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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.07.2017

Regina Schmeken - Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU. Ausstellung vom 29. Juli bis 19. November 2017 im Martin-Gropius-Bau Berlin
Tina Schreck

Die mehrfach international ausgezeichnete Fotografin gedenkt mit ihrer Fotoserie den vom NSU Ermordeten und setzt sich mit jenen Orten auseinander, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Die nur scheinbare Unschuld der Tatorte ist es, die den Aufnahmen ihre verstörende Beklommenheit verleiht.



Zwischen 2013 und 2016 besuchte Regina Schmeken mehrmals die NSU-Tatorte, woraus ein Zyklus großformatiger Schwarzweiß-Fotografien entstand. Der Titel der Ausstellung und des gleichnamigen Fotobandes bezieht sich auf die Propagandaformel »Blut und Boden« und somit auf die Ideologie der Nationalsozialisten, nach der ein »gesunder Staat« nur aus Einheit von »eigenem Volk und Boden« bestehen kann.

Keine Leichen, keine Blutspuren

Die Orte an denen die Opfer kaltblütig hingerichtet wurden, wirken zunächst beiläufig und banal. Doch genau diese Ambivalenz zwischen dem Wissen um die Verbrechen und dem Fehlen jeglicher Spuren lassen eine Spannung entstehen, die beim Betrachten der Aufnahmen Trauer und Abscheu zugleich hervorruft. Die Aufnahmen demonstrieren auf subtile Weise das Ausmaß rassistisch motivierter Gewalt und zeigen, dass Verbrechen wie diese an jedem Ort und zu jeder Zeit, mitten unter uns geschehen können. Regina Schmekens Fotoserie ist somit auch eine visuelle Darstellung gegen die Verharmlosung völkischer Gesinnung und zeigt, dass rechtsradikaler Terror in Deutschland auch heute noch existiert.

Aus der Opfer-Perspektive

Aufgenommen aus dem Blickwinkel der am Boden und in ihrem eigenen Blut liegenden Opfer, stellen die Bilder die letzten Momente der Ermordeten nach. Sie wurden erschossen und sind gefallen. Auf Asphalt, auf Teer, auf Schotterstein. Mittels dieser Bodenperspektive stellt die Fotografin eine bedrückende Nähe zu den Getöteten her, indem sie die Betrachter_innen die Orte des Verbrechens durch deren Augen sehen lässt.

Weiterhin keine vollständige Aufklärung

Die Mordwelle der rechtsradikalen Terroristen, im Zuge derer zehn Menschen gezielt und brutal von fanatischen Neonazis hingerichtet und viele andere verletzt wurden, ist immer noch nicht zur Gänze geklärt. Viel zu lange war unklar, wer die Taten begangen hat, da sich die polizeilichen Ermittlungen zunächst nur auf das Umfeld der Opfer konzentrierte. Erst im Jahre 2011 - nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen - konnten die Verbrechen dem Nationalsozialistischen Untergrund zugeschrieben werden. Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver Şimşek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet. Das letzte Opfer, die Polizistin Michèle Kiesewetter, wurde am 25. April 2007 in Heilbronn getötet. 22 Menschen wurden bei einem Nagelbomben-Attentat in Köln teilweise schwer verletzt. Der Prozess am Oberlandesgericht in München gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben sowie weitere fünf mutmaßlich Beteiligte begann erst 2013. Das Urteil sowie Fragen nach möglichen Mittätern bleiben weiterhin offen. Die restlose Aufklärung steht weiterhin aus.

"Tatsache ist, dass die Sicherheitsbehörden alles daran setzen, genau dies zu verhindern"

Sagt Yavus Narin - Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, der 2004 in seinem Geschäft in München ermordet wurde - und erhebt den Vorwurf, dass es den Behörden offenbar "um den Schutz von V-Leuten" geht, sowie darum, "die Verstrickung staatlicher Stellen von Informanten insbesondere in dem Sachverhalt zu verschleiern".

Mit der Serie "Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU" rückt Regina Schmeken die rassistischen Terrorakte sowie die Fehlerhaftigkeit der Ermittlungen nochmals in den Fokus. Die Ausstellung fungiert zudem als Andenken der Ermordeten und lässt so die grausamen Taten nicht in Vergessenheit geraten. Die Szenerie der Bilder wirkt merkwürdig leer, die Motive wie zufällig gewählt. Und doch kann frau/man sich ihnen nur schwer entziehen. Die Fotoreihe ist ein beeindruckendes und zugleich verstörendes Memento der Toten und zeigt drastisch, dass rechtsextreme Verbrechen wie diese jeder Zeit wieder geschehen können.

Zur Künstlerin: Regina Schmeken fotografiert seit 1976 Schwarz-Weiß. Seit 1980 werden ihre Fotografien regelmäßig ausgestellt, u.a.im Museum für Fotografie und im Deutschen Historischen Museum in Berlin, im Lenbachhaus in München, der Bibliothèque Nationale in Paris, sowie dem Museum Folkwang in Essen. Sie wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, so auch 1978 mit dem Kritiker_innenpreis der "Rencontres Internationales de la Photographie" in Arles, Frankreich, 1984 mit dem Förderpreis für künstlerische Fotografie der LH München und dem "Dr.-Erich-Salomon-Preis" der Deutschen Gesellschaft für Photographie im Jahre 1996. Ihre Arbeiten finden sich in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, des Museum Ludwig in Köln, der Bibliothèque Nationale in Paris, sowie des Münchner Lenbachhauses. Zu ihren weiteren veröffentlichten Arbeiten zählen "Regina Schmeken. Fotografien, Arbeiten von 1980–1985", "Geschlossene Gesellschaft" über die Nachwendejahre, "Die neue Mitte" sowie "Unter Spielern – Die Nationalmannschaft". Außerdem arbeitet sie seit 1986 als Redaktionsfotografin für die Süddeutsche Zeitung.
Mehr Informationen unter: www.regina-schmeken.com

Regina Schmeken - Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Veranstaltungsort: Martin-Gropius-Bau Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10:00–19:00, Di geschlossen.
Eintrittspreise:
€ 4 / ermäßigt € 3
Gruppen (ab 5 Personen) p. P. € 3
Schüler_innengruppen p. P. € 1
Eintritt frei bis 16 Jahre
Weitere Informationen zur Ausstellung unter: www.berlinerfestspiele.de

Mehr Informationen zum Thema in einem Beitrag des ZDF zur Ausstellung von Regina Schmeken im Militärhistorischen Museum in Dresden anlässlich des fünften Jahrestages der Entdeckung des NSU unter: www.zdf.de.



Regina Schmeken
Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Hg. Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden
Text(e) von Matthias Rogg, Gorch Pieken, Katja Protte, Hans Magnus Enzensberger, Barbara John, Feridun Zaimoglu, Annette Ramelsberger
Gestaltung von Marc Naroska
Halbleinen, 144 Seiten
Hatje Cantz Verlag, erschienen 2016
ISBN 978-3-7757-4158-3
35,00 Euro
www.hatjecantz.de

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Quellen: Martin-Gropius-Bau Berlin, AVIVA-Berlin

Kultur Beitrag vom 08.07.2017 Tina Schreck 

   




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