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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.07.2009

Mitte Ende August - Ein Film von Sebastian Schipper
┬╗Nana┬ź Nicole Wenger

Vor 200 Jahren erschienen Goethes "Wahlverwandschaften". Sebastian Schipper ist nun eine unwiderstehliche und schwerelose Adaption des Klassikers gelungen, die auf eine wundervolle Weise...



... den klassischen Stoff in ein neues und modernes Gewand kleidet.

Hanna (Marie B├Ąumer) und Thomas (Milan Peschel) haben sich ihre Leidenschaft trotz des stressigen Alltags bewahrt. Um mehr Zeit und Raum f├╝r sich und ihre Bed├╝rfnisse zu haben, kaufen sie sich ein altes, heruntergekommenes H├Ąuschen im Gr├╝nen. Der Kaufvertrag des Hauses erscheint ihnen wie ein Unterpfand f├╝r ihre Liebe und ihre Beziehung. Es soll zum Symbol f├╝r ihre Gemeinschaft werden und ihre Gegens├Ątzlichkeit zu einem Ganzen vereinen. Denn w├Ąhrend Hanna eine bodenst├Ąndige, realistische und mitunter nachdenkliche Person ist, besticht ihr Partner Thomas durch ein fast kindliches, sonniges Gem├╝t und verweigert sich mehr oder weniger den Zw├Ąngen des Erwachsenenlebens. Schon in den Anfangssequenzen stellt sich der ZuschauerIn die Frage, ob die beiden zueinander passen und ob sich (ihre) Gegens├Ątze wirklich anziehen und zu einer festen stabilen Beziehung zusammenf├╝gen k├Ânnen:

Thomas und Hanna wachen am Morgen des Kaufabschlusses in ihrer Hamburger Wohnung auf: Thomas dreht erst mal die Lautst├Ąrkenregler der Stereoanlage auf und legt zu Pop-Musik, im h├╝bsch-h├Ąsslichen Schl├╝pfer, einen ausdrucksvollen Tanz hin. (Der Film besticht auch besonders durch seine liebevolle Ausstattung und Requisite) ÔÇô Hanna bringt ihm die Zahnb├╝rste...

Und auch bei den Instandsetzungsma├čnahmen haben die Beiden recht unterschiedliche Vorstellungen. Thomas gibt sich seinen Ideen hin, Hanna hat die Finanzen und die "Statik" im Blick. Noch zelebrieren sie ihre ungest├Ârte Beziehungs-Idylle, denn auf dem Land ticken die Uhren anders. Das Handy hat keinen Empfang, ein kleiner See l├Ądt zum Baden ein und elektrisches Licht muss erst einmal durch Kerzenschein ersetzt werden. Doch die traute Zweisamkeit ist nicht von langer Dauer.

Getreu der literarischen Vorlage k├╝ndigen sich BesucherInnen in der l├Ąndlichen Idylle an: Thomas┬┤ Bruder Friedrich (Andr├ę Hennicke) hat gerade seinen Job in einem gro├čen Architekturb├╝ro verloren und wurde von seiner Frau verlassen.
Wie ihre Roman-Patin Charlotte versucht Hanna den Besuch erst einmal abzuwimmeln. Doch letztlich bringt sie es nicht ├╝ber das Herz, den einsamen Bruder abzuweisen. Auch ihre Patentochter Augustine (Anna Br├╝ggemann) w├╝rde sie gerne bei sich aufnehmen. Und so werden aus Zwei schnell Vier. Die ersten Gef├╝hlsverwirrungen entstehen. Denn der stille Friedrich versteht es, die verletzlichen Seiten Hannas zu ber├╝hren.
Thomas und Augustine lieben und leben (nur) f├╝r den Augenblick. Dann passiert es ÔÇô die Beziehung(en) werden auf einen schweren Pr├╝fstand gestellt.

AVIVA-Tipp: "Mitte Ende August" ist ein z├Ąrtlicher, leichter, melancholischer und dennoch zuversichtlicher (Sommer-) Film, der die Geschichte einer (klassischen) Vierecksbeziehung mit den Beziehungsproblemen und Verstrickungen der Jetzt-Zeit verbindet. Sebastian Schipper gelingt es, eine f├╝r sich stehende Liebesgeschichte zu erz├Ąhlen. Gleichsam erzeugt er Lust auf mehr Literatur- (Verfilmungen) und darauf, auch die Klassiker f├╝r sich (neu) zu entdecken. Dieser romantische Film wird getragen von gro├čartigen SchauspielerInnen, einer wundervollen Ausstattung und ÔÇô Dank Vic Chesnutt - von einer grandiosen Filmmusik.

Hintergrundinformationen: Wie schon in seinen ersten beiden Filmen "Absolute Giganten" und "Ein Freund von mir" f├╝hrte Sebastian Schipper nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Marie B├Ąumer ("Die F├Ąlscher"), Milan Peschel ("Netto", "H├Ąnde weg von Mississippi"), Andr├ę Hennicke ("Die Buddenbrooks") und Anna Br├╝ggemann ("Lulu und Jimi") verleihen den komplexen Gef├╝hlen ihrer Figuren auf gro├čartige Weise unverstelltes Leben. Die stimmungsvolle Musik des amerikanischen S├Ąngers und Songwriters Vic Chesnutt wurde eigens f├╝r den Film komponiert. "Mitte Ende August" ist eine Film1-Produktion in Co-Produktion mit dem NDR, in Zusammenarbeit mit Arte und in Co-Produktion mit Senator Film Produktion. Als einziger deutscher Spielfilm-Beitrag feierte der Film seine Welturauff├╝hrung im Forum der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin. "Mitte Ende August" wurde auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen mit der BESONDEREN AUSZEICHNUNG der Jury geehrt.
(Presse-Informationen)

Mitte Ende August
Deutschland 2009, 93 Minuten
Regie: Sebastian Schipper
Buch: Sebastian Schipper
(frei nach Johann Wolfgang von Goethe)
Musik: Vic Chesnutt
DarstellerInnen: Marie B├Ąumer, Milan Peschel, Anna Br├╝ggemann, Andr├ę Hennicke, Gert Voss, Agnese Zeltina u.a.
Senator Film
Kinostart: 30. Juli 2009

Weitere Informationen finden Sie im Netz unter: www.film1.de

Weiterlesen: "Die Wahlverwandschaften" von Johann Wolfgang von Goethe oder "Sie kam und blieb" von Simone de Beauvoir.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Die Buddenbrooks" und "Effie Briest" mit Julia Jentsch.

Kultur Beitrag vom 19.07.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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