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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.12.2008

Vicky Cristina Barcelona
Anna-Lena Berscheid

Nach "Scoop" und "Match Point" dreht Woody Allen nun schon den dritten Film mit seiner Lieblingsschauspielerin Scarlett Johanson. Die romantische Kom├Âdie ist ab 04.12.2008 im Kino zu sehen.



Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johanson) sind, schenkt man dem M├Ąrchenonkel aus dem Off Glauben, beste Freundinnen, die einen Sommer lang gemeinsam fernab der amerikanischen Heimat in Barcelona verbringen. Von ihrer Gastgeberin Judy (Patricia Nash) zu einer Vernissage ausgef├╝hrt, lernen sie den glut├Ąugigen K├╝nstler Juan Antonio (Javier Bardem) kennen, von dem Judy nur wei├č, dass er eine hei├čbl├╝tige Ehe mit fast t├Âdlichem Ausgang f├╝hrte. Am selben Abend bietet Juan Antonio den beiden jungen Frauen unvermittelt ein Wochenende in seiner Heimatstadt Oviedo an, inklusive Flug, Verpflegung und Verkehr.

W├Ąhrend Vicky - bodenst├Ąndig, verlobt und vor allen Dingen vern├╝nftig- die Einladung kategorisch ablehnt, ist Cristina - eine romantische, rastlose und ambitionierte, aber erfolglose K├╝nstlerin - von der Idee, mit dem Fremden nach Oviedo zu fliegen, sofort begeistert. Um ihre in Liebesdingen unstete Freundin vor allzu unangenehmen Erfahrungen mit dem spanischen K├╝nstler zu sch├╝tzen, nimmt schlie├člich auch Vicky die Reise auf sich.

Letzendlich ist es nicht Cristina, die mit Juan Antonio das Hotelbett teilt: W├Ąhrend diese mit einem Magengeschw├╝r danieder liegt, verf├╝hrt der Frauenheld die beschwipste Freundin, die daraufhin tiefe Zweifel an ihrer bevorstehenden Hochzeit hegt. Zur├╝ck in Barcelona bandelt Cristina schlie├člich doch mit Juan Antonio an und zieht zuletzt sogar in dessen kunstvolles Anwesen. Der Sommer k├Ânnte so sch├Ân sein ÔÇô w├Ąre da nicht des Malers temperamentvolle Ex-Ehefrau Marie Elena (Penelop├ę Cruz), die mit einem Paukenschlag das Leben des P├Ąrchens durcheinander bringt und f├╝r eine Neuordnung der Bettverh├Ąltnisse sorgt.

Zum Regisseur: Woody Allen ist der Regisseur mit einer der umfangreichsten Filmographien unserer Zeit. Nach "Match Point" und "Scoop" ist "Vicky Cristina Barcelona" nun sein dritter Film, den er in Europa und zusammen mit Scarlett Johansson drehte.

Zu den DarstellerInnen:

Pen├ęlope Cruz meisterte eine Vielzahl packender Rollen und erwies sich damit als eine der vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation. 2006 wurde sie als erste Spanierin f├╝r einen Oscar nominiert. Aktuell ist sie neben Sir Ben Kingsley in "Elegy oder die Kunst zu lieben", 2008) zu sehen.

Scarlett Johanson hat sich nach ├╝ber zehn Jahren im Filmgesch├Ąft, vier Golden Globe-Nominierungen und einem BAFTA als eine der talentiertesten Jungschauspielerinnen Hollywoods etabliert. F├╝r "Lost in Translation" den gefeierten zweiten Film von Regisseurin Sofia Coppola, wo sie neben Bill Murray die weibliche Hauptrolle spielte, erhielt sie gl├Ąnzende Kritiken und eine Auszeichnung als Beste Schauspielerin beim Filmfestival von Venedig.

Rebecca Hall darf als eines der faszinierendsten jungen Schauspieltalente der Welt angesehen werden. Sie machte auf sich in der Rolle der liebesgeplagten Rosalind in Shakespeares "As you like it" aufmerksam. Demn├Ąchst wird Hall als Caroline Cushing in Ron Howards "Frost/Nixon" zu sehen sein, der Adaption eines B├╝hnenst├╝cks von Peter Morgan ├╝ber die TV-Interviews, die der britische Talkmaster David Frost mit Ex-Pr├Ąsident Richard Nixon nach der Watergate-Aff├Ąre f├╝hrte.

Javier Bardem wurde als erster Spanier f├╝r einen Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert. Diese Ehrung erhielt er f├╝r sein Portr├Ąt des kubanischen Dichters und Dissidenten Reinaldo Arenas in Julian Schnabels "Before Night Falls". In letzter Zeit spielte Javier unter der Regie von Joel und Ethan Coen in dem vielgepriesenen "No Country for Old Men". F├╝r die Rolle des furchteinfl├Â├čenden Anton Chigurh gewann Bardem 2008 in der Kategorie Bester Nebendarsteller einen Oscar.

AVIVA-Fazit: M├ęnage ├á trois kann man das verwirrende Beziehungs- und Liebesgeflecht in Woody Allens neuem Film kaum nennen: Beim unwiderstehlichen Latin Lover Juan Antonio werden letztendlich alle Frauen schwach. Dies ist auch das gr├Â├čte ├ärgernis am Film: S├Ąmtliche Frauenrollen befinden sich in Abh├Ąngigkeitsverh├Ąltnissen, aus denen sie keinen Ausweg wissen. Im krassen Gegensatz dazu steht Juan Antonio, der als einziger m├Ąnnlicher Protagonist ├╝ber jeden Zweifel erhaben Leben und Liebe meistert. Trotz der durch den Erz├Ąhler gerafften Geschichte kommen der Zuschauerin die zwei Sommermonate in Barcelona vor wie Jahre. ├ťber die gesamte Filml├Ąnge hin bleiben die Figuren dabei so blass, dass die angebliche Seelenverwandtschaft der beiden Freundinnen Vicky und Cristina nur mit einem ungl├Ąubigen Kopfsch├╝tteln bedacht werden kann. Und auch bei den anderen Rollen bleibt die Charakterzeichnung Allens eindimensional. Leider k├Ânnen auch die wundersch├Ânen Bilder der Stadt Barcelona und das gro├čartige Ensemble die Belanglosigkeit dieses Filmes nicht wettmachen. Woody Allen schuf mit seinem neuesten Machwerk einen zwar unterhaltsamen, letztlich jedoch vollkommen harmlosen Film, der niemandem wehtut.

Vicky Cristina Barcelona
Spanien/USA, 2008
Regie: Woody Allen
DarstellerInnen: Pen├ęlope Cruz, Scarlett Johanson, Rebecca Hall, Patricia Clarkson, Javier Bardem
Concorde Filmverleih
Filml├Ąnge: 96 Minuten
Kinostart: 04.12.2008
www.vickycristinabarcelonalapelicula.com

Kultur Beitrag vom 02.12.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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