Girlhood - Bande de filles. Kinostart: 26. Februar 2015 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.02.2015

Girlhood - Bande de filles. Kinostart: 26. Februar 2015
Kristina Tencic

Ausschlie├člich mit Laienschauspielerinnen aus den armen Minderheitenvierteln in Frankreich arbeitet die Coming-of-Age-Filmemacherin Celine Sciamma in ihrem neuesten Drama nach Tomboy und Waterlilies.



Gewohnt sozialkritisch untersucht sie hier das spezielle Milieu der Pariser Vorstadt und gew├Ąhrt dabei Einblicke in den Ausbruchprozess eines M├Ądchens, das sich nunmal nicht mit den vielen Regeln und Unfreiheiten zufrieden geben kann.

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, die M├Ądels gehen aus. Zumindest so weit, wie die 17 j├Ąhrige M├Ądchengang ausgehen darf und frei sein kann - in ein Hotelzimmer, in das sie sich einmieten. Dort kiffen und trinken sie, ziehen sich schick an, kichern und singen und tanzen als seien sie in einem Club. Rihannas Song "Diamond" wird mitgegr├Âlt und f├╝r einen Moment lang strahlen Marieme und ihre Freundinnen tats├Ąchlich vor reinem Gl├╝ck.

Au├čerhalb des Hotelzimmers ist das Leben weitaus freudloser. In der Pariser Vorstadt haben sie als M├Ądchen in einer von Jungen und M├Ąnnern bestimmten Gesellschaft wenig zu sagen. Sie werden marginalisiert und die Gesetze sind allen bekannt. Etwa, dass frau den Haushalt zu besorgen hat, dass sie nicht einfach ihre Sexualit├Ąt ausleben darf (und schon gar nicht mit den Freunden ihres Bruders), oder dass die M├Ądels unter sich noch so laut sein k├Ânnen, aber sobald sie sich in Gegenwart von M├Ąnnern befinden, so gilt es den Blick zu senken und zu verstummen. Die Unterdr├╝ckung ist in ihrer Mimik und Gestik vor dem Mann sp├╝rbar, und die tagt├Ągliche Gewalt, die Marieme durch ihren Bruder erf├Ąhrt, vollendet nur das traurige Bild.

Auch das System schiebt Mariemes Zukunft einen Riegel vor: Die h├Âhere Schullaufbahn wird ihr verweigert, selbst wenn sie wohl die Noten dazu h├Ątte. Marieme bricht aus und verl├Ąsst das gewaltvolle Zuhause und das Viertel, das ihr zu eng geworden ist. Sie arbeitet als Drogeneskorte und f├Ąngt an, sich die Br├╝ste abzubinden und Jungsklamotten anzuziehen.

Im Endeffekt weiss mensch nicht so recht, was die Moral von der Geschichte ist: Hei├čt es, dass frau gut daran tut, die m├Ąnnlichen Codes zu ├╝bernehmen, um in der von M├Ąnnern regierten Gesellschaft ihre eigene Freiheit zu erlangen? Sieht so pers├Ânliche Emanzipation aus? Oder symbolisiert es nur den Ausbruch aus den Zw├Ąngen und Verhaltenscodes einer Community, die ihr nicht die n├Âtige Unterst├╝tzung bietet, um einen anderen, den selbst erw├Ąhlten Weg zu gehen und sich selbst zu finden? Viele Fragen bleiben unbeantwortet und best├Ątigen sich jedoch genau hierdurch in ihrer Legitimit├Ąt und Dringlichkeit.
AVIVA-Tipp: Celine Sciamma konzentriert sich in ihrer filmischen Arbeit auf starke M├Ądchen, die sie beim Erwachsenwerden dokumentiert und dabei auch Genderthemen eine Erz├Ąhlstimme verleiht. So erz├Ąhlte sie etwa in Tomboy von der 10 j├Ąhrigen Laure, die sich nach einem Umzug als Junge ausgibt. In ihrer neuen Coming-of-Age-Geschichte, die am Ende der Pubert├Ąt spielt, arbeitet sie ausschlie├člich mit Laienschauspielerinnen, was dem Film sehr viel Authentizit├Ąt und erfahrbare Spontanit├Ąt verleiht. Sie tut gut daran, religi├Âsen oder rassistischen Vorurteilen keinen Raum zu lassen, indem sie sie schlichtweg nicht benennt. Die Sozialkritik mit Chuzpe wird nur etwas abgeschw├Ącht, da sie die Charakterst├Ąrke, die sie im Casting hervorhebt, in ihrem Erz├Ąhlfaden leider nicht zu kanalisieren wei├č. Die M├Ądchenbande wei├č allerdings mit ihrem Charme genau umzugehen und uns f├╝r zwei Stunden als eine von ihnen zu empfangen.

Zur Regisseurin: Die ebenfalls in der Pariser Vorstadt aufgewachsene Celine Sciamma hat sich als gelernte Drehbuchautorin bereits mit ihrem ersten Filmprojekt ins kalte Wasser geworfen. Das Drehbuch zu "Water Lilies" war ihre Abschlussarbeit an der renommierten franz├Âsischen Filmhochschule "La Femis", f├╝r den sie auf Anraten ihres Dozenten, dem Schauspieler und Filmemacher Xavier Beauvois, auch gleich die Regie ├╝bernahm. 2007 deb├╝tierte ihr Film in Cannes, wurde f├╝r das Beste Erstlingswerk nominiert und feierte internationale Erfolge. "Tomboy" erhielt den Preis der Teddy-Jury in Berlin und er├Âffnete die Panoramasektion der Berlinale 2011. "Girlhood" wurde auf dem Stockholmer Filmfestival 2014 als bester Film ausgezeichnet und 2015 f├╝r einen Cesar in der Kategorie Regie, Nachwuchsdarstellerin und Tongestaltung nominiert. Die Rechte f├╝r das Abspielen des internationalen Hits "Diamonds" hat ├╝brigens Rihanna selbst erteilt, nachdem ihr das engagierte Filmprojekt vorgestellt wurde.

Girlhood
Originaltitel: Bande des filles

Frankreich 2014
Regie: Celine Sciamma
Drehbuch: Celine Sciamma
DarstellerInnen: Karidja Toure, Assa Sylla, Lindsay Karamoh, Marietou Toure, u.v.m.
Spielzeit: 112 Minuten
FSK: ohne Angabe
Verleih: Peripher Filmverleih
Kinostart: 26. Februar 2015
Girlhood

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Kultur Beitrag vom 23.02.2015 Kristina Tencic 

   




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