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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 16.02.2009

Milk
Yvonne de Andrés

Harvey Milk ist eine Legende weit über San Francisco hinaus. Er wurde zu dem Symbol für den Kampf um Bürgerrechte für Schwule und Lesben. Ein Film über das demokratische Amerika.



Harvey Milk (Sean Penn) erlebte mit vielen anderen in den 1970er Jahren die Repression, die gegen Schwule in Amerika bestand. An seinem vierzigsten Geburtstag entschloss er sich zusammen mit seinem Partner seine Zelte in New York abzubrechen und an die liberalere Westküste zu ziehen. Sein Ziel hieß San Francisco. Das heruntergekommene Arbeiterviertel "Castro", südlich der "Market Street" wurde seit den frühen 1970er Jahren zum Anziehungsmagneten vieler Schwuler aus den gesamten USA. Hier kauften sie Häuser, renovierten sie und wollten endlich frei von Anfeindungen leben. Milk eröffnete in Castro ein Fotogeschäft: "Castro Camera". Der Laden wurde schnell zum Treffpunkt und zur Anlaufstelle von AktivistInnen. Milk setzte sich für die Rechte der Homosexuellen ein. Um den ständigen Razzien und Übergriffen der Polizei etwas entgegenzuhalten und um die Interessen der schwulen Community und der kleinen Geschäftsleute besser vertreten zu können ging Harvey Milk in die Politik, versuchte in den Stadtrat zu kommen um sich so mehr Gehör zu verschaffen. Milk suchte Verbündete für seine Anliegen.

Im dritten Anlauf und mit der Unterstützung einer tatkräftigen Frau als Wahlkampfmanagerin, Anne Kronenberg, gelang der Einzug ins Rathaus. Doch die Konservativen gaben keine Ruhe. Kronenberg verschaffte Milk das mediale Echo, um gegen die konservativ-religiöse Gesetzesinitiative ("Proposition 6"), die homosexuellen LehrerInnen in ganz Kalifornien die Berufsausübung verbieten wollte, vorzugehen. Milk organisierte den Widerstand gegen die geplante Volksbefragung zu diesem Thema. Er gewann, die Gesetzesinitiative wurde mehrheitlich abgelehnt, doch zeitgleich verließ ihn sein langjähriger Lebenspartner Scott Smith. Politisch war Milk erfolgreich, das private Glück aber bliieb fragil. Sein neuer Geliebter, Jack Lira, hielt - Milk war häufig mit politischen Dingen beschäftigt - die geteilte Aufmerksamkeit nicht lange aus und brachte sich um.

Im Rathaus wuchs die Konfrontation mit Dan White, einem engstirnigen Stadtratsvertreter aus dem Nachbar-District. Dan White trat 1978 von seinem Amt zurück. Als es er sich ein paar Tage später anders überlegt hatte und sein Amt zurückhaben wollte, lehnte dies der Bürgermeister San Franciscos, George Moscone, ab. Dan White vermutete hinter dieser Entscheidung eine Verschwörung von Moscone und Milk und erschoss beide am 27. November 1978. 30.000 Menschen zogen in einem Schweigemarsch von "Castro" zum Rathaus. Harvey Milks Vermächtnis bleibt. In einer Rede, März 1978 sagte er: "Alles, was sie haben, ist Hoffnung. Hoffnung ist das, was wir ihnen geben müssen. Die Hoffnung auf eine bessere Welt. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Hoffnung darauf, dass es irgendwo eine neue Heimat gibt, wenn der Druck zuhause zu groß wird. Die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird. Ohne Hoffnung werden sie aufgeben: nicht nur die Schwulen, auch die Schwarzen, die Alten, die Behinderten; "unsere" Leute werden aufgeben. Und deshalb müssen wir ihnen Hoffnung geben."

Zu den DarstellerInnen:
Sean Penn (Harvey Milk), geboren 1960 in Santa Monica, Kalifornien. Er ist ein facettenreicher Schauspieler, Drehbuchschreiber und Regisseur. Penn wurde mit dem Oscar®-Gewinn 2004 für seine Hauptrolle in Clint Eastwoods Mystic River (Mystic River, 2003) ausgezeichnet. Weitere drei Male war er als bester Schauspieler nominiert: für Tim Robbins Dead Man Walking, 1995, für Woody Allens Sweet and Lowdown, 1999, und für Jessie Nelsons Ich bin Sam, 2001. Kritisch hat er sich in der Bush-Ära auch publizistisch mit Texten und Reportagen u. a. für "Time", "Interview" und die US-Ausgabe des "Rolling Stone" geäußert.

Alison Pill (Anne Kronenberg), geboren 1985 in Toronto, ist eine kanadische Bühnen- und Filmschauspielerin. Sie hat in einer Vielzahl an Filmen mitgespielt. Zuletzt war sie zu sehen in Sara Sugarmans Bekenntnisse einer High School Diva (Confessions Of A Teenage Drama Queen, 2004) und Dan – Mitten im Leben (Dan In Real Life, 2007). Sie spielt in Milk die lesbische Wahlkampfmanagerin von Harvey Milk.

AVIVA-Tipp: Harvey Milk war der erste US-Bürgerrechtler, der als bekennender Schwuler in den Stadtrat von San Francisco gewählt wurde. Der Film zeigt das raue politische Klima in den 1970er Jahren. Milk ist Vorbild, Ikone und Held, nicht nur für das schwule, sondern für das liberale demokratische Amerika. Der Film ist so auch ein Film über die Stadt San Francisco, die heute stolz ist, die toleranteste und liberalste Stadt in den USA zu sein. Der Film erzählt zum ersten Mal die Geschichte des Kampfes für Bürgerrechte aus der Perspektive der Schwulenbewegung. Großartig, ideal für den nächsten Trip nach San Francisco.

Milk
Originaltitel: Milk
Verleih: Constantin Film
USA, 2008
Regie: Gus Van Sant
Drehbuch: Dustin Lance Black
DarstellerInnen: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, Diego Luna, James Franco, Alison Pill, Victor Garber, Denis O´Hare, Jeff Koons u.v.a.
Filmlänge: ca. 128 Minuten
Kinostart: 19.02.2009
www.milk.film.de


Kultur Beitrag vom 16.02.2009 Yvonne de Andrés 

   




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