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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.04.2009

Unbeugsam - Defiance
Sharon Adler

Auf Grundlage des historischen Sachbuchs "Defiance: The Bielski Partisans" der US-Professorin Nechama Tec zeigt der Film den bewaffneten Widerstand der Bielski-Brüder in den Wäldern Weißrusslands.



"Mag sein, dass man uns wie Tiere jagt. Aber wir lassen uns nicht zum Tier erniedrigen. Wir haben uns dafür entschieden, frei zu leben, als Menschen, so lange es uns möglich ist. Jeder Tag, den wir in Freiheit leben, ist wie ein Sieg. Und sollten wir bei dem Versuch zu leben dennoch sterben, so sterben wir wenigstens als Menschen."
So Tuvia Bielski, einer der drei Bielski-Brüder, russische Widerstandskämpfer, die die größte bewaffnete Rettungsoperation von Juden für Juden im Zweiten Weltkrieg organisierten. Und überlebt haben.

Und doch sind die Taten der Brüder und ihrer HelferInnen sowie die der Geretteten bis heute weitgehend unbekannt geblieben.
Nun hat Regisseur Edward Zwick ihre Geschichte verfilmt: als eindringliches Drama um Rache, Befreiung und Würde. Er erzählt, wie die Bauernsöhne Tuvia, Zus und Asael Bielski in den Wäldern Weißrusslands eine Siedlung aufbauten, die Hunderten von jüdischen Flüchtlingen vor dem Nazi-Terror Schutz bot. Und wie sie unter Einsatz ihres Lebens über vier Jahre mehr als 1200 jüdische Kinder, Frauen und Männer vor Deportation und sicherem Tod retteten. Wie sie aufgespürt wurden, flüchten mussten und wieder eine neue Siedlung aufbauten.

1941: Zu Tausenden werden Juden, darunter Alte, Kranke, Kinder, Schwangere, in der Sowjetrepublik Weißrussland grausam von den Nazis getötet.
Bei einer Massenexekution von mehr als 4000 Juden im Ghetto von Novogrudok sind auch die Eltern der drei Bielski-Brüder und Tuvia junge Frau und seine kleine Tochter unter den Ermordeten.
Um sich zu retten, fliehen die Brüder in die dichten Wälder von Naliboki, in denen sie sich seit ihrer Kindheit gut auskennen und improvisieren dort ein karges Partisanenlager. Als sich die Nachricht ihres Partisanenkampfes gegen die deutschen Besatzer im Ghetto verbreitet, finden sich täglich immer mehr vom sicheren Tod bedrohte Juden und Jüdinnen ein.

"Jerusalem im Wald"

Kinder und Alte, Männer und Frauen, Geistliche und Intellektuelle, Handwerker und Lehrer kommen auf unterschiedlichen Schleichwegen in das geheime Lager. Dramatisch steigt die Zahl der BewohnerInnen an und obwohl die Versorgungs- und Sicherheitsfrage zu keiner Zeit geklärt ist, läuft das Leben im Wald bald wie in einer perfekt organisierten Dorfgemeinschaft, selbst Hochzeiten werden geschlossen und Kinder geboren, es gibt sogar ein Theater und eine Synagoge. Nach einer Weile wagen es die Bielskis sogar, in die Ghettos zurückzukehren und den Juden zur Flucht zu verhelfen, die dort hilflos auf ihre Deportation und den sicheren Tod im Konzentrationslager warteten.

Der Überlebenskampf und Rachefeldzug, denn bei Partisanenaktionen gelingt es, deutsche Soldaten zu töten und sich deren Waffen anzueignen, entwickelt sich nun zu etwas, das den anfänglichen Plan bei weitem übertrifft: zu der Aufgabe, so viele Juden wie möglich zu retten.

Unter der Leitung von Tuvia Bielski (Daniel Craig) bereitet sich diese Schicksalsgemeinschaft auf eine unbestimmt lange Zeit im Versteck und den harten Winter vor. Obwohl sich die Brüder einig sind, was das Ziel dieses waghalsigen Unterfangens ausmacht, so führen ihre unterschiedlichen Charaktere zu gravierenden Problemen. Nun ist es nicht mehr nur die Bedrohung von Außen, die das Überleben der geheimen Siedlung im Wald täglich aufs Neue bedrohen.
Die unterschiedlichen Auffassungen der Brüder resultieren schließlich darin, dass Zus sich nicht-jüdischen Partisanen anschließt, die unter dem Banner der Roten Armee gegen die Nazis kämpfen und die Nazis setzen hohe Kopfgelder auf die Brüder aus.

Bald scheint die Lage völlig aussichtslos zu sein – und der Tod von 1200 Juden unabwendbar. Als die Wehrmacht auch die zweite Siedlung entdeckt und zu bombardieren beginnt, versucht Tuvia die Menschen, wie einst Moses, durch ein unübersichtliches Schilfmeer in Sicherheit zu führen.

Die Bielski-Gruppe – unter den Partisanen, die sich im Naliboki-Wald versteckten, als "Bielski Otriade" bekannt – entwickelte sich zur größten jüdischen Partisanen-Gruppe in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Sie fügte den Deutschen Verluste zu und rettete mehr Juden als jede andere Gruppe. Schätzungen nach gab es mehr als 20.000 Juden, die sich in ganz Osteuropa in Partisanengruppen organisierten, und obwohl etliche Gruppierungen in den Wäldern überlebten, darunter die Zhukov- und Zorin-Otriaden, waren diese deutlich kleiner als die Bielski-Otriade.

Als der Krieg endete, wäre die Geschichte der Bielski-Brüder fast für immer in Vergessenheit geraten. Tuvia und Zus emigrierten zunächst nach Israel, später nach New York. Dort arbeiteten sie als Taxi- und LKW-Fahrer und lebten wie Durchschnittsamerikaner. Nur selten sprachen sie über die Vergangenheit, selbst mit ihren Kindern – dafür begannen andere Überlebende von jenen Menschen zu berichten, die sie gerettet hatten. "Ohne die Bielskis", sagte Sulia Rubin im Jahr 2000 zu einem Journalisten der New York Times, "hätte ich nicht überlebt." Auf die Frage, ob sie vollkommen waren, antwortet sie: "Nein, alle Menschen machen Fehler. Aber sie gehören zu mir, sie sind meine Familie, ich liebe sie."

Erst nach Tuvias Tod im Jahr 1987 beschäftigten sich ForscherInnen mit der Geschichte. Dr. Nechama Tec, emeritierte Soziologie-Professorin an der University of Connecticut, veröffentlichte 1993 das Buch "Defiance: The Bielski Partisans", basierend auf Interviews mit den Überlebenden.
Die Professorin emerita, seit vielen Jahren auf die Holocaust-Thematik spezialisiert, arbeitet aktuell an zwei Büchern: "Profiles of Women" sowie "A Comparative Study of Jewish and Non-Jewish Resistance".
Die Trägerin der Ehrendoktorwürde der Seton Hall University (2003) wurde 2002 in den Verwaltungsrat des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., berufen. Sie gehört zum beratenden Ausschuss des Center for Advanced Holocaust Studies des vorgenannten Museums und war 1997 Forschungsbeauftragte beim Miles Lerman Center for the Study of Jewish Resistance. 1995 lehrte sie am International Institute for Holocaust Research at Yad Vashem in Jerusalem.

Nechama Tec hat zahlreiche Bücher verfasst, die mit dem National Jewish Book Award, Christopher Award, dem Merit of Distinction Award der Anti-Defamation League of B´nai B´rith ausgezeichnet wurden, nominiert war sie für den Pulitzer Preis und den National Book Award.
Übersetzungen ihrer Bücher erschienen in den Niederlanden, in Frankreich, Deutschland, Israel, Italien und Polen.
Nechama Tec hat mehr als 70 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und hält weltweit Vorträge bei Konferenzen.
Unter www.guardian.co findet sich ein Artikel von Nechama Tec über ihre Erfahrungen am Filmset.

AVIVA-Tipp: Unbeugsam – Defiance setzt denen ein Denkmal, die unter Einsatz ihres Lebens mehr als 1200 jüdische Kinder, Frauen und Männer vor Verfolgung und sicherem Tod retteten. Der mutige Widerstand jener Juden, die nicht kampflos untergehen wollten, wurde in der Verfilmung von Edward Zwick sensibel und authentisch umgesetzt..

Unbeugsam – Defiance
DarstellerInnen: Daniel Craig (Tuvia Bielski), Liev Schreiber (Zus Bielski), Jamie Bell (Asael Bielski), Alexa Davalos (Lilka Ticktin), Allan Corduner(Shimon Harertz), Mark Feuerstein (Isaac Malbin), Tomas Arana (Ben Zion Gulkowitz), Jodhi May (Tamara Skidelsky), Kate Fahy (Riva Reich), Iddo Goldberg (Yitzhak Shulman), Iben Hjejle (Bella), Martin Hancock (Peretz Shorshaty), Ravil Isyanov (Viktor Panchenko), Jacek Koman (Konstanty "Koscik" Kozlowski), George Mackay (Aron Bielski), Jonjo O´Neill (Lazar), Sam Spruell (Arkady Luczanski), Mia Wasikowska (Chaya Dziencielsky) und andere.
Produzenten: Edward Zwick, Pieter Jan Brugge
Regie: Edward Zwick
Drehbuch: Clayton Frohman und Edward Zwick nach dem Buch "Defiance: The Bielski Partisans" von Nechama Tec
Kinostart: 23. April 2009
Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

Kultur Beitrag vom 19.04.2009 Sharon Adler 

   




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