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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.12.2008

Geliebte Clara. Ein Film von Helma Sanders-Brahms
Karolin Korthase

Wunsch und Wirklichkeit liegen manchmal weit auseinander. Die Regisseurin Helma Sanders-Brahms hat einen Film über die Musikerin Clara Schumann gedreht und ist an der Größe des Stoffes gescheitert.



Sagenumwoben ist das Leben der Clara Schumann. Unzählige Dokumente, Aufzeichnungen und Briefe sind erhalten, die ein äußerst widersprüchliches Bild der Musikerin zeichnen. Als Wunderkind von ihrem Vater gedrillt, stand sie schon mit neun Jahren auf internationalen Konzertbühnen und komponierte mit 14 Jahren ihr erstes Klavierkonzert. Später erkämpfte sie gerichtlich die vom Vater missbilligte Ehe zu Robert Schumann und wurde Mutter von acht Kindern. Stark umstritten ist ihre Beziehung zu Johannes Brahms. Der 12 Jahre jüngere Komponist war ein glühender Bewunderer und Vertrauter Claras und ging im Hause Schumann ein und aus. Als die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet, half Brahms mit Geld und begleitete Clara auch nach dem Tode ihres Mannes bis an ihr Lebensende. Ob er auch ihr Geliebter war, ist unklar.

Helma Sanders-Brahms porträtiert Clara Schumann in den Düsseldorfer Jahren von 1850 - 1856. Dorthin siedelte die Familie um, als Robert Schumann eine lukrative Stelle als Musikdirektor in Aussicht stand. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der introvertierte Komponist den Anforderungen einer Orchesterleitung nicht gewachsen war. Seine Frau übernahm zeitweilig diese Rolle und sprengte damit jegliche Konventionen und gesellschaftliche Schicklichkeiten des 19. Jahrhunderts. Trotz der gefeierten Uraufführung seiner Rheinischen Sinfonie verlor Robert Schumann den Posten des Generalmusikdirektors jedoch endgültig und stürzte die Familie damit in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Zudem konnte Clara aufgrund ständiger Niederkünfte - sie hatte neun Geburten in nur 14 Jahren - nicht konzertieren.

In "Geliebte Clara" wird der Niedergang der Familie in diesen Jahren erzählt. Mit einigen wenigen Ausnahmen, wie dem Erfolg der Rheinischen Sinfonie, dokumentiert Sanders-Brahms das Scheitern Roberts, der, von ständigen Kopfschmerzen und Depressionen gequält, nach und nach der Alkohol- und Medikamentensucht verfällt. Unter seinem Leiden, seinen Launen und Ausbrüchen leidet die ganze Familie und auch die Liebe zu seiner Frau. Diese wendet sich zunehmend dem dynamischen, freiheitsliebenden und hochbegabten Komponisten Johannes Brahms zu, dem sie bis zu ihrem Lebensende eng verbunden bleiben wird.

Der Drehbuchautorin und Regisseurin Helma Sanders-Brahms, einer Nachfahrin von Johannes Brahms, ist die Sympathie zur historischen Figur Clara Schumann deutlich anzumerken. Die Fülle an Materialien über die Musikerin, in denen sie zum Teil auch als hart und eigennützig beschrieben wird, lässt sie vollkommen unbeachtet. Ihre Clara ist emanzipiert, schön, verführerisch, duldsam gegenüber den cholerischen Ausfällen und Süchten ihres Gatten und eine liebende und sorgende Mutter noch dazu. Historisch belegte Fakten, wie die durch Clara initiierte Einweisung Robert Schumanns in die Endenicher Nervenheilanstalt werden eindeutig zugunsten einer im positiven Lichte dastehenden Protagonistin inszeniert. Diese Glorifizierung und Ikonisierung der Figur lässt den Film einiges an potentiellen Tiefenschichten verlieren. So wird beispielweise die für das Verständnis der Figur übermächtige Rolle des von Ehrgeiz besessenen Vaters Friedrich Wieck nur am Rande erwähnt.

Nun kann der Drehbuchautorin und Regisseurin Sanders-Brahms nicht der Vorwurf nachlässiger Recherche gemacht werden. Rund 10 Jahre arbeitete sie an dem Filmprojekt, das unter suboptimalen Bedingungen zu Stande kam: Die ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehene Isabelle Huppert sagte ab und Martina Gedeck bereitete sich in einer Rekordzeit von vier Wochen auf die Rolle vor. Zudem war das Etat äußerst knapp bemessen. Dadurch kam es zu vielen Fehlgriffen, die vermeidbar gewesen wären.

So wirken die Szenen mit dem Düsseldorfer Orchester, die in Ungarn gedreht wurden, äußerst dilettantisch. Die offensichtlich schlecht gemachten Schnurbärte der Orchestermusiker sind dabei besonders peinlich und wären leicht zu vermeiden gewesen. Auch Martina Gedeck in der Rolle der Clara Schumann und Pascal Greggory als Robert Schumann wirken beim Dirigieren vor dem Orchester seltsam hölzern und steif. Hinzu kommen die zum Teil unausgereiften Dialoge und eine platte Symbolik, die besonders in der ersten Szene evident wird, in der Robert Schumann während eines Konzerts seiner Frau den Ehering verliert, der dann ausgerechnet in die Hände von Johannes Brahms fällt.

Letztlich wird der Film vor allem von der Musik getragen. Ausschnitte aus den Konzertstücken, Sinfonien und den Sonaten von Schumann und Brahms vermögen, was Maske, Requisite und Drehbuch misslingt – den ZuschauerInnen ein Gefühl und eine Verbindung zur Epoche der Romantik und zu der großartigen Musikerin Clara Schumann zu vermitteln.

AVIVA-Fazit: Im Zentrum des Films steht die Dreiecksgeschichte zwischen dem Ehepaar Schumann und Johannes Brahms und es scheint, als scheitere das Drehbuch und die Umsetzung an der Großartigkeit des Stoffes, der schon für sich genommen filmreif ist. "Geliebte Clara" ist voller schwülstiger Gesten und Dialoge, enthält zu viele Eindeutigkeiten und zu viel Pathos. Helma Sanders-Brahms ist es nicht gelungen, ein Historiendrama und Frauenporträt von internationalem Format zu drehen.

Zur Regisseurin: Helma Sanders-Brahms wurde am 20. November 1940 in Emden geboren. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Schauspielerei in Hannover und anschließend Theaterwissenschaft, Anglistik und Germanistik in Köln. 1969 entstand ihr erster Film "Angelika Urban, Verkäuferin, Verlobt". Ihr größter internationaler Erfolg war bisher "Deutschland bleiche Mutter" aus dem Jahre 1980.

Geliebte Clara
Deutschland 2008
Drehbuch und Regie: Helma Sanders-Brahms
Darstellerinnen: Martina Gedeck, Pascal Greggory, Malik Zidi, Clara Eichinger, Aline Annessy, Marine Annessy, Sascha Caparros, uvm.
Spielzeit: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 04.Dezember 2008
www.geliebteclara.de

Kultur Beitrag vom 03.12.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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