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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.06.2009

Schattenwelt
Anna-Lena Berscheid

In vielen RAF-Filmen wurde das Schicksal der Hinterbliebenen ausgelassen. Dieser Film legt seinen Fokus auf das Schicksal derer, die auch Jahre später traumatisiert sind. Ab 25. Juni 2009 im Kino.



Wenn im deutschen Film etwas Konjunktur hat, dann ist es wohl die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Filme über das Dritte Reich, den Deutschen Herbst oder die DDR sind es, die sich bei den MacherInnen wie auch beim Publikum größter Beliebtheit erfreuen. Verwunderlich ist es da nicht, dass auch bei internationalen Filmpreisverleihungen wie den Oscars Filme mit solch historischer Thematik für Deutschland ins Rennen gehen, zuletzt gewann "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck die Auszeichnung für den besten nicht-englischsprachigen Film und auch "Der Untergang" oder "Der Baader-Meinhof Komplex" waren in den vergangenen Jahren nominiert.

Im Fahrwasser dieser Popularität möchte nun wohl auch "Schattenwelt" schwimmen: Der ehemalige RAF Terrorist Widmer (Ulrich Noethen) wird nach 22 Jahren aus der Haft entlassen. Über seine Anwältin Ellen (Tatja Seibt) findet er eine Bleibe in einem Plattenbau, dort versucht er, in das normale Leben zurückzufinden und Kontakt zu seinem Sohn Samy (Christoph Bach) aufzubauen. Doch kaum angekommen lernt er seine Nachbarin Valerie (Franziska Petri) kennen. Diese hat seine Ankunft schon erwartet und sucht seine Nähe. Widmer weiß noch nicht, dass Valerie bei ihm nach Antworten sucht: Ihr Vater, ein einfacher Gärtner, wurde vor 23 Jahren bei einem Attentat nur zufällig erschossen, an dem Widmer beteiligt war. Seine damalige Lebensgefährtin Pocke (Eva Matthes) wurde aufgrund der Kronzeugen-Regelung nie verurteilt, der dritte Beteiligte auf der Flucht erschossen. Doch wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat ist auch nach 23 Jahren ungeklärt.

"Schattenwelt" handelt weniger von den Taten der RAF als von den Opfern, die mit ihrer Traumatisierung nicht umgehen können. Das beschriebene Szenario ist rein fiktiv - es gibt weder die genannten TerroristInnen noch fand das Attentat wirklich statt. Parallelen zur Realität gibt es dennoch - im Zuge der Diskussion um die vorzeitige Entlassung der ehemaligen RAF-Mitglieder Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt kam wieder die Frage auf, wer Generalbundesanwalt Buback getötet hat.

Der Film thematisiert jedoch nicht nur den Verlust der Nachkommen der Opfer: Auch Samy, der Sohn Widmers, fürchtet sich bis ins Erwachsenenalter vor seinem Vater, dessen plötzliches Erscheinen er jeden Moment erwartet. Die Angst führt soweit, dass Samy, mittlerweile erfolgreicher Architekt, sein Haus zu einem Hochsicherheitstrakt aufrüstet. Als er aus dem Radio erfährt, dass sein Vater frei gelassen wird, verliert er schließlich ganz die Kontrolle.

Zu den HauptdarstellerInnen:

Franziska Petri:
ist eine gelernte Putzmacherin. Sie erhielt eine klassische Ballett- und Gesangsaubildung (Mezzosopran), sang in mehreren Bands und studierte von 1992 bis 1995 an der berühmten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Schon während ihres Studiums erhielt sie erste Fernsehhauptrollen und spielte am Berliner Schillertheater. 1998 gab sie in Michael Gwisdeks "Das Mambospiel" ihr Kinodebüt. Mittlerweile zählt Franziska Petri schon zu den arrivierten deutschen Schauspielerinnen.

Ulrich Noethen gehört zu den wandlungsfähigsten deutschen Schauspielern: Er brilliert in einem Kinderfilm ebenso wie in einer Literaturverfilmung, auf der Kinoleinwand wie bei TV-Produktionen - und fühlt sich weiterhin dem Theater verpflichtet. Für seine Kunst wurde er schon mehrfach ausgezeichnet.

Zur Regisseurin:
Connie Walther
studierte Soziologie und Spanisch in Marburg, wechselte zur Fotografie und absolvierte eine Ausbildung als Werbefotografin in Düsseldorf. Anschließend sammelte sie praktische Erfahrung als Beleuchterin und Regieassistentin u.a. bei Wolfgang Becker und Dominik Graf. Für Ihre Filme "12 heisst: Ich liebe dich" (2008), "Wie Feuer und Flamme" (2002) und "Das Erste Mal" (1996) wurde sie vielfach ausgezeichnet.

AVIVA-Fazit: Der Film bemüht sich, die psychologischen Folgen, die Opfer, TäterInnen und deren Nachkommen durch die RAF-Attentate erlitten haben, zu thematisieren. Jedoch wird zu Vieles nur angedeutet, die Charaktere bleiben undurchsichtig und gesichtslos, ihr Handeln ist nicht nachvollziehbar. Die Dialoge, die an die Sprache der RAF erinnern sollen, wirken gestelzt und entbehren dadurch jeder Authentizität. Zudem wurde den Bildern jegliche Farbe genommen, die überbelichtete Optik stört beim Zuschauen - weshalb diese Technik eingesetzt wurde, bleibt unklar.
Nach endlosen Minuten zäher und zugleich kruder Handlung endet der Film regelrecht abrupt und lässt so die ZuschauerInnen in vollkommenem Unverständnis zurück. "Schattenwelt" hat zwar einen sehr interessanten Ansatz, kann aber den eigenen Anspruch nicht erfüllen und hinterlässt dadurch große Fragezeichen bei den ZuschauerInnen.

Schattenwelt
Deutschland, 2008
im Verleih der Edition Salzgeber
Regie: Connie Walther
Drehbuch: Uli Herrmann
Co-AutorInnen: Peter Jürgen Boock, Connie Walther
DarstellerInnen: Franziska Petri, Ulrich Noethen, Tatja Seibt, Christoph Bach, Eva Matthes u.a.
Kinostart: 25. Juni 2009
schattenwelt-der-film.de

Kultur Beitrag vom 22.06.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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