Die Überglücklichen - Komödie mit Valeria Bruni Tedeschi und Micaela Ramazotti. Kinostart am 29.12.2016 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.12.2016

Die Überglücklichen - Komödie mit Valeria Bruni Tedeschi und Micaela Ramazotti. Kinostart am 29.12.2016
Helga Egetenmeier

Beatrice und Donatella sind idyllisch in einem Landgut in der Toskana untergebracht. So schön es dort scheint, für die Frauen ist es ein Gefängnis, sie sind Patientinnen in einer psychiatrischen...



... Klinik. Damit beginnt diese eigenwillige Komödie mit ernstem Hintergrund und entwickelt sich entlang den Strukturen von Psychiatrie und Patriarchat.

Beatrice, eine blonde, schmuckbehängte Dame von Adel, versucht durch forderndes Gequassel ihre freiheitsraubende Unterkunft zu ignorieren. Als die junge, tätowierte Donatella eingeliefert wird, ist sie von deren schweigsamer Coolness fasziniert und versucht, ihr Interesse zu wecken. Einen Zufall nutzen beide zur Flucht und so bricht dieses gegensätzliche Frauenpaar auf in ihr früheres Leben.

"La pazza gioia" ("Eine wahnsinnige Freude"), so der italienische Originaltitel, verweist auf ihren wahnhaften Zustand bei ihrer Suche nach einem Ort für sich. Beide glaubten, diesen bereits in einer leidenschaftlichen Liebe gefunden zu haben. So erscheint ihre Biografie als Hintergrund für ihre Psychiatrisierung, da ihre hemmungslose Zuneigung sich als einseitiger Wahn entpuppte. Die dabei in farblich heiteren Bildern eingefangenen Erniedrigungen zeichnen ein Bild einer festgefahrenen Macho-Gesellschaft in einer konservativen, heterosexuellen Normalität.

Regisseur Paolo Virzi, der in seinem vorherigen Film "Die süße Gier" die Fragen nach der Existenzangst und dem Wert des Menschen stellte, geht es nun um eine weitere Form gesellschaftlicher Macht. Psychiatrisierung erscheint hier als latente Drohung für Frauen, die sich die Freiheit nehmen, ihren Vorstellungen von romantischer Liebe zu folgen, ohne die moralischen Konsequenzen abzuwägen. Beatrice wird selbst zur Betrügerin, als sie in hemmungsloser Hingabe einem Hochstapler folgt und Donatella lässt sich auf die Liebschaft mit ihrem Boss ein, dem allerdings seine Ehe heilig ist.

Doch was war zuerst? Die zerstörenden Beziehungen oder die psychischen Probleme? Auch wenn sich solch eine Frage kaum beantworten lässt, erhalten die weiblich-selbstbewusst gezeigten Hauptfiguren keine Möglichkeit, ihr Leben in diesem Spannungsbereich zu reflektieren. Es bleibt bei einer Komödie über eine schicke Depressive und eine punkige Bipolare, die, emotional gesteuert und modisch gestylt, auf der Flucht vor der erneuten Festsetzung durch ihr früheres Leben eilen.

In dem kurzen Moment, wenn sie in ihrem geklauten roten Cabrio - der Wind weht ihnen ins Gesicht - der vermeintlichen Freiheit entgegenfahren, erinnern sie an die kraftvolle Selbstermächtigung bei "Thelma & Louise". Doch Beatrice und Donatella erhalten keine Handlungsmöglichkeiten. So landen sie am Ende ihrer Odyssee wieder dort, wo sie anhand ihrer Medikamentenkenntnisse nun glücklich werden wollen: in der idyllischen Psychiatrie in der Toskana.

AVIVA-Tipp: Gegen den Strich betrachtet, ist der Film ein kritischer, wie auch leichter Blick auf die Psychiatrisierung von Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft. Gekonnt bewegen sich die beiden Hauptdarstellerinnen in diesem absurden Setting um zwei Außenseiterinnen. Wobei die konservativ gestaltete Attraktivität der Kamerabilder, die mit den traditionellen Geschlechterentwürfen zu spielen scheint, zeitweise den komödiantischen Charakter verwischt.

Zum Regisseur und Drehbuchautor: Paolo Virzi, geboren 1964 in Livorno, studierte Drehbuch an der Filmhochschule Rom und debütierte 1994 mit "La Bella Vita" bei den Filmfestspielen in Venedig. Weltweit bekannt wurde er für "Die süße Gier" (2013), für den er mehrere Preise erhielt.

Drehbuchautorin: Francesca Archibugi, geboren 1960 in Rom, kam über ihre Model-Karriere zum Film und besuchte das Centro Sperimentale di Cinematografia (Experimentelles Zentrum für Kinematographie). Sie arbeitet als Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin.

Hauptdarstellerin: Valeria Bruni Tedeschi, 1964 in Turin als Tochter einer Industriellenfamilie geboren, Schauspielerin und Regisseurin, ist die ältere Schwester von Carla Bruni. Ihre erste Regiearbeit, für die sie beim Drehbuch mitschrieb und als Schauspielerin auftrat, war 2003 der autobiographisch angelegte Film "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr". Im Jahr 2004 war sie Jurymitglied der Berlinale und spielte 2005 in Steven Spielbergs "München". In "Die süße Gier" (2013) spielte sie ebenfalls unter der Regie von Paolo Virzi und gewann dafür beim Tribeca Film Festival den Preis als "Best Actress in a Narrative Feature".

Hauptdarstellerin: Micaela Ramazzotti, 1979 in Rom geboren, wurde als Schauspielerin im italienischen Fernsehen bekannt, bevor sie zunehmend in Kinofilmen auftrat. Sie spielte u.a. in "Das ganze Leben liegt vor Dir" (2008) und, an der Seite von Martina Gedeck, in "Anni Felici - Barfuß durchs Leben" (2013).

Die Überglücklichen
Originaltitel: La pazza gioia
Italien, Frankreich 2016
Regie: Paolo Virzi
Drehbuch: Francesca Archibugi, Paolo Virzi
Schnitt: Cecilia Zanuso
DarstellerInnen: Valeria Bruni Tedeschi, Micaela Ramazzotti, Anna Galiena, Valentina Carnelutti, u.a.
Verleih: Neue Visionen
Lauflänge: 116 Minuten
Kinostart: 29.12.2016

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.die-uebergluecklichen.de und www.facebook.com/dieuebergluecklichen

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Susann S. Reck über ihren Film Blender. Im Juli 2016 im Psychiatrie-Verlag als DVD erschienen.
Die Filmemacherin wuchs als Tochter des Direktors im psychiatrischen Wohnheim auf. Mit ihrem Dokumentarfilm spürt sie die Lebensgeschichte der langjährigen Bewohner_innen und eigene Erinnerungen auf. (2015)

Nellie Bly - Zehn Tage im Irrenhaus. Undercover in der Psychiatrie. Als die Journalistin Nellie Bly 1887 von der New York World gefragt wurde, ob sie sich in eine Anstalt für Geisteskranke einweisen lassen könnte, um einen Bericht über die Behandlung der dortigen Patientinnen zu schreiben, zögerte sie keinen Moment. (2012)

Siri Hustvedt - Die zitternde Frau
Das plötzliche und unkontrollierbare Zittern ihres ganzen Körpers, während Siri Hustvedt einen Vortrag hält, nimmt die Autorin zum Anlass, tief in die Geschichte der Psychoanalyse und in andere Geistes- und Naturwissenschaften einzutauchen, um eine Antwort auf dieses Phänomen zu finden. (2010)

Ihr Name ist Sabine. Die Schauspielerin Sandrine Bonnaire dokumentiert in ihrem Regiedebüt das Leben ihrer autistischen Schwester Sabine. Ein intensives Portrait einer Krankheit und der eigenen Familiengeschichte. (2009)

Michael Greenberg - Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde
Eine wahre Geschichte ist es, die der Kolumnist für Times Literary Supplement in diesem Buch veröffentlicht hat. Die seiner Tochter, die im Alter von fünfzehn Jahren in die Psychiatrie eingeliefert wurde und eine lange Reise zurück in das Leben durchmachen musste. (2009)

Helen - eine Frau in den Tiefen der klinischen Depression
Noch wenn sie sich das Messer gegen die Brust schlägt, sieht Ashley Judd in der Rolle der Helen gut aus. Regisseurin Sandra Nettelbeck gelingt das realistische Bild einer grausamen Krankheit. (2009)

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr...
Das arme Leben der Reichen - ein autobiographischer Film von und mit Valeria Bruni Tedeschi. (2004)

Kultur Beitrag vom 22.12.2016 Helga Egetenmeier 

   




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