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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.03.2009

Nur ein Sommer - ein Film von Tamara Staudt
»Nana« Nicole Wenger

"Wenn man eine Chance kriegt, muss man sie nutzen!" Also packt die arbeitslose Eva ihre Sachen, verlässt ihre brandenburgische Plattenbausiedlung und macht sich auf den Weg in die Ferne ...



....und Weite der Schweizer Berg-Welt.

Das Leben der 35-jährigen Eva Grünberg (Anna Loos) wird äußerlich von Tristesse und Hoffnungslosigkeit geprägt. Über ein Jahrzehnt ist seit der Wiedervereinigung Deutschlands vergangen, alte Symbole für Fortschritt und Sozialismus werden, wie die alte Plattenbausiedlung zu Beginn des Filmes, nach und nach dem Erdenboden gleichgemacht. Alte Ideale und Errungenschaften lassen sich scheinbar nicht mehr in die "neue" Zeit integrieren. Stagnation ist an deren Stelle getreten.

"Dit kann doch nich allet jewesen sein!" Eva ist eine unabhängige und eigenwillige Frau, die sagt, was sie denkt, gegebene Umstände nicht einfach hinnimmt, und die nicht so schnell aufgibt. Nach ABM- und verschiedenen Umschulungs-Maßnahmen sehen ihre Chancen auf dem ost-deutschen Arbeitsmarkt sehr schlecht aus. Doch mit einem Leben von Hartz IV, Cremetorte und einer "Frühpension" mit 35 kann sie sich nicht abfinden, denn sie will arbeiten. Ihr 17-jähriger Sohn Jens (Robert Höller) ist fast erwachsen, geht seine eigenen Wege und sucht selbst eine Lehrstelle, die er auch bekommt. Evas Lebenspartner Marco (Steve Windolf) ist Sozialarbeiter und hat allgemein nur wenig Verständnis für sie und ihre Bedürfnisse. Als Eva dann unverhofft von der Arbeits-Agentur eine Stelle als Melkerin und Saisonhelferin auf einer Schweizer Alm angeboten wird, und sie sich für einen Sommer in den Bergen entscheidet, trifft sie auf viel Unverständnis. Sie lässt sich jedoch nicht von ihrem Entschluss abbringen.

Die Schweizer Bergwelt empfängt Eva allerdings nicht mit romantischem Alpenglühen und Edelweiß-Idylle, denn das Leben der Senner ist hart, beschwerlich und von Entbehrungen geprägt: Eva wird von ihrem neuen Arbeitgeber, dem wortkargen und eigenbrötlerischen Mittfünfziger Daniel (Stefan Gubser) mit einem wackeligen veralteten Materiallift abgeholt. Auf der Alm gibt es keinen elektrischen Strom, fließendes warmes Wasser, keine Privatsphäre und keinen Komfort. Daniel ist zunächst wenig davon überzeugt, dass die attraktive Eberswalderin dem Leben und der Arbeit in der alpinen Einöde gewachsen ist.

Doch Eva krempelt ihre Ärmel hoch und packt an. Die 40 Milchkühe sind keine große Herausforderung für sie, schließlich hat sie vor langer Zeit das Melken und die Landarbeit gelernt: in einer LPG mit 600 Kühen. Daniel hat Mühe, mit dem Tempo der Brandenburgerin Schritt zu halten, sei es beim Melken oder im fortschrittlichen Denken. Daniel wird unweigerlich in den Bann Evas gezogen, und damit ist er nicht allein.

Eva hat auch das Interesse des mazedonischen Saisonarbeiters Mehmet (Oliver Zgorelec) geweckt. Auch er hat einen riskanten und beschwerlichen Weg hinter sich gebracht, nur um arbeiten zu können. Mehmet arbeitet illegal in der Schweiz und muss von seinem kargen Lohn auch noch Schleuserbanden bezahlen. Dennoch hat er sich viel Lebensfreude bewahrt und zeigt offen seine Gefühle für Eva. Als dann auch noch Marco wider Erwarten auf der Alm auftaucht, ist das Chaos perfekt und stellt Evas Aufenthalt in Frage. Wofür wird sie sich entscheiden? Wird Eva sich und ihren Überzeugungen treu bleiben?

Die Zeit scheint nicht nur im brandenburgischen Eberswalde stehen geblieben zu sein. Auch auf der Berner Alm finden sich die Zeichen einer vergangen Zeit. Fortschritt und Moderne haben hier nur bedingt Einzug gehalten und sind mitunter schon wieder veraltet. So trifft die Monotonie einer Plattenbausiedlung auf eine schroffe und zerklüftete Bergwelt die nicht nur von einer üppigen Vegetation, sondern auch von Verfall und Tod bestimmt wird. Grenzen zwischen "Stadt" und "Land", "Vergangenheit" und "Zukunft" werden verwischt und dadurch in Frage gestellt. Dabei agiert mit viel Witz eine äußerst überzeugende und sympathische Anna Loos als Mittlerin zwischen den Welten und deren festgefahrenen Überzeugungen.

"Nur ein Sommer" ist ein Film, in dem nicht nur die biografischen Erfahrungen der Regisseurin einfließen, sondern auch die einer wirklich überzeugenden Hauptdarstellerin: Tamara Staudt verbrachte selbst zwei Sommer als Helferin auf einer Schweizer Alm. Dort bekam sie Einblick in den schweren Alltag einer Sennerin, konnte dort ungewöhnliche Erfahrungen machen und außergewöhnliche Bekanntschaften schließen. Anna Loos ist eine gebürtige Brandenburgerin, die trotz ihrer Flucht aus der ehemaligen DDR den Kontakt zu ihrer Heimat nicht verloren hat, was zu der Authentizität ihrer Rolle beiträgt und dieser einen liebevollen Charme verleiht.
Zwar bleiben bei diesem Film einige Fragen unberührt und unbeantwortet, lassen aber gleichzeitig Platz für eigene Überlegungen und Interpretationen.

Zur Regiseurin: Tamara Staudt wurde 1966 geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Schreinerin. Nach ihrem Meistertitel 1985 widmete sie sich ganz dem Film. Aus ihrer Feder und unter ihrer Führung entstanden Filme, Dokumentationen und verschiedene Drehbücher.

Zur Hauptdarstellerin: Anna Loos wurde 1970 in Brandenburg geboren und absolvierte ihre Schauspielausbildung in Hamburg an der Stage School of Music, Dance and Drama. Danach folgten diverse Film- und Fernsehproduktionen wie dem Kölner "Tatort" oder "Autopsie". Auch ihr Talent als Sängerin hat Anna Loos bereits unter Beweis gestellt. So brachte sie brachte sie 2000 ihre Single "My Truth" heraus und tourt mit der Ostberliner Rockband SILLY durch die Republik.
Anna Loos lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler, Regisseur und Sänger, Jan Josef Liefers und ihren Töchtern in Berlin.

AVIVA-Tipp: "Nur ein Sommer" ist ein romantisch-realistischer Film, der von einer überzeugenden Hauptdarstellerin Anna Loos getragen wird. Mit viel Humor werden die Schattenseiten verschiedener Lebensmodelle aufgezeigt, alte und neue Werte hinterfragt. Dieser Film ist nicht nur sehr unterhaltsam – er macht auch Mut, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu bestimmen!

Nur ein Sommer
Deutschland / Schweiz 2008
Buch und Regie: Tamara Staudt
DarstellerInnen: Anna Loos, Stefan Gubser, Steve Windolf, Oliver Zgorelec u.a.
Verleih: Filmlichter
Lauflänge: 94 Minuten
Kinostart: 12.03.2009
Weitere Informationen: www.nur-ein-sommer.de

Kultur Beitrag vom 12.03.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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