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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.01.2016

Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen. Ein Film von Baya Kasmi und Michel Leclerc mit Agnès Jaoui. Ab 14. Januar 2016 im Kino
Kristina Tencic

Das Geschwisterpaar Hanna und Donnadieu hat nicht mehr viel gemeinsam, seit sie sich in ihrer Jugend zu einer freiheitsliebenden und selbstbestimmten Frau entwickelt, während ihr Bruder sich ganz..



... dem Islam verschrieben hat und mit Frau und Kindern weiterhin bei den Eltern lebt. Nur eines bleibt der ganzen Familie gemein: Sie können nie und zu niemandem Nein sagen.

Synopsis

Bereits ihr aus Algerien stammender Vater (Ramzy Bedia) hat diese Macke, der den Tante-Emma-Ladenbesitzer ständig dazu treibt, Leuten etwas umsonst zu geben, die Waren anschreiben zu lassen, oder sich auch als Klempner in der Nachbarschaft - für umsonst versteht sich - zu betätigen. Die französischstämmige Mutter (Agnes Jaoui) trägt als von zu Hause aus arbeitende Psychotherapeutin auch nicht gerade zum Auskommen der Familie bei - sie weigert sich schlicht, für ihre Dienste bezahlt zu werden, da Geld schmutzig sei.

Dieses Hilfsgen vereinigt sich auch denkbar schlecht mit Tochter Hannas (Vimala Pons) Beruf als Personalchefin, in dem es ihr natürlich auch obliegt, Kündigungen auszusprechen. Sobald diese ausgesprochen sind, kann Hanna nicht anders und geht mit den Männern ins Bett, als Entschädigung und Abfindung sozusagen.

Die sexuelle Freizügigkeit seiner Schwester stößt bei ihrem Bruder Donnadieu (Mehdi Djaadi), oder Hakim, zu dem er sich im Zuge seiner Annäherung an den islamischen Glauben umbenannt hat, auf brüske Ablehnung. Er möchte zurück zu den Wurzeln seiner Vorväter, zu einer "puren" Lebensweise gelangen, die in der westlichen Gesellschaft abhanden gekommen sei, und schmiedet Pläne, mit seiner Frau und den Kindern nach Algerien zu emigrieren. Die Geschichtsvergessenheit des Sohnes prallt auf die Lebensgeschichte des Vaters, der als junger Mann aus Algerien nach Frankreich kam und, wie er sagt, diesem Land viel zu verdanken hat. Dass ausgerechnet sein Sohn, dem er mit seiner Migration alle Türen öffnen wollte, nun gerade in sein rückschrittliches Herkunftsland zurückkehren möchte, ist ihm unbegreiflich und erscheint ihm wahnsinnig einfältig.

Zum Film

Wie bereits in ihrem Film Der Name der Leute (in dem Kasmis Ehemann Leclerc Regie führte) legen Baya Kasmi und Michel Leclerc das Augenmerk nicht auf die Reizthemen an sich, sondern auf den gesellschaftlichen Umgang mit eben diesen. Und auch hier spielt der Geschlechtsverkehr die Rolle des Mittels zum Zweck (war er in "Der Name der Leute" ein Mittel zur Bekehrung, so wird er in Hannas Fall zum Mittel der Restitution) und wird schließlich zum Indiz des im Innern der Protagonistin stattfindenden Wandels.

Auch ihr Herzensthema, die vollständige Integration in eine Gesellschaft bei gleichzeitiger Akzeptanz und Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, kommt in diesem Film offensichtlich nicht zu kurz. Die Personifizierung dieser in Konflikt stehenden Leitthemen durch das Geschwisterpaar ist ein szenischer Coup, der in weiten Teilen eine solide Darstellung bietet, jedoch an manchen Stellen zu plakativ wirkt. Mut zum Jonglieren mit unterschiedlichen Erzählebenen, Filmgenres und Lebenswelten kann man dem Autorenpaar hingegen nicht absprechen.

AVIVA-Tipp: Die Gratwanderung zwischen Komödie und (politischem) Drama gelingt in Baya Kasmis und Michel Leclercs neuem Film über Mademoiselle Hanna leider nicht immer und lässt sich nur unter Anstrengung vereinen. Haben wir gerade noch über die naiven Allüren der Mutter geschmunzelt, werden wir in der nächsten Szene mit Kindesmissbrauch konfrontiert, der sicherlich zum Gesamtverständnis der Charaktere beiträgt, jedoch deplatziert wirkt. Es sind indes die kleinen Momente, die den Film zu einem Juwel machen - sei es der Moment, in dem Hanna sich vor ihrem Spiegel betrachtet und ihre im Wachstum begriffenen Brüste bewundert, oder ihr Bruder, der in seinem Zimmer eine neue coolere Art zu sprechen erprobt - diese intimen Einblicke in das Seelenleben der Figuren wirken noch lange nach.

Zur Regisseurin: Baya Kasmi wurde 1978 in Toulouse geboren – und hat algerische Wurzeln. Im Jahr 2000 zog sie nach Paris, um Filmemacherin zu werden und verfasste schon ein Jahr später Drehbücher für die französische Fernsehserie "Age Sensible". Danach schrieb sie diverse Folgen für verschiedene TV-Serien und entwickelte mehrere Serienkonzepte, häufig auch in Zusammenarbeit mit ihrem Lebensgefährten Michel Leclerc. 2006 stand sie für dessen ersten Langfilm "J´invente rien" auch als Schauspielerin vor der Kamera. Zusammen mit ihm wurde sie für ihr Drehbuch zu "Der Name der Leute" mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter auch der "Grand Prix du meilleur scenariste". Baya Kasmi macht außerdem Kurzfilme und schreibt Chansons, die sie auch selbst in der Gruppe "Michel et Baya" singt.

Zur Schauspielerin: Agnès Jaoui wurde 1964 in Antony bei Paris geboren. Sie zählt zu einer der erfolgreichsten Frauen im französischen Filmgeschäft, wo sie als Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin wirkt. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Jean-Pierre Bacri bildet sie ein unzertrennliches Autoren- und Schauspielteam, bekannt als "Les Jabacs". Zu ihrer Trophäensammlung zählen vier "Cesars", u.a. 2001 für das beste Drehbuch mit "Lust auf anderes" (Le gout des autres). Da ihr letzter gemeinsamer Film Erzähl mir was vom Regen (Parlez-moi de la pluie) im Jahr 2008 produziert wurde, wurde Unter dem Regenbogen aus dem Jahr 2013 mit einer knappen Millionen ZuschauerInnen in Frankreich als ihr Comeback gefeiert.

Mademoiselle Hanna und die Kunst Nein zu sagen
Originaltitel: Je suis a vous tout de suite
Frankreich 2015
Regie: Baya Kasmi
Drehbuch: Baya Kasmi, Michel Leclerc
DarstellerInnen: Vimala Pons, Mehdi Djaadi, Agnès Jaoui, Ramzy Bedia, Anemone, Laurent Capelluto, Claudia Tagbo und Camélia Jordana
Spielzeit: 100 Minuten
FSK: ohne Angabe
Verleih: X Verleih
Starttermin: 14. Januar 2016
Mehr zum Film unter: www.mademoisellehanna.x-verleih.de und www.facebook.com/MADEMOISELLEHANNA


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Kultur Beitrag vom 03.01.2016 Kristina Tencic 

   




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