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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.09.2017

Radiance. Ein Film von Naomi Kawase. Kinostart: 14. September 2017
Tina Schreck

Die japanische Regisseurin ("Still the Water", "Kirschblüten und rote Bohnen") erzählt die Geschichte zweier Menschen, die gemeinsam versuchen, ihr Schicksal zu bewältigen: Eine junge Frau, die Audiodeskriptionen für Sehbehinderte schreibt, verliebt sich in einen Fotografen, der sein Augenlicht verliert. Im Fokus ihrer Beziehung stehen die Liebe zum Kino und die Magie der Sprache. AVIVA verlost 2x2 Freikarten



Ein Kinofilm übers Sehen und Hören

Bei ihrer Arbeit zu ihrem letzten Film "Kirschblüten und rote Bohnen" stieß die vielfach ausgezeichnete Regisseurin auf das wenig bekannte Berufsfeld von Audiodeskriptor_innen, deren Aufgabe es ist, blinden und sehbehinderten Menschen Bilder auf möglichst umfassende Weise zu vermitteln. Denn als sie sich mit der Hörfassung des Films auseinandersetzte, habe sie überhaupt erst von der Existenz dieses Berufes erfahren und beschlossen, einen Film darüber zu machen, wie sie in einem Interview mit Arte erklärt.

Unsichtbares sichtbar machen

Das zu verlieren, was frau/man am meisten liebt, ist kaum zu ertragen. Für den Fotografen Nakamori (Masatoshi Nagase) ist es sein schwindendes Augenlicht, für die Drehbuchautorin Misako (Ayame Misaki) der Tod des Vaters und die fortschreitende Demenz der Mutter. Die Wege der beiden kreuzen sich in einem Aufnahmestudio, wo die junge Frau ihren ersten Entwurf für die Tonfassung eines Liebesdramas vor einer Gruppe von Menschen mit Sehbehinderung präsentiert. Bei der anschließenden Diskussion wird jedoch deutlich, dass nicht alle der Testpersonen Misakos wortreiche Beschreibungen schätzen. Vor allem von Nakamori wird ihre Arbeit scharf kritisiert. Er möchte selbst deuten, anstatt erklärt zu bekommen und wirft ihr vor, ihm durch ihre subjektiven Schilderungen den Raum für eigene Interpretationen zu nehmen. Als sie den Audiotext daraufhin radikal kürzt, beschwert er sich wiederum über die fehlenden Details, ohne die es ihm nicht möglich erscheint, sich ein Bild aus dem Gesagten zu machen.

"Das hat nichts mit Ihrer Blindheit zu tun, sondern mit mangelnder Phantasie…"

…kontert diese getroffen, woraufhin er gekränkt den Raum verlässt. Doch schon bald treffen sie sich wieder. Beim gemeinsamen Abendessen in Nakamoris Wohnung lernt Misako dessen sensible Seite kennen. Denn hinter der schroffen Fassade verbirgt sich schlicht die große Angst vor dem dunklen Unbekannten.

Perfect match

Verzweifelt hält der ehemalige Fotograf an seinem früheren Leben fest. Trotz der fortschreitenden Erblindung trägt er deshalb seine Kamera, eine zweiäugige Rolleiflex, stets bei sich. "Sie ist mein Herz" sagt er, "auch wenn ich sie nicht mehr verwenden kann". In der jungen Frau, die selbst vom Verlust der Eltern traumatisiert ist, erwecken seine Bilder ein Gefühl von Unvergänglichkeit. Inspiriert durch seinen Blick auf die Welt gelingt es ihr allmählich, die richtigen Worte zu finden, um seine Phantasie zu erwecken. Nach und nach lernt nun auch der ältere Nakamori die Kraft der Sprache zu erkennen und beginnt, sich seinem Schicksal zu stellen.

"Nichts ist so schön wie das, was vor unseren Augen verschwindet"

Das legt der "Film im Film" dem Publikum nahe. Versinnbildlicht wird dieser poetische Gedanke durch die Aufnahme einer Sandskulptur, die nach und nach von der rauschenden Gischt verschluckt wird. Denn auch in dem sentimentalen Metadrama geht es um Verlust und Endlichkeit, wodurch dieses sich auf adäquate Weise in den ebenso emotionalen Hauptfilm einfügt. Die symbolhaften Bilder, begleitet von melancholischer Klaviermusik, ästhetisieren den Prozess des Verschwindens geradezu und generieren ein bewegendes Drama.

AVIVA-Tipp: "Radiance" berührt durch sein poetisches Spiel aus Trauer, Hoffnung und Zuversicht. Einfühlsam wird die Beziehung von Sprache und Visualität anhand weniger, jedoch mit Bedacht gewählter Dialoge und imposanten Bildern dargelegt.

Without light, no colours.
Without light, no images.
Without light, impossible to make a film.
One could almost say that light is cinema.


Naomi Kawase

Zur Regisseurin und Drehbuchautorin: Naomi Kawase kam am 30. Mai 1969 in Nara, Japan, zur Welt. 1989 absolvierte sie die Universität für visuelle Künste in Osaka und war dort vier Jahre lang als Dozentin tätig, ehe sie begann, autobiographische Kurz- und Dokumentarfilme zu drehen. Mit "In deinen Armen" (1992) und "Katatsumori" (1994) erlang sie auch internationale Anerkennung und wurde 1995 am Yamagata International Documentary Film Festival ausgezeichnet. Für ihr Spielfilmdebüt "Moe no suzaku" (1997) gewann sie als jüngste Filmemacherin die Goldene Kamera am Filmfestival Cannes, das bisher insgesamt neun ihrer Filme zeigte. Auf dem Filmfest in Rotterdam wurde sie im selben Jahr mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Für "Wald der Trauer" (2007) erhielt sie ebenfalls in Cannes den Großen Preis der Jury und im Jahr 2015 den Hauptpreis des internationalen Frauenfilmfestivals in Dortmund für "Still the Water"" (2014). Im selben Jahr wurde sie vom französischen Kulturminister zum Chevalier de l´Ordre des Arts et des Lettres geschlagen. Für "Radiance" erhielt sie im Frühjahr 2017 den Ökumenischen Jury-Preis und wurde erneut zum offiziellen Wettbewerb in Cannes geladen. Außerdem war der Film auf dem diesjährigen Filmfest München in der Reihe Spotlight zu sehen. Naomi Kawase ist zudem Gründerin und Direktorin des Nara International Film Festival.
Mehr Infos zu Naomi Kawase unter: www.kawasenaomi.com http://nara-iff.jp/en/ und www.festival-cannes.com

Zur Hauptdarstellerin: Ayame Misaki kam am 26.April 1989 in Kobe in Japan als Ayame Tsuzaki zur Welt. Zunächst machte sie sich als Model und Pin-up-Girl für Magazine wie "Gravure", "G-BX" oder "Idol" einen Namen. Zwischenzeitlich war sie auch kurz als Polizistin tätig, bevor sie dann mit "Oretachi ni asu wa naissu" (2008) ihr Leinwanddebüt gab. Hauptsächlich ist sie in populären Fernsehserien wie "Higanjima: Love is over" (2016) zu sehen. Ihre bekanntesten Filme neben "Radiance" sind "Yuda" (2013) und "Attack on Titan – Film 1" (2015).
Mehr Infos zur Schauspielerin unter: www.imdb.com

Radiance
Originaltitel: Hikari
Frankreich/Japan 2017
Regie und Drehbuch: Naomi Kawase
Darsteller_innen: Ayame Misaki, Masatoshi Nagase, Kazuko Shirakaw, Misuzu Kanno, Tatsuya Fuji, Mantarô Koichi
Musik: Ibrahim Maalouf
Licht: Yasuhiro Ôta
Schnitt: Tina Baz
Länge: 101 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 14.09.2017
Mehr Infos und der Trailer unter:
www.radiance-film.de und www.facebook.com/concordefilmverleih


AVIVA-Berlin verlost 2x2 Freikarten. Bitte nennen Sie uns den Originaltitel von "Radiance"sowie dessen japanische Bedeutung und senden uns Ihre Antwort mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 20.09.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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Kultur Beitrag vom 05.09.2017 Tina Schreck 

   




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