesen. De Beauvoir möchte hingegen die Gesellschaft mit Feminismus konfrontieren, ersinnt prinzipielle, theoretische Gedankengänge und protestiert aus einem entschiedenen Sendungsbewusstsein heraus gegen herkömmliche Geschlechterbilder. Dennoch teilen sie das Bedürfnis nach Emanzipation, übergehen die Geschlechtergrenzen mit dem nötigen Wagemut und stehen öffentlich zu bisher fremden, tabuisierten Ideen. Violette ist angewiesen auf die Frau, die ihre obsessive Liebe nicht erwidert und oft unerträglich professionell und unnahbar wirkt.

Die französische Schauspielerin Sandrine Kiberlain überrascht hier als reservierte Intelektuelle im Gegensatz zu ihren sonst weniger ernsten Rollen. Genauso scheint doch noch nicht alles zu Simone de Beauvoir gesagt zu sein. Sie bewundert die heilende Wirkung des Schreibens auf Violette und die Ehrlichkeit ihrer Publikationen, die auf eine ganz andere, ihr fremde Art funktionieren.

Der Film charakterisiert den französischen Literatur- und Kulturbetrieb der Nachkriegszeit durch verrauchte Kneipen und geringe Aufstiegschancen, aber auch sehr liebevoll durch gegenseitiges Korrigieren, Vertrauen und Freundschaften. Violette gibt für eine Einschätzung ihrer KollegInnen jedes Mal ihr handgeschriebenes Manuskript ab ohne sich durch eine Abschrift abzusichern. Ihren Mäzen Jacques Guérin, der sich als "ebenso homosexueller Bastard" mit ihr identifizieren kann, besucht sie auf dessen Landgut.

Violette bewegt sich sowohl in der ArbeiterInnenklasse als auch in der Literaturszene, ist ruppig und bescheiden wie feinsinnig und literarisch talentiert. Filmisch umgesetzt wird das mit kurzen und alltäglichen, aber unglaublich ausdrucksstarken Szenen. Die Kamera folgt ihrem Blick in die Baumwipfel ebenso wie ihren Händen, die ein großes, rohes Stück Fleisch waschen.

Als erste Frau wagt sie es "wie ein Mann zu schreiben". Sie kommuniziert offen weibliche Sexualität- noch dazu Bisexualität, sowie ihre Geburt als uneheliches Kind und ihre Abtreibung als junge Frau. Auf ihre ganz besondere Art ist sie eine emanzipierte Frau, die sich in ihrer geschlechtsnormativen Umgebung nichts gefallen oder einreden lässt.
Inszeniert ist der Film angenehm schlicht und unaufgeregt. Violette befindet sich die längste Zeit in dunklen Umgebungen. Die langen Einstellungen in lichtdurchfluteter Natur wirken im Kontrast dazu sehr beruhigend und spiegeln wieder, wie sie immer mehr zu sich findet und zu sich stehen kann.

AVIVA-Tipp: Zwei Feministinnen der ersten Stunde werden in dem sinnlichen Biopic vorgestellt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gerade Violettes ganz eigene, instinktiv feministische Haltung macht sie zu einer faszinierenden Persönlichkeit, die uns sicher noch beschäftigen wird.

Zur Hauptdarstellerin: Emmanuelle Devos, geboren 1964 in einem Vorort von Paris, ist eine vor allem in Frankreich bekannte Schauspielerin in Film- und Fernsehproduktionen. In dem Thriller Lippenbekenntnisse setzte sie sich 2001 gegen Audrey Tautou als Amélie durch und gewann einen César als beste Hauptdarstellerin, in dem Drama À l´origine wurde sie 2009 als beste Nebendarstellerin wiederum mit einem César prämiert.

Zur Darstellerin von Simone de Beauvoir: Sandrine Kiberlain, geboren 1968 bei Paris, ist neun Jahre nach ihrem ersten Filmauftritt bekannt geworden, als sie 1995 für den César als beste Nachwuchsschauspielerin nominiert wurde. Ein Jahr später erhielt sie ihn für den Film Haben (oder nicht). Drei weitere Male nominiert als beste Hauptdarstellerin gewann sie diesen César 2013 für 9 mois ferme. 2001 saß sie in der Jury bei den 54. Festspielen von Cannes.

Zur Figur: Violette Leduc, geboren 1907 im Norden Frankreichs, schrieb von 1945 bis zu ihrem Tod 1969 autofiktionale Romane, die auch die Aufmerksamkeit von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre und Jean Cocteau auf sich zogen. Für ihr erfolgreichstes Buch La Batârde wurde sie für den Prix Goncourt nominiert. Violette Leduc findet weltweite Beachtung in literaturwissenschaftlicher und Gender Studies Forschung.

Violette
Frankreich, 2013
Regie: Martin Provost
DarstellerInnen: Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Olivier Gourmet
Lauflänge: 139 Minuten
Kinostart in Deutschland: 05.06.2014
Verleih: Kool Filmdistribution

www.Violette-Film.de

Weitere Infos unter:

violetteleduc.net (Zu Biographie, Werken und Rezeption Violette Leducs)

www.fembio.org (Zur Biographie von Violette Leduc)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Séraphine, ein Film von Martin Provost mit Yolande Moreau

Simone de Beauvoir zum 100. Geburtstag




Kultur Beitrag vom 28.05.2014 AVIVA-Redaktion 

   




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