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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2016 - Beitrag vom 19.02.2009

Born in Flames. Ein Film von Lizzie Borden
Stefanie Denkert

Der nun endlich am 2. M├Ąrz 2009 auf DVD erscheinende lesbisch-feministische Klassiker aus dem Jahre 1983 zelebriert den Kampfgeist und autonomen Aktionismus, wie wir ihn von den mutigen Frauen ...



... kennen, die ihren Protest in den sp├Ąten 1960ern auf die Stra├če trugen.

"Born in Flames" entwirft ein utopisches Amerika, das zehn Jahre nach einer Revolution nun in einer sozialistischen Demokratie lebt. Auch in dieser angeblich gerechteren Gesellschaft sind Sexismus und Rassismus weiterhin im allt├Ąglichen Leben fest verankert.

Eine Krise auf dem Arbeitsmarkt macht das besonders deutlich: die ersten, die entlassen werden sind Frauen und Angeh├Ârige ethnischer Minderheiten. Eine militante Gruppe von Frauen, die sich als die "Army" bezeichnet, hat sich bereits formiert, um f├╝r den Schutz von anderen Frauen zu sorgen. Sie patrollieren in den St├Ądten auf Fahrr├Ądern und stellen sich den T├Ątern sexueller ├ťbergriffe in den Weg. Fotos von Vergewaltigern ver├Âffentlichen sie auf Plakaten in der ganzen Stadt, Geb├Ąudemauern bespr├╝hen sie mit Wahrheiten ├╝ber die Unterdr├╝ckung von Frauen.

Zu dem zehnten Jahrestag der sozialistisch-demokratischen Revolution soll jedoch der Anschein einer gl├╝cklichen Bev├Âlkerung ├Âffentlich demonstriert werden. Der Regierung ist die selbstjustiz├╝bende Gruppe somit ein Dorn im Auge, schlie├člich zeigen die deshalb als "Terroristinnen" denunzierten Frauen die Fehler im System auf. Als deren Anf├╝hrerin jedoch unter dem Druck der Regierung zusammenbricht und sich im Gef├Ąngnis das Leben nimmt, begreifen viele erst, wie ernst die Lage wirklich ist.

Eine stetig wachsende Anzahl von Frauen will nicht mehr nur darauf hoffen, dass eines Tages Gleichberechtigung in allen K├Âpfen verankert sein wird, sondern aktiv werden. Immer mehr Frauen schlie├čen sich daher den Aktionen von der "Army" an und beginnen, mit ihnen zu demonstrieren. Die Regierung versucht derweil, gegen die wachsende Unruhe mit einem neuen Programm anzugehen und schl├Ągt als L├Âsung f├╝r die Massenarbeitslosigkeit von Frauen die Entlohnung von Hausarbeit vor. Die Frauen wollen sich jedoch nicht an den ┬┤Herd┬┤ zur├╝ckdr├Ąngen lassen.

Mittlerweile sind Radiomoderatorin Honey und ihre Anh├Ąngerinnen auch davon ├╝berzeugt, den Kampf gegen die Machtinhaber aufnehmen zu m├╝ssen. F├╝r Honey als lesbische Afroamerikanerin aus armen Verh├Ąltnissen steht dabei fest: im Kampf gegen Unterdr├╝ckung m├╝ssen Frauen aller Hautfarben, sozialer Schichten und sexueller Orientierungen sich solidarisch vereinen. Die Revolution beginnt ...

Lizzie Borden ist es gelungen, einen feministischen Science-Fiction-Film zu drehen, der s├Ąmtliche Kritikpunkte innerhalb und au├čerhalb der Neuen Frauenbewegung behandelt. Es ist bemerkenswert, wie mit pointierten Dialogen und aussagekr├Ąftigen Bildern Rassismus, Klassismus, Sexismus und Heterosexismus thematisiert werden, ohne dass dabei nur an der Oberfl├Ąche gekratzt wird. Die Low-Budget-Produktion gibt "Born in Flames" den authentisch anmutenden Look eines Zeitdokuments, der durch seinen dokumentarischen Stil weiter unterstrichen wird. Das utopische Setting des Films ermutigt die ZuschauerInnen, mit einem frischen Blick den Stand der Gleichberechtigung in der Gesellschaft, in der sie leben, neu zu betrachten und zu ├╝berdenken.

Es ├╝berrascht also nicht, dass "Born in Flames" gro├čen Einfluss auch auf sp├Ątere Filmemacherinnen hatte. Beispielsweise besch├Ąftigte sich der amerikanische Independentfilm "A Gun for Jennifer" (1996), von und mit Deborah Twiss, ebenfalls mit feministischer Selbstjustiz. Darin schlie├čt sich die Protagonistin Jennifer einer Frauen-Gang an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Vergewaltigungsopfer zu r├Ąchen. Und zuletzt hat sich Jamie Babbit mit ihrem Politm├Ąrchen "Itty Bitty Titty Committee", das 2008 in die deutschen Kinos kam, direkt auf "Born in Flames" bezogen. Babbit erkl├Ąrte der L-Mag: "Ich liebe diesen Film. Und sie (Lizzie Borden) ist jemand, die lange vor mir kam und mich total inspiriert hat."

Den revolution├Ąren Gedanken aus Bordens Klassiker hat Jamie Babbit in "Itty Bitty Titty Committee" aufgegriffen und dabei feministischen Aktivismus ├Ąu├čerst unterhaltsam in Szene gesetzt. Im Zentrum des Films steht die radikalfeministische Frauengrupe C.I.A. (Clits in Action), deren post-adoleszente Mitglieder mit jugendlichem Eifer den Kampf gegen das Patriachat aufnehmen, um ein selbstbestimmtes Leben zu f├╝hren. Wie auch Babbits Film zeigt, kann man leider nur zu dem Schluss kommen, dass die Thematik von "Born in Flames" immer noch hoch aktuell ist und auch heute noch zum Aktivismus inspirieren kann.

Infos zu Lizzie Borden: 1958 als Linda Elizabeth Borden geboren, machte ihren Abschluss am Wellesley College in Massachusetts bevor sie nach New York zog, um als K├╝nstlerin und Kritikerin zu arbeiten. 1976 entstand "Regrouping", das erste Werk der Autodidaktin, doch erst mit "Born in Flames" (1983) gelang ihr ein Publikumshit. Drei Jahre sp├Ąter erschien "Working Girls", ein Film ├╝ber die lesbische Fotografin Molly, die als Prostituierte arbeitet, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach einigen Arbeiten f├╝r die Horrorfernsehserie "Monsters" ging Borden nach Hollywood und filmte mit Sean Young "Love Crimes" (1991), der sich mit erotischen Fantasien befasst. Die weibliche Sexualit├Ąt erkundetet sie ebenfalls in der Serie "Inside Out", einer Playboy Produktion, sowie in dem Filmsegment "Let┬┤s Talk About Sex" ├╝ber eine Angestellte einer Telefonsex-Hotline.

Born in Flames
USA 1983, 80 Min.
Regie: Lizzie Borden
DarstellerInnen: Honey, Adele Bertei, Jean Satterfield, Florynce Kennedy, Kathryn Bigelow u.a.
Englische Originalfassung
Verleih: Salzgeber
DVD-Erscheinungstermin: 02. M├Ąrz 2009

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Rezension zu "A Gun for Jennifer"
Rezension zu "Itty Bitty Titty Committee"

Dieser Text ist zuerst erschienen in der ersten Ausgabe der "Sissy", Homosexual┬┤s Film Quarterly (www.sissymag.de)

Kultur Beitrag vom 19.02.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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