Die langen hellen Tage. Ein Spielfilm von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß. Kinostart am 21. August 2014 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Regina Schmeken. Blutiger Boden Lucian Freud Poryes 2017
Aviva-Berlin > Kultur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.08.2014

Die langen hellen Tage. Ein Spielfilm von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß. Kinostart am 21. August 2014
Dorothee Kröger

In starken Bildern mit virtuoser Erzählkraft öffnet sich die Kulisse des postsowjetischen Tiflis, vor der die Teenager Eka und Natia zu jungen erwachsenen Frauen heran-, aber auch...



... über gesellschaftliche Konventionen hinauswachsen.

Weibliche Identität und tägliche Gewalt

In ihrem ersten gemeinsamen Film, einer georgisch-deutsch-französischen Zusammenarbeit, zeigen die RegisseurInnen Ekvtimishvili und Groß ein übliches Phänomen in Konfrontation mit dem Ausnahmezustand: Zwei Teenager, Eka (Lika Babluani)und Natia (Mariam Bokeria), gehen den nervenaufreibenden Weg zur Adoleszenz in den frühen 1990er Jahren Tiflis´. Ihre Suche nach weiblicher Identität steht im Kontext einer Gesellschaft, in der sich Gewalt, Willkür und Selbstjustiz vor den jungen Frauen aufbauen und diese zu erdrücken drohen. Der Kameramann Oleg Mutu überführt die persönlichen Erinnerungen Ekvtimishvilis in eine eindrucksvolle Bilderwelt, die historischen und persönlichen Wandel verzahnt und diesen im Spannungsfeld "Vergangenheit-Zukunft" aussagekräftig einspannt.

Fragile Bedürfnisse

Die Hauptstadt Georgiens ist nach der Sowjetzeit und der Unabhängigkeit 1991 Schauplatz eines Bürgerkrieges und in den Abchasien-Konflikt verwickelt. Dieser wird im Film meist medial, über Fernsehen und Radiomeldungen, vermittelt. Die Gewalt, welche Morde auf der Straße, Alkoholismus und patriarchale Familienverhältnisse zur Norm erhebt, zeigen die FilmemacherInnen im Detail anhand des Lebens der zwei Freundinnen Natia und Eka. Ihr Alltag verlangt nach einem Teenagerleben: Heimliches Rauchen, gegen LehrerInnen rebellieren, erste Liebesgeständnisse. Diese Bedürfnisse sind fragil und bedroht, an dem Status Quo Georgiens zu zerbrechen, in welchem die beiden sich wiederfinden, in dessen Trümmern sie sich jedoch auch emanzipieren.
Eka macht dies durch einen traditionellen Männertanz, den sie auf der Hochzeit Natias voll Widerstand vorführt, deutlich.

Durch den Tanz vollzieht Eka ihre Emanzipation dergestalt, dass sie aus der zurückhaltenden Rolle, in welcher sie das Leben Natias beobachtend kommentierte, heraustritt. Sie ist befangen von der beklemmenden Gesellschaft, ihr Vater sitzt im Gefängnis und ihre beste Freundin heiratet einen Mann, der Natia einschränkt und mit Befehlen überschüttet.

Lado, ein sensibler Verehrer Natias, schenkt dieser vor ihrer Hochzeit eine Pistole zum Selbstschutz. Diese rückt in das Zentrum der Beziehung zwischen Natia und Eka und entzündet einen Konflikt zwischen den beiden. Paradoxerweise symbolisiert die Waffe die Liebe Lados, birgt jedoch die Frage, mit welchen Mitteln Eka und Natia sich unabhängig machen wollen.

Im Verlauf des Films wächst Natias Unzufriedenheit gegenüber ihrer Ehe mit Kote und dem Zusammenleben mit dessen Eltern. An ihrem Geburtstag entflieht sie dieser Bedrängnis gemeinsam mit Eka und kehrt in ihr altes Zuhause zurück, wo ein liebevoll von der Großmutter zubereitetes Essen bereitsteht. Der Moment der Unbeschwertheit verstreicht schnell: Lado, der frühere Verehrer Natias wartet auf der Straße und singt ein Liebeslied, wodurch er von Kote, Natias Ehemann, bedroht wird.

Kulturelle Grenzen

Der Film geht der Frage nach, was als Teil einer Kultur akzeptiert werden kann und wo die Grenze dieser verläuft. Damit einhergehend stellt sich die Frage nach der Relevanz und dem Verlust von Vorbildern und Werten. Eltern und LehrerInnen stiften keine Ordnung mehr und werden direkt und indirekt stark von den Teenagern beschimpft und kritisiert. Diese richten den Blick bewusst, im Gegensatz zu den in Alkoholismus, Streit und erstarrter Autorität versinkenden Erwachsenen, nach vorn. In einer Szene, in der die Freundinnen der Schwester Ekas versammelt sind, heißt es:"You people are so backward. What century are you living in?"

Auszeichnungen
"Die langen hellen Tage" wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem C.I.C.A.E. Art Cinema Award bei der Berlinale 2013, dem "Herz von Sarajevo" (Preis für den besten Film des Sarajevo Film Festival), dem SKODA Film Award beim 13. Festival des mittel- und osteuropäischen Films GoEast, Wiesbaden und dem Grazia Magazine Award beim Paris Cinema International Film Festival. Des Weiteren wurde er als georgischer Beitrag zu den Academy Awards 2014 ausgewählt.

Zu den RegisseurInnen:
Nana Ekvtimishvili
, geboren 1978 in Tbilisi, Georgien, startete ihre Karriere als Schriftstellerin bereits im Teenageralter. Sie schrieb Kurzgeschichten für ein georgisches Magazin. Nach einem Philosophiestudium in Tiflis machte sie einen Abschluss in Dramaturgie und Drehbuchschreiben an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Dort traf sie Simon Groß, Produzent und Co-Regisseur von "Die langen hellen Tage". Ekvtimishvili und Groß sind mittlerweile verheiratet und leben in Tiflis, wo sie mit Erfolg eine Eisdielen-Kette betreiben. Nana arbeitet derzeit an einem neuen Roman.
Simon Groß, 1976 in Berlin geboren, studierte Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nach einigen Kurzfilmen drehte er seinen ersten abendfüllenden Spielfilm "Fata Morgana" 2006 in Marokko, für den er den Förderpreis Deutscher Film für die beste Regie auf dem Filmfest München erhielt. Er gründete in Deutschland und Georgien eigene Produktionsfirmen und drehte 2012 in Georgien "Die langen hellen Tage" als Co-Regisseur und Produzent.

AVIVA-Tipp: In "Die langen hellen Tage" erleben die Laiendarstellerinnen und Filmdebütantinnen Lika Babluani und Mariam Bokeria als Eka und Natia die langen Sommertage Tiflis´ im Jahr 1992 in gestochen scharfen Bildern, getragen durch diffus-reduzierte Farben. Umso prägnanter und leuchtender sind die Darstellungen der Blumen gezeichnet, die auf das Wachsen der Mädchen verweisen. Es ist eine Freundschaft, durch die beide zu ihrer weiblichen Identität finden. Ihren mutigen, notwendigen Weg dürfen die ZuschauerInnen in diesem berührenden Film ein Stück mitgehen.

Die langen hellen Tage
(Grzeli Nateli Dgeebi – In Bloom)

Deutschland/Frankreich/Georgien 2013
Georgisch mit deutschen Untertiteln / Synchronfassung
Regie und Drehbuch: Nana Ekvtimishvili, Simon Groß
Kamera: Oleg Mutu
HauptdarstellerInnen: Mariam Bokeria, Lika Babluani.
Lauflänge: 102 Minuten
Kinostart: 21. August 2014
Eine Produktion von Indiz Film, Polare Film und Arizona Films
in Ko-Produktion mit ZDF-Das kleine Fernsehspiel und arte
Verleih: BeMovie
Weitere Infos unter:
www.dielangenhellentage.de und www.facebook.com/DieLangenHellenTage

Quelle: BeMovie/Greenhouse PR



Kultur Beitrag vom 07.08.2014 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken