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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 25.02.2009

Out at the Wedding
Sharon Adler

In bester Screwball-Comedy-Manier inszenierte die mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Lee Friedlander nach dem Drehbuch der nicht minder talentierten Autorin und Produzentin Paula Goldberg ...



... diesen Film, der schon auf diversen gro├čen Festivals weltweit vor ausverkauftem Haus gezeigt und preisgekr├Ânt wurde. Im M├Ąrz 2009 wird das deutsche Publikum zur L-Filmnacht in den Genuss der filmischen und emotionalen Achterbahn "Out at the Wedding" kommen.

Erz├Ąhlt wird die rasante Story um Alex "Lexie" Houston (Andrea Marcellus) und deren j├╝ngere Schwester Jeannie (Desi Lydic). Eine nicht unwesentliche Rolle auf den Verlauf des Geschehens nehmen ferner der Verlobte der ├Ąlteren Schwester, der frischgebackene Ehemann der j├╝ngeren, der schwule Freund von Alex, schlie├člich der Familienclan der jeweils Beteiligten und deren skurrile Eigenarten. Allen voran aber eine ├Ąu├čerst anziehende lesbische K├╝nstlerin!

Eigentlich f├╝hrt Lexie (Andrea Marcellus) ein gesetteltes Leben, denn sie lebt in Manhattan, ist beruflich erfolgreich und unabh├Ąngig.
Dass sie mit ihren drei├čig Jahren noch nicht verheiratet ist, wird sich bald ├Ąndern, denn ihr Freund Dana (Mystro Clark), ein sanft├Ąugiger Pilot, steckt ihr beim Dinner im Restaurant ├╝berraschend einen Verlobungsring an den Finger und stellt die entscheidende Frage.
Es k├Ânnte alles so sch├Ân sein. W├Ąre da nicht die Tatsache, dass Dana schwarz ist. Schlimmer noch: Er ist der Sohn eines Afroamerikaners und einer j├╝dischen Mutter. Lexie, felsenfest davon ├╝berzeugt, dass es zwischen seiner unkonventionellen New- Yorker- und ihrer konservativen South-Carolina-Mischpoche nur Probleme geben kann, hat sie Dana w├Ąhrend ihrer immerhin schon dreimonatigen Beziehung gegen├╝ber ihre eigene Familie verschwiegen, so dass dieser glaubt, sie sei tot.

Allerdings ist Jonathan, Lexies schwuler Freund aus Kindertagen, eingeweiht, und so begleitet er sie zur Hochzeit von Jeannie.
Kaum angekommen, wird Lexie klar, dass sie immer das ┬┤schwarze┬┤ Schaf der Familie sein wird.
Das Verh├Ąltnis der beiden Schwestern zueinander ist angespannt, und auch der distinguierte Vater tritt Lexie eher skeptisch gegen├╝ber. Ein Gl├Ąschen folgt dem anderen, und das Chaos nimmt unweigerlich seinen Lauf, als der sonst so zuverl├Ąssig verschwiegene Jonathan (Charlie Schlatter) unbeabsichtigt behauptet, seine Busenfreundin sei lesbisch und Dana eine Frau.
Ausgerechnet beim Familienfoto macht das Ger├╝cht seine Runde, und bevor Lexie davon erf├Ąhrt, sind alle nun pikiert dreinschauend Anwesende im Bilde. Wirklich sauer aber ist nur Jeannie, denn sie vermutet, dass ihr die gro├če Schwester mit diesen Hot-News schon wie so oft die Schau stehlen wollte.

Zur├╝ck in New York wird die unfreiwillig geoutete Hetera Lexie erneut mit ihrer vermeintlichen lesbischen Identit├Ąt konfrontiert, denn Jeannie will sie nach ihrem Tahiti-Honeymoon besuchen und unbedingt ihre "Freundin" Dana kennen lernen.
Verzweifelt sucht Lexie nach einer L├Âsung und findet sie in Gestalt der attraktiven Risa (Cathy DeBuono), die ihr buchst├Ąblich vor die F├╝├če f├Ąllt und kurzerhand von Lexie und Jonathan als Alibi-Geliebte angeheuert wird. Risa, eine echte Vorzeigelesbe, liebt das Risiko und lebt das Motto: "I can┬┤t even think straight".

Die zwangsl├Ąufig folgenden Verwicklungen stellen alle vor gro├če Herausforderungen, und ausgerechnet w├Ąhrend ihres ersten "Ausfluges" als Lesbe l├Ąuft Lexie ihrem zuk├╝nftigen Schwiegervater in die Arme. Katastrophe! Da hilft nur eins: Das Spiel weiterspielen, vor allem, um die kleine Schwester wieder gn├Ądig zu stimmen.

Geistreich, selbstironisch, turbulent, scharf beobachtend und herrlich schr├Ąg spielt "Out at the Wedding" mit Klischees und entlarvt genau diese ├Ąu├čerst charmant. Besonders deutlich wird dies, als Alex bei ihrem Debut in der Szene versucht, wie eine Lesbe auszusehen und dabei leider total danebenliegt. Wirklich dramatisch aber wird das Ganze, als Jeannie auf Risa trifft, und die beiden (un)gl├╝cklicherweise magnetisch voneinander angezogen werden ...

Women, have more drama!

Bevor der Film auf sein fulminantes Ende und einen gro├čartigen Showdown zusteuert, m├╝ssen noch einige Klippen umschifft und harte Schl├Ąge eingesteckt werden, bis am Ende alle etwas Elementares dazu gelernt haben und jede das bekommt, was sie immer schon wollte, auch wenn das nicht vorhersehbar war.
Virtuos in Szene gesetzt wurde "Out at the Wedding" von Lee Friedlander, die bereits mit dem genialen Survival-Guide f├╝r Lesben, "Die zehn Regeln" ("The Ten Rules"), oder der tragisch-komischen Liebesgeschichte "Girl Play" eindrucksvoll bewiesen hat, dass Dyke-Drama erstens zum (lesbischen) Leben dazu geh├Ârt, und dass das zweitens nicht unbedingt bierernst sein muss.

AVIVA-Tipp: "Out at the Wedding" funktioniert wie ein hei├čes Schaumbad im Winter: eintauchen und genie├čen.

Dieser Text ist zuerst erschienen in der ersten Ausgabe der "Sissy", Homosexual┬┤s Film Quarterly (www.sissymag.de)

Lesen Sie auch unseren Artikel zu dem neuen Filmmagazin "Sissy".

Out at the Wedding
Regie: Lee Friedlander
Drehbuch: Paula Goldberg
DarstellerInnen: Andrea Marcellus, Desi Lydic, Cathy DeBuono, Charlie Schlatter, Mike Farrell, Mink Stole, Reginald VelJohnson, Mystro Clark
Label/Studio: PRO-FUN MEDIA Filmverleih
Vertrieb: PRO-FUN MEDIA GmbH
FSK-Freigabe: 12 Jahre beantragt
Laufzeit: ca. 96 Min.
Bildformat: 1,66:1
Kinovorf├╝hrformate: Blu-Ray Video (HD 1080p), Kino-DVD / engl.OF / dt. UT / Letterbox
Weitere Infos unter:
www.pro-fun.de
www.outatthewedding.com
www.myspace.com/outatthewedding



Kultur Beitrag vom 25.02.2009 Sharon Adler 

   




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