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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 09.12.2008

Polska Love Serenade - ein Film von Monika Anna Wojtyllo
Henriette Jankow

Die Nachwuchsregisseurin hat mit ihrem Spielfilmdebüt eine augenzwinkernde Liebeserklärung ans Nachbarland geschaffen, die vom 11. bis 17. Dezember 2008 täglich im Moviemento zu sehen sein wird.



"Herzlich willkommen im polnischen Teil der Europäischen Union!" Anna (Claudia Eisinger) - eine typische Berliner Göre, schlagfertig und ein bisschen alternativ - und Max (Sebastian Schwarz) - ein aufdringlich korrekter und nicht minder überheblicher Fast-Anwalt - trieb sicher nicht ein tiefergehendes Interesse am vereinten Europa ins Nachbarland. Anna will ihr Auto klauen lassen, damit bei der Versicherung etwas Kohle für die junge Studentin herausspringt und Max verfolgt das Ziel, das Haus seines Großvaters in Lubomierz (Liebenthal) zurückzuklagen.

Woran kann man schließlich bei dem Schlagwort Polen noch denken, außer an Autoklau und die Spätfolgen der Vertreibung? An Wodka, richtig! Und an eine herzliche Gastfreundschaft, die natürlich immer eng an Hochprozentiges geknüpft ist. So irren Anna und Max durch das vorweihnachtliche Polen, wo religiöse Ikonen sogar die Landstraßen säumen und den beiden zuweilen zwinkernd den Weg weisen. Dabei stoßen die zwei unbedarften Deutschen schon mal auf eine als heiliger König verkleidete Landsfrau (Katharina Wackernagel), die hauptberuflich mit Wodka handelt. Ebenso machen sie Bekanntschaft mit einer Horde freundlicher Weihnachtsmänner, die ihnen ein Dach über dem Kopf gewährt und sie mit dem Nötigsten versorgt: Wodka, Gurken, Kielbasa und dem Redeschwall fröhlicher polnischer DorfbewohnerInnen.

In Liebenthal – und somit am vorläufigen Ziel – angekommen, trennen sich zunächst die Wege des ungleichen Paares Max und Anna. Während Max irgendwie enttäuscht mit einer Wodkaflasche vor dem Grab seines Großvaters kauert, kommt Anna erneut in den Genuss polnischer Gastfreundschaft. Diese scheint jedoch weniger von Herzen zu kommen, als vielmehr dem christlichen Brauch zu folgen, an Weihnachten einen Platz für heimlose Gäste freizuhalten. Dass es nun aber ausgerechnet eine Deutsche sein muss, die den Platz einnimmt, freut die Familie Sobieski weniger. (Der Name kommt übrigens nicht von ungefähr. Jan Sobieski war ein polnischer König im 17. Jahrhundert, der dem Land zu Ruhm und Ehre verhalf.) Die dreisten Vertriebenenansprüche, die der wenig später zugestoßene Max an die Familie stellt, wirken in dieser Szenerie unglaublich skurril. Sie werden dank der Übersetzung des Pfarrers nicht als Einklagung verstanden, sondern als Investitionen in die ortsansässige Firma. Besiegelt werden die missverständlichen Geschäfte in weihnachtlicher Atmosphäre natürlich mit Wodka.

Der Film deckt wirklich alles an gängigen Stereotypen ab: Der polnische Patriotismus, die windigen Autohändler, die Altlasten der deutsch-polnischen Vergangenheit, der Katholizismus als kategorischer Imperativ polnischer Lebensart, die Unmengen an Wodka und die herzerwärmende Liebenswürdigkeit der polnischen Charaktere brechen über die steifen, ach so rechtschaffenen Reisenden herein.

Die Regisseurin Monika Anna Wojtyllo ist selbst Polin und im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland übergesiedelt. Der Film ist eine persönliche Liebeserklärung an ihr Geburtsland, in welcher sie einen unkonventionellen Ansatz der deutsch-polnischen Völkerverständigung verfolgt: Den Vorurteilen und Missverständnissen mit einer gehörigen Portion Humor die Stirn zu bieten, war Wojtyllos Anliegen. Dies ist ihr nicht nur mit der Umsetzung des Stoffes, sondern auch mit der Auswahl der großartigen SchauspielerInnen gelungen. Die beiden (noch) wenig bekannten HauptdarstellerInnen Claudia Eisinger und Sebastian Schwarz entpuppen sich als Idealbesetzung für die "typischen Deutschen" und erfüllen den Anspruch an Selbstironie ebenso gut wie ihre polnischen KollegInnen.
Bei allen, die längere Zeit in Polen gelebt haben, dürfte dieser Film eine warme Sehnsucht nach dem Land der sauren Gurken und des Wodkas erwecken.

Der Film wird vom 11. Dezember 2008 bis bis zum 17. Dezember 2008 täglich um 20:15 Uhr im Kreuzberger Moviemento zu sehen sein.

AVIVA-Tipp: "Polska Love Serenade" ist politisch unkorrekt und das ist gut so! Der Titel ist Programm: Der Film ist ein überaus unterhaltsames Liebesständchen an Polen, das gekonnt mit dem großen Fettnäpfchen "typisch polnisch – typisch deutsch" spielt. Kein moralinsaurer Aufruf zur krampfhaften Völkerverständigung, sondern ein märchenhaftes, herrlich leichtes und dabei urkomisches Spielfilmdebüt über Deutsche und Polen im vereinten Europa zu Weihnachten.

Zur Regisseurin: Monika Anna Wojtyllo wurde 1977 in Breslau geboren. Sie studierte Film- und Fernsehregie an der HFF Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg. Nach einigen Kurzfilmen (u.a. "Hog Heaven", "Kuckuck") ist "Polska Love Serenade" ihr erster Abend füllender Spielfilm.
Weitere Infos und Kontakt unter: www.monika-wojtyllo.com


Polska Love Serenade
Deutschland/Polen 2008
Regie: Monika Anna Wojtyllo
Buch: Jonas Grosch
DarstellerInnen: Claudia Eisinger, Sebastian Schwarz, Katharina Wackernagel, Riszard Wojtyllo, Andrzej Galla, Christoph Leszczynski
Filmlänge: 75 Minuten
Kinostart: 11.12.2008
www.berlinersonderschule.de

Kultur Beitrag vom 09.12.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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