Voices of Violence. Kinostart am 10. März 2016. Sonderveranstaltung mit Regisseurin Claudia Schmid und Traumatherapeutin Thérèse Mema Mapenzi am 03.03.2016 um 20:00 Uhr in Berlin, Hackesche Höfe. AVIVA verlost 2 x 2 Gästelistenplätze - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.02.2016

Voices of Violence. Kinostart am 10. März 2016
Christine Langer

Regisseurin und Filmautorin Claudia Schmid reiste in die östlichen Provinzen der Demokratischen Republik Kongo, wo sexualisierte Gewalt gegen Frauen gezielt als Kriegswaffe eingesetzt wird. In dem Dokumentarfilm sprechen die Frauen zum ersten Mal über ihre Traumata.



"In dem Land in dem die Gewalt systematisch und unfassbar brutal ausgeübt wird, möchte ich die Geschichten derer aufnehmen, die noch nie darüber gesprochen haben. Ich will präzise verstehen wie diese Gewalt erlebt und als Waffe eingesetzt wird. Dabei interessieren mich alle Stimmen der Gewalt." Claudia Schmid ist nach einer ersten Recherchereise in die ländlichen Gebiete am Kivu See zurückgekehrt, die Austragungsorte blutiger Konflikte um Coltan, Diamanten und Gold sind und in die sich kaum ein_e Europäer_in verirrt. "Voices of Violence" ist der erste Film einer Trilogie, die sich mit Gewalt gegen Frauen auseinandersetzt, unter anderem in Bangladesh, Benin als auch in Deutschland.

Stimmen, die erstmals Gehör finden
Die interviewten Frauen berichten zum ersten Mal über ihre grausamen Erfahrungen, als Rebellen ihre Dörfer überfielen, plünderten, terrorisierten und sie verschleppten. Die Kamera fängt die Gefühle, Ängste und Hoffnungen der traumatisierten Frauen ein. "Diese Täter wollen das Leben einer Person zerstören. Sie zerstören ihr Leben, ihr Herz, sogar ihren Körper [...] Sie nehmen dieser Person die Möglichkeit jemals wieder Respekt zu erlangen."

Nach der gelungenen Flucht werden sie in beinahe allen Fällen von ihren Ehemännern sowie der Dorfgemeinschaft als "Hutu-Frauen" stigmatisiert. Auch die Kinder, die aus den Vergewaltigungen hervorgehen, werden marginalisiert. Da viele der Frauen jegliche Lebensgrundlage verloren haben, unterstützen sie sich gegenseitig und sammeln Geld, um sich Kleinstkredite zu ermöglichen. Die Sozialarbeiterin und Trägerin des "Shalom Preises 2015", Thérèse Mema Mapenzi, betreut die Opfer sexualisierter Gewalt in Traumazentren, in denen diese soziale, medizinische wie auch psychologische Unterstützung erhalten.

Patriachale Gesellschaft
Vergewaltigungen werden in den Konflikten im Kongo gezielt als Kriegsstrategie eingesetzt, um Männlichkeiten zu verletzen aber auch, um Familien und den Zusammenhalt innerhalb von Dörfern zu zerstören. Der Film versucht die gesellschaftlichen Wertevorstellungen aufzuzeigen, die zu diesen gewalttätigen Akten führen. Deswegen wurden auch Männer, Nachbar_innen, Familienangehörige sowie Freund_innen interviewt. Dabei offenbaren einige der Männer deutlich ihre patrichalen Moralvorstellungen: Sie schieben die Schuld an den Vergewaltigungen den Frauen selbst zu, betrachten Gewalt als Bestandteil ihres Alltags und fühlen sich von Frauen bedroht und provoziert, wenn sich diese nicht unterwürfig verhalten.

Hintergründe
Seit über 20 Jahren herrscht in der DR Kongo ein blutiger Bürgerkrieg, wobei alltägliche Gewalt bis weit in die Kolonialzeit zurück reicht. Unterschiedliche Rebellengruppen und das Militär sind in unübersichtliche Kämpfe verwickelt, die vor allem in den rohstoffreichen Provinzen ausgetragen werden. Das afrikanische Land ist einer der gefährlichsten Orte der Welt, um als Frau geboren zu werden. Laut UN-Angaben sind in den letzten 15 Jahren ca. 200.000 Frauen brutaler sexueller Gewalt zum Opfer gefallen, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Die Taten bleiben jedoch meistens ohne rechtliche Konsequenzen, obwohl ein Abkommen der Regierung mit der UN besteht, um die Gewalt gegen Frauen nicht länger zu tabuisieren und gezielt zu bestrafen.

Eine sehr wichtige und eindrucksvolle Dokumentation…
...in der die Opfer der Gewalt im Vordergrund stehen und erstmals die Möglichkeit bekommen, ihre Geschichte zu erzählen. Nicht thematisiert wird allerdings die Rolle der Kirche als auch christlicher Hilfsorganisationen, obwohl die interviewten Männer ihre frauenfeindlichen Ansichten oftmals mit Bezug auf die Bibel begründen und auch die Frauen davon sprechen, von "Satan befallen" zu sein. Die Traumazentren in denen Thérèse Mema Mapenzi arbeitet, wurden von missio, einer katholischen Hilfsorganisation, aufgebaut.

Online-Unterschriftenkampagne "Aktion Saubere Handys"
Das Hilfswerk hat die Online-Unterschriftenkampagne "Aktion Saubere Handys" ins Leben gerufen, die an weltweit führende Mobilfunktunternehmen appelliert, kein illegal gewonnenes Coltan mehr zu verwenden und Handelsstrukturen transparent zu gestalten, um die blutigen Konflikte einzudämmen.

AVIVA-Tipp: Claudia Schmid ermöglicht es den Opfern sexualisierter Gewalt in der DK Kongo, Gehör zu finden und international Aufmerksamkeit zu erlangen. Der Film dokumentiert gesellschaftliche und politische Strukturen, in denen Frauen strategisch als Kriegsswaffe eingegesetzt und nach den erlebten Gräueltaten von ihrem Umfeld stigmatisiert werden, was auch in vielen anderen kriegerischen Konflikten nach wie vor traurige Realität ist.

Zur Regisseurin: Claudia Schmid, geboren 1956 in Köln, studierte zunächst drei Jahre Musik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. 1978 begann sie Bildhauerei, Malerei und Konzeptkunst an den Kunstakademien Wien und Düsseldorf zu studieren und wechselte in die bildende Kunst. Als Filmautorin und Regisseurin begann Claudia Schmid 1991 für den WDR, Arte und 3sat zu arbeiten. Schwerpunkte ihrer Dokumentationen sind Bildende Kunst und Künstler_innenportraits. In den letzten Jahren hat sich Schmid Dokumentarfilmen über gesellschaftspolitische Themen gewidmet, wie etwa Menschenrechtsverletzungen, psychische und körperliche Gewalt sowie Folgen von Globalisierung.
Weitere Informationen zur Regisseurin:
www.schmidfilm.de

Voices of Violence
Deutschland 2016
Ein Dokumentarfilm von Claudia Schmid
Mitwirkende: Thérèse Mema Mapenzi, Nakatya,Vumilia u.m.
Bildersturm Filmproduktion
Lauflänge: 90 Minuten, deutsche Voice-over-Fassung
Kinostart: 10.03.2016

Mehr Infos zum Film und zur Kinotour mit Gästen und Filmgesprächen sowie der Trailer unter:
mindjazz-pictures.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ergebnisse der EU-Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen sind alarmierend (2014)

Atlas of Gender and Development. How social norms affect gender equality in non-oecd countries. (2010) Die Daten des auf Englisch vorliegenden Atlas´ wurden zwischen 2005 und 2008 für 124 Entwicklungs- und Transformationsländer erhoben, die zu den Nicht-OECD-Staaten zählen.

Birgit Virnich - Ein Fahrrad für die Flussgötter. Reportagen aus Afrika (2010)

Dr. Rita Schäfer: Frauen und Kriege in Afrika - Ein Beitrag zur Gender-Forschung. Dr. Rita Schäfer untersucht afrikanische Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften aus der Gender-Perspektive. (2008)



Kultur Beitrag vom 29.02.2016 AVIVA-Redaktion 

   




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