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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.05.2009

Die Besucherin - ein Film von Lola Randl
Anna Opel

Die erfolgreiche Wissenschaftlerin Agnes sucht einen Ausweg aus der Routine ihres perfekten Alltags, nistet sich in einer fremden Wohnung ein und trifft dort einen traurigen Mann.



Auf dem Weg nach Hause f├Ąllt Agnes (Sylvana Krappatsch) ein Mann aufs Autodach, der von seinem Balkon gesprungen ist.

Es ist Agnes┬┤ Geburtstag und zu Hause hat ihr Mann Walter (Samuel Finzi) eine kleine ├ťberraschungsparty vorbereitet. Agnes ist freundlich, aber unbeteiligt, Besucherin, auch in ihrem eigenen Umfeld. Als ihre aufgedrehte Schwester Karola (Jule B├Âwe) ihr am n├Ąchsten Tag den Schl├╝ssel zu einer Wohnung aufdr├Ąngt, wo Blumen zu gie├čen sind, will sie sich auf gar keinen Fall verpflichten. Viel zu besch├Ąftigt. Doch Karola l├Ąsst den Schl├╝ssel einfach liegen.
Agnes hat immer einen Grund, sich rauszuziehen. Sie muss ins Institut. Neuerdings auch Blumen gie├čen. Mitten in der Nacht zur fremden Wohnung fahren, wo sie vergessen hat, die Fenster zu schlie├čen.

In der fremden Umgebung entspannt sie sich, genie├čt es, fremd und unbeteiligt zu sein. Eines Tages schl├Ąft sie ein im fremden Bett und Bruno, der Bewohner (Andr├ę Jung) taucht auf. Eine Liebesgeschichte beginnt, die ihren ersten Funken aus der Fremdheit nimmt, bald auch aus der vagen Idee, die Besucherin k├Ânne in die Rolle von Brunos t├Âdlich verungl├╝ckter Frau schl├╝pfen. Einmal begleitet Agnes Bruno zu einem Gartenfest. Dort trifft er seinen Bruder, die Trauer ├╝ber den Verlust seiner Frau ├╝berw├Ąltigt ihn und es k├╝ndigt sich an: die Beziehung zwischen Agnes und Bruno wird bald zu Ende sein.

Die junge Regisseurin Lola Randl erz├Ąhlt in ihrem Film davon, wie schwer es ist, man selbst zu sein. Sie w├Ąhlt dazu zwei Welten: das allzu vertraute Beziehungsgeflecht des Alltags. Agnes ist sich in der Routine ihres t├Ąglichen Lebens selbst fremd geworden. Und es geh├Ârt zur erstaunlichen Leistung der Regisseurin, dass und wie diese Erkenntnis, die in Agnes┬┤ Innerem erst nach und nach Bahn reift, im Film sp├╝rbar wird.
Der neue Schauplatz ist eine Umgebung, in der Agnes ein noch unbeschriebenes Blatt ist. Eine melancholische Grundstimmung begleitet die Geschichte von der tastenden Suche nach einer Identit├Ąt jenseits von Konventionen und einstudierten Rollen.

AVIVA-Tipp: Spielweise und Dialoge folgen in diesem Film einer strengen ├ľkonomie. Die verhaltene Erz├Ąhlweise korrespondiert mit der Hauptfigur Agnes, die undurchdringlich und schweigsam einer inneren Stimme zu folgen scheint. Die Begegnungen zwischen Agnes und den beiden M├Ąnnern sind auf das Wesentliche reduziert. Niemals werden Erkl├Ąrungen verlangt oder gegeben.
Die Zuschauerin staunt ├╝ber das sehr beil├Ąufig umgekrempelte Geschlechterverh├Ąltnis in Agnes┬┤ Ehe, ihren Mann, der zu Hause alles regelt und gekr├Ąnkt ist, weil Agnes sein t├Ągliches Abendessen nicht ausreichend w├╝rdigt. Ein nachdenklicher Film mit wunderbaren SchauspielerInnen.

Lesen Sie auch das AVIVA-Interview mit Lola Randl.

Die Besucherin
Deutschland 2008
Buch und Regie: Lola Randl
DarstellerInnen: Sylvana Krappatsch, Andr├ę Jung, Samuel Finzi, Jule B├Âwe
104 Minuten
Filmstart: 14. Mai 2009

Kultur Beitrag vom 13.05.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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