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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.06.2009

Virgin Queen mit Sandra Hüller unter der Regie von Claudia Bauer
AVIVA-Redaktion

Sandra Hüller spielt gern ungewöhnliche Frauen. Bekannt wurde sie mit den Filmen "Requiem" und "Anonyma", jeweils in der Rolle einer Außenseiterin. Vom 13. – 24. Juni 2009 ist sie Elizabeth I.



In einer Inszenierung von Claudia Bauer, die ihre Ausbildung wie Hüller an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" erhielt, spielt und singt Sandra Hüller die englische Königin Elizabeth I.

Die Darstellung der englischen Königin als "Virgin Queen" basiert auf der Theorie von den "zwei Körpern der Königin". Bereits in zeitgenössischen Texten war die Rede von dieser besonderen Eigenschaft der Königin. Dazu muss man zunächst wissen, welche enorme Leistung Elizabeth I. erbringen musste, um ihr Land zusammenzuhalten. Sie stand im Zentrum eines komplizierten Machtgeflechtes, in dem Länder ihren Machtbereich friedlich durch Heirat oder durch Kriege gewaltsam vergrößerten. Zugleich fiel in ihre Zeit der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, der in einen erbitterten Streit mit ihrer Halbschwester und Konkurrentin Maria Stuart mündete.

Außerdem, und das machte den Reiz der Figur Elizabeth für ihre ZeitgenossInnen aus, war sie eine Frau. Eine vermeintlich schwache Frau, schön und begehrenswert, und zugleich einer der mächtigsten Menschen der Welt, der erbarmungsloses Kalkül einsetzte, um die eigene Macht zu wahren. Elizabeth genoss aufgrund ihrer perfekten Selbstinszenierung beinahe mystische Verehrung. Die Öffentlichkeit nahm sie nicht als gewöhnlichen Menschen wahr. Sie bestand aus zwei Teilen, dem "body politic" und dem "body natural". Der Dichter Edmund Spenser schreibt, Elizabeth trage "zwei Personen in sich, die einer höchst königlichen Königin oder Herrscherin und die einer höchst tugendhaften und schönen Dame".

Was das für die Person Elizabeth bedeutet, versucht Claudia Bauer in ihrer Inszenierung zu entschlüsseln. Elizabeth, die jegliche Heirat ablehnte und 45 Jahre lang regierte, wurde bereits zu Lebzeiten zur Ikone stilisiert. Welche reale Person steckte hinter der perfekten Maske der Königin? Wie hält man den Druck aus, perfekt sein zu müssen? Somit bestehen Parallelen zur modernen Diva: die perfekte Maske, das Verschwinden der Persönlichkeit hinter der Rolle machen auch die Schauspielerin aus. Sandra Hüller gelingt es, beide Ebenen zu verbinden. Sie stellt eine Königin dar, die eine Königin darstellt – oder: Sie ist eine Schauspielerin, die eine Schauspielerin spielt.

Folgerichtig zeigt das Bühnenbild das Ankleidezimmer beziehungsweise die Maske der Königin. Hier wird Elizabeth I. inszeniert, und das Publikum erlebt die Inszenierung mit. Kostüme und Kulisse sind das Eine – ständig hüllt Elizabeth sich in neue Gewänder, wird sie von der Diva zum Mädchen, von der Heerführerin zur einsamen alten Frau. Der andere und viel bedeutendere Aspekt ist das unglaublich intensive Spiel Sandra Hüllers. Allein mit der Mimik stellt sie den Wandel von der reißenden Bestie, die ihre Schwester Maria Stuart im Handstreich hinrichten lässt, zum schüchternen kleinen Mädchen dar. Zum ersten Mal kann Hüller auch ihre große komische Begabung einbringen, mit der sie ihre eigene Darstellung ständig persifliert.

Neben Sandra Hüller agieren die "Bessie Singers" Nils Dreschke, Sebastian Fortak und Lars Frank als Band, Puppenspieler und zwischenzeitliche Ansprechpartner, wenn Hüller aus ihrer Rolle tritt. Sämtliche KontrahentInnen Elizabeths existieren allein als Puppen – eine spannende Idee, die die reale Macht Elizabeths widerspiegelt.

AVIVA-Tipp: Die Masse der Regieeinfälle wirkt allerdings fast erschlagend. Stellenweise wünscht man sich etwas weniger Klamauk, etwas weniger kopulierende Puppen – doch Hüller macht all das wett. Ihre wahnsinnige Spiellust trägt das Stück auch über die Schwächen hinweg. Ihre Elizabeth ist tatsächlich eine größenwahnsinnige Monarchin, eine perfekte Diplomatin, eine sich nach Vaterliebe sehnende Tochter – und eine moderne Schauspielerin. Neue Energie holt sich diese Elizabeth von dem Bad in der Menge, einem Packen roter Plastikhandschuhe, und dem Anblick des Todes, einer der Puppen der Bessie-Singers.

Zur Regisseurin: Claudia Bauer, geboren 1966 in Bayern, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Regiearbeiten in Schwerin, Halle, Berlin, Stuttgart, Chemnitz. Ihre Inszenierung des "Faust" (Puppentheater Halle) fand überregionale Beachtung und wurde zu zahlreichen Festivals eingeladen. Von 1999 bis 2004 war sie Künstlerische Leiterin des Theaterhauses Jena.

Zur Hauptdarstellerin: Sandra Hüllerstudierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und spielte danach in Jena, Leipzig und Basel. Für ihre Rolle in Christian Schmids "Requiem" wurde sie mit dem silbernen Bären und dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet.


Virgin Queen
Regie: Claudia Bauer
DarstellerInnen: Sandra Hüller, Nils Dreschke, Sebastian Fortak und Lars Frank
Bühne: Hendrik Scheel
Kostüme: Daria Kornysheva
Puppen: Hagen Tilp
Musik: Sebastian Herzfeld
Spielort: Prater, Kastanienallee 7-9, Berlin
Termine: Samstag, 13.06.09, Dienstag, 16.06.09, Donnerstag, 18.06.09, Samstag, 20.06.09, Mittwoch, 24.06.09, jeweils 19:30 Uhr
Preise: 12, 17, 22 Euro
Tickets und Info unter: Telefon 030 - 240 65 777 / 030 - 44 35 18 27, Email ticket@volksbuehne-berlin.de
www.volksbuehne-berlin.de
Virgin Queen ist eine Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart und der Kulturinsel Halle.

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Sandra Hüller in "Madonnen"
Sandra Hüller in "Anonyma"

Kultur Beitrag vom 03.06.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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