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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 28.06.2016

Berenice Abbott - Fotografien. Der Martin-Gropius- Bau widmet ihr vom 1. Juli bis 3. Oktober 2016 eine Ausstellung mit rund 80 Aufnahmen
Yvonne de Andrés

Berenice Abbott (1898 – 1991) zählt zu den wichtigen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie ist eine der Pionierinnen der Dokumentarfotografie. Gezeigt werden ihre berühmte Serie "Changing New York", frühe Porträts und ihre Wissenschaftsfotografien.



"Fotografie bringt dir nicht bei, wie du deine Gefühle ausdrückst, sie bringt dir bei zu sehen." (Berenice Abbott)

Berenice Abbott, geboren 1898, in Springfield, Ohio, zählt zu den renommiertesten US-amerikanischen Fotografinnen. Ihre Schwarzweißfotografien des Straßenlebens und der Architektur von New York sind Meilensteine der Fotografie.

Ihre Laufbahn startet Berenice Abbott mit dem Studium des Journalismus an der Ohio State University, Columbus, 1918 zieht sie nach New York. Sie gehört zur New Yorker Bohème, teilt sich ein Appartement mit der Schriftstellerin Djuna Barnes und lernt die Dadaisten Marcel Duchamp und Man Ray kennen, die im Begriff sind, in die Hauptstadt der Moderne, nach Paris, zu ziehen.

© AVIVA-Berlin, Yvonne de Andrés


1921, 22-jährig, geht sie ebenfalls nach Paris, wo sie zunächst Bildhauerei arbeitet und sich mit schlecht bezahlten Nebenjobs über Wasser hält. 1923 stellte Man Ray sie als Assistentin im Labor seines Ateliers für Porträtfotografie ein, im gleichen Jahr reist sie nach Berlin, um an der Staatlichen Kunstschule zu studieren, kehrt aber bald nach Paris zurück, wo sie bis 1925 für Man Ray arbeitet. Dabei entdeckt sie ihr Talent als Fotografin und fertigt vor allem Porträtaufnahmen an. Sie gibt die Arbeit bei Man Ray auf und hat ihre erste Einzelausstellung 1926 in der Pariser Galerie "Le Sacre du Printemps" mit Porträts von Künstler_innen und Literat_innen der Pariser Avantgarde. Mit finanzieller Unterstützung von Peggy Guggenheim macht Abbott 1926 ihr eigenes Atelier für Porträtfotografie in der Rue du Bac in Paris auf und tritt damit in offene Konkurrenz zu ihrem ehemaligen Mentor Man Ray.

Kurze Zeit vor der Eröffnung ihres Fotostudios, einige Häuserblocks von Man Rays Studio entfernt, macht Abbott eine weitere entscheidende Bekanntschaft. In der gleichen Straße, wo das neue Studio lag, lebte ein Fotograf namens Eugène Atget, dessen Fotoabzüge Abbott im Studio von Man Ray gesehen hatte. Eugène Atget wird einer ihrer großen Vorbilder. Seine Aufnahmen von Paris zeigen die Stadt in ihren unterschiedlichen Facetten und ermöglichen so eine besondere Sicht auf Paris und die Menschen um die Jahrhundertwende. Sie unterscheiden sich von denen seiner Kolleg_innen, die über die streng bauliche Dokumentation nicht hinausgehen, durch ihren Motivreichtum und durch eigenständige gestalterische Lösungen.

Berenice Abbott nimmt 1929 an den Ausstellungen "Film und Foto" in Stuttgart, und "Fotografie der Gegenwart" in Essen teil, beide Ausstellungen gelten seit damals als Manifeste der experimentellen Fotografie. Abbott stellt dort auch jeweils Abzüge von Atget aus. Die Stuttgarter Ausstellung wandert noch nach Berlin ins "Ehemalige Kunstmuseum" heute Martin-Gropius-Bau. Atgets Fotografien von Paris werden zum Vorbild für ihre späteren New Yorker Arbeiten. Als Atget 1927 stirbt, kauft Abbott dessen Nachlass auf. Bei der Rückkehr nach New York nimmt sie Atgets Negativplatten und Abzüge mit, um sein Werk einem breiteren Publikum bekannt zu machen. 1968 verkaufte sie Atgets Bilder an das Museum of Modern Art.

1929 trifft Abbott wieder in New York ein. Die Stadt hat sich radikal verändert.. Nach ihrer Rückkehr hält sie den rasanten Umbruch der Stadt New York fotografisch fest. Alte Viertel verschwinden und werden durch eine energisch wachsende Skyline ersetzt. Abbott wendet sich von der Porträtfotografie ab hin zur Dokumentation. Ihr "Flatiron Building" von 1938 aus dem ehrgeizigen dokumentarfotografischen Großprojekt "Changing New York. Photographien aus den 30er Jahren" gilt als Grundlagenwerk der Dokumentarfotografie. Sie bevorzugt einen einfachen, aber dynamischen Stil mit Drauf- und Untersichten, Ausschnitten, starken Kontrasten und dramatischen Kanten. Das Projekt "Changing New York" wird schließlich unterstützt vom "Federal Art Project", einem Förderprogramm der Regierung für Künstler im Rahmen der Works Progress Administration. Daher gelang es Abbott zusammen mit ihrer Lebensgefährtin der Kunstkritikerin Elizabeth McCausland nicht in der geplanten Form, ihr Buchprojekt "Changing New York" herauszugeben.

© AVIVA-Berlin, Yvonne de Andrés


Von 1934 bis 1958 ist Abbott Dozentin für Fotografie an der "New School for Social Research" in New York. Ab 1940 bis 1960 wendet sie sich der wissenschaftlichen Fotografie zu und ist rund 20 Jahre als Bildredakteurin der "Science Illustrated" tätig. Sie experimentiert 1940 mit dem Fotografieren von Wellen und erfindet 1942 das "Projection Supersight System".
Abbotts Lebensgefährtin Elizabeth McCausland, geboren 1899 in Wichita, Kansas, war eine engagierte US-amerikanische Journalistin und Kunstkritikerin, die für die Zeitung "Republican" politische Artikel schrieb, die sich mit dem aufkommenden intoleranten und repressiven Geist der USA auseinandersetzten. So über den Fall "Saccho und Vanzetti", den Textilstreik in New Bredford oder das Einsetzen für die Verfassungsrechte im Fall von Mary Donovan. Wichtig war ihre Artikelserie "The Blue Menace" in der sie die Angriffe auf den Liberalismus und jegliche Form von Einschränkung der bürgerlichen Rechte scharf kritisierte.
Nach dem Tod ihrer Lebensgefährtin zog Abbott 1965 nach Maine und geriet zunehmend in Vergessenheit. Abbott arbeitete bis zu ihrem Tod im Jahre 1991 als Fotografin. Sechs Jahrzehnte hatte sie fotografiert.

© AVIVA-Berlin, Yvonne de Andrés


Berenice Abbott wurde für ihr Werk mehrfach ausgezeichnet: 1959 wurde sie als eine der "Top Ten Women Photographers" der USA gewählt, 1981 erhielt sie die Auszeichnung der "Association of International Photo Art Dealers" für "Outstanding Contribution to the Field of Photography", 1987 wurde ihr der First International "Erice Prize for Photography" verliehen und 1988 der französische Orden für Kunst und Wissenschaft. Ihr Lebenswerk wurde mehrfach durch Ausstellungen und Retrospektiven gewürdigt, darunter auch im Museum of Modern Art (1939, 1970-71, 2010-11) der documenta 6, Kassel (1977). Berenice Abbott starb 1991 an Herzversagen.

AVIVA-Tipp: "Photographie kann nur das Vergangene repräsentieren. Einmal photographiert wird ein Gegenstand Teil der Vergangenheit." Im Auftrag der Works Progress Administration dokumentierte Berenice Abbott zwischen 1935 und 1939 den Wandel der Stadt New York, die - nicht nur damals - als das Metropolis Amerikas galt und die ihr Gesicht unter den massiven Einwirkungen von Depression und Spekulation in rasantem Tempo veränderte. Auch die frühen Porträts und ihre Wissenschaftsfotografien sind sehr spannend. Eine sehenswerte Ausstellung, die nicht verpasst werden sollte. Ein umfangreiches Programm begleitet die Ausstellung.

Die Kuratorin: Anne Morin ist Direktorin von diChroma photography. Es ist ihre zweite Ausstellung in Berlin. Zuletzt hat sie 2015 die Ausstellung "Vivian Maier: Street Photographer" im Willy-Brandt-Haus kuratiert. Auf Nachfrage hat Anne Morin berichtet, dass sie besonders diese in Vergessenheit geratenen tollen Fotografinnen interessieren. Sie ist bereits in der Planung ihrer nächsten Ausstellung einer weiteren spannenden Fotografin in Berlin.
Mehr Infos unter: www.dichroma-photography.com


Berenice Abbott - Fotografien
1. Juli bis 3. Oktober 2016
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Öffnungszeiten:
MI bis MO 10:00–19:00
DI geschlossen
Eintritt
7 Euro/ ermäßigt 5 Euro, Gruppen (ab 5 Personen) p.P. 5 Euro, Schüler_innengruppen, p.P. 3 Euro
Eintritt frei bis 16 Jahre

Weitere Infos und das Programm finden Sie unter:

www.berlinerfestspiele.de



"Topographien"
Der Katalog zur Ausstellung
im Martin-Gropius-Bau ist im Steidl Verlag erschienen. Er zeigt Abbotts berühmte ikonische Bilder der Serie "Changing New York", frühe Portraits sowie ihre Pionierarbeiten als Wissenschaftsfotografin und gibt damit Einblick in das Œuvre der Künstlerin. Das einleitende Essay der Kuratorin Anne Morin liefert einen fundierten Abriss und Interpretation zugleich.

Topographien
Herausgegeben von Martin-Gropius-Bau
104 Seiten, 70 Abbildungen, Tritone, Fester Einband, 23 x 30 cm
Deutsch
ISBN 978-3-95829-245-1
1. Auflage 07/2016
€ 15,00 inkl. MwSt.
Kostenloser Versand
steidl.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Changing New York 1935-1939 fotografiert von Berenice Abbott
Das ehrgeizige Projekt einer begabten und eigenwilligen Fotografin. Das Museum Ephraim-Palais zeigte 2004 eine Ausstellung aus dem Museum of the City of New York.

Germaine Krull – Fotografien
Zusammen mit dem Jeu de Paume, Paris, widmete ihr der Martin-Gropius-Bau vom 15. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 eine umfassende Werkschau. Der Katalog erschien im Hatje Cantz Verlag. Die kosmopolitische, unkonventionelle Fotografin gilt als Entdeckerin der Moderne, prägte einen neuen Typus technischer Fotografie, bewegte sich zwischen Surrealismus und Realismus, und war wie Margaret Bourke-White eine der ersten weiblichen Kriegsberichterstatter. (2015)

Margaret Bourke-White. Fotografien 1930-1945
Sie war in vielem die Erste: Die Pionierin des Fotojournalismus sah sich als "Auge ihrer Zeit". Sie war die erste Frau, die im 2. Weltkrieg auf amerikanischer Seite mitfliegen und -schwimmen durfte, die erste Frau, die Fotos von Stahlwerken, Generatoren, Maschinen und Material machte und als Industriefotografin Erfolg hatte. (2013)

Trude Fleischmann - Der selbstbewusste Blick. A Self-Assured Eye
Dem Werk der 1895 in Wien geborenen, nach New York emigrierten jüdischen Fotografin setzt die Ausstellung und dieser Bildband ein Denkmal, das sich tief einprägt gegen das Vergessen. Bahnbrechend waren die Arbeiten der für ihre modernen, ja, spektakulären Portrait- und Tanzaufnahmen berühmt gewordenen Künstlerin, die sich gegen alle Konventionen durchsetzen und sich dennoch einen Namen machen konnte. (2011)

Helen Levitt – Fotografien 1937-1991
Spielende Kinder, gelangweilte Erwachsene, ruhende Alte – jedes der Bilder Helen Levitts mutet an wie Poesie, dabei zeigen sie eigentlich nur den Alltag auf den ärmlichen Straßen New Yorks. (2008)

Ellen Auerbach. Das dritte Auge
Aus Deutschland vertrieben, in Palästina keine Heimat gefunden und in die USA ausgewandert, befand sich die jüdische Fotografin stets auf der Suche. Heimat- und Orientierungslosigkeit prägten sie. (2007)




Quelle: Berliner Festspiele
Copyright Plakatmotiv: Berenice Abbott, Flatiron Building, 1938. Berenice Abbott/Commerce Graphics, coutesy Howard Greenberg Gallery, NY.

Kultur Beitrag vom 28.06.2016 Yvonne de Andrés 

   




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