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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.07.2009

Salami Aleikum
Claire Horst

"Wenigstens isses kein Wessi", so die wenig begeisterte Reaktion der Bergheims auf die neue Liebe ihrer Tochter. Mohsen ist iranischer Abstammung. Und "die Ayatollahs" sind in Oberniederwalde...



... nicht gerade beliebt.

Das ostdeutsche Kaff zeichnet sich nur durch eines aus: durch seine Trostlosigkeit. Seit die ├Ârtliche VEB "Textile Freuden" mit der Wende schlie├čen musste, haben hier fast alle die Hoffnung verloren. Auch Ana Bergheim hat sich von ihren Tr├Ąumen schon lange verabschiedet. Von ihrer Karriere als Profi-Kugelsto├čerin ist nur ihre dopingbedingte Gr├Â├če und St├Ąrke geblieben.

Gerade das findet Mohsen an ihr so attraktiv. Der kleingewachsene und sch├╝chterne K├Âlner lebt noch bei seinen Eltern. Eigentlich soll er die Metzgerei des Vaters weiterf├╝hren. Leider kann er aber keinem Schaf ein Haar kr├╝mmen ÔÇô er ist eine einzige Entt├Ąuschung f├╝r die Eltern wie die Stammkunden. Seine Wut, seine Trauer und seine ├ängste verarbeitet er beim Stricken. Die starke Ana gewinnt sein Herz im ersten Augenblick.

Eigentlich wollte Mohsen nach Polen. Ein dubioser H├Ąndler hat ihm "Musterschafskis" versprochen, die er nicht einmal selber schlachten muss ÔÇô eine traumhafte L├Âsung f├╝r seine Probleme. Mitten in dem Dorf ist jedoch sein Wagen liegen geblieben. In der Gastst├Ątte der Bergheims wird er mit einem von Herzen kommenden "Ham wa┬┤ nich┬┤" abgewiesen. Ambiente und Atmosph├Ąre des Dorfes erinnern stark an Jeunets "Delicatessen", so surreal und unwirklich ist die Szenerie. Nebelschwaden umwabern die d├╝steren H├Ąuserreihen, alle Gespr├Ąche verstummen, als der sch├╝chterne Fremde die Kneipe betritt.

Im str├Âmenden Regen muss er schlie├člich im Auto ├╝bernachten, um das finstere Gestalten herumschleichen. Gerettet wird er von Ana, die inzwischen als Automechanikerin arbeitet. Die gro├če Liebe, die zwischen den beiden Au├čenseitern entsteht, muss sich gegen Widerst├Ąnde aller Art durchsetzen. Rassistische Kneipenbesucher und glatzk├Âpfige Dorfjugendliche sind da noch das kleinste Problem.

Doch Mohsen hat Gl├╝ck: Durch ein Missverst├Ąndnis wird er f├╝r den zuk├╝nftigen Retter des Dorfes gehalten. Der "Perser" will die VEB wieder aufbauen und iranische Textilien produzieren, davon sind bald alle ├╝berzeugt. Unglaublich komisch ist es zu beobachten, wie die DorfbewohnerInnen persische Vokabeln trainieren (daher der Titel), K├Âfte statt Schweinenierchen kochen und Gebetsteppiche ausrollen. Mohsen will Ana nicht entt├Ąuschen und genie├čt die pl├Âtzliche Zuneigung ihrer Eltern.

Die Situation spitzt sich zu, als die Taheris eintreffen. Bewaffnet mit einem Baseballschl├Ąger wagen sie sich in den Osten, um ihren Sohn heimzuholen. An Vorurteilen stehen sie den Bergheims ├╝berhaupt nicht nach. So sind auch sie von der Beziehung der beiden nicht begeistert: die gro├če Frau werde ihren Sohn zusammenschlagen, bef├╝rchten sie.

Mohsen gelingt es, seine L├╝ge noch eine Weile aufrecht zu erhalten. Sp├Ątestens mit dem Bes├Ąufnis der beiden V├Ąter sind die letzten Animosit├Ąten ausger├Ąumt ÔÇô der Iraner und der Ostdeutsche haben schlie├člich einiges gemeinsam: beide wurden nicht aus der Armee entlassen und haben dennoch Posten und Heimatland verloren. Beide hatten Tr├Ąume, die entt├Ąuscht wurden.

"Salami Aleikum" ist ein seltener Gl├╝cksfall: eine Kom├Âdie aus Deutschland, die wirklich komisch ist. ├ähnliches kennt man aus Schweden von Josef Fares┬┤ "Jalla Jalla" ÔÇô auch der Witz dieses Films beruht nicht nur, aber zu gro├čen Teilen auf interkulturellen Missverst├Ąndnissen. Ali Samadi Ahadi ist eines noch besser gelungen als Fares: Seine Stereotypen sind derart ├╝berzogen, dass ihre Absurdit├Ąt sofort deutlich wird.

Und er erz├Ąhlt sein M├Ąrchen von der gro├čen Frau, dem kleinen Mann und dem Schaf mit so viel Liebe und Humor, dass man einfach daran glauben m├Âchte. An diesem Erfolg sind zum einen seine gro├čartigen SchauspielerInnen beteiligt, die aus so unterschiedlichen F├Ąchern kommen wie dem politischen Kabarett oder der persischen Popmusik. Zum anderen ist "Salami Aleikum" eine spannende Mischung aus M├Ąrchen, Realsatire, Bollywood- und Animationsfilm. Fliegende Teppiche und tanzende Schafe spielen eine ebenso gro├če Rolle wie die Geschichten, die Mohsens selbstgestrickter Schal zu erz├Ąhlen hat.

"Ich glaube, der Trick liegt darin, dass wir nicht versucht haben, komische Menschen zu beschreiben. Wir haben unsere Figuren sehr ernst genommen und sie weder denunziert noch uns ├╝ber sie lustig gemacht. [...] Fast alle unsere Szenen k├Ânnten, wenn man sie ein bisschen anders erz├Ąhlt, Dramen sein. Es ist nur ein winziger Schritt von der Trag├Âdie zur Kom├Âdie.", glaubt Regisseur Ali Samadi Ahadi.

AVIVA-Tipp: Ein gro├čartiger Film! Wer intelligenten Humor mag, ist hier genau richtig. "Salami Aleikum" ist ernsthaft, komisch, romantisch und absurd zugleich. Stereotypen von M├Ąnnern, Frauen, Ossis, Wessis, PerserInnen, PolInnen werden gen├╝sslich auf die Schippe genommen ÔÇô doch dabei bleibt der Film wunderbar unverkrampft. Und vor allem macht er Spa├č. Den SchauspielerInnen ist die gro├če Entdeckung zu w├╝nschen, allen voran den DarstellerInnen der beiden Elternpaare.


Zum Regisseur: Ali Samadi Ahadi wurde 1972 in T├Ąbriz/Iran geboren. Mit 12 Jahren kam er 1985 ohne Familie nach Deutschland und machte sein Abitur in Hannover. An der Gesamthochschule Kassel absolvierte er sein Studium der Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Film und TV und f├╝hrte bei mehreren Dokumentationen Regie. Der Dokumentarfilm "Lost Children" ├╝ber Kindersoldaten in Uganda, bei dem er zusammen mit Oliver Stoltz Regie f├╝hrte, wurde international mehrfach ausgezeichnet (u.a. UNICEF Award, Al Jazeera Award) und mit dem Deutschen Filmpreis 2006 als "Bester Dokumentarfilm" pr├Ąmiert. Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz wurden mit "Lost Children" zudem f├╝r den bedeutendsten amerikanischen Fernsehpreis Emmy 2009 nominiert. "Salami Aleikum" ist Samadi Ahadis Spielfilmdeb├╝t.

Der Film im Netz: www.salami-aleikum.de

Salami Aleikum
Deutschland 2009
102 Minuten
Regie und Buch: Ali Samadi Ahadi
Buch: Arne Nolting
Kamera: Bernhard Jasper
VFX-Supervisor: Frank Sennholz
DarstellerInnen: Navid Akhavan, Anna B├Âger, Michael Niavarani, Proschat Madani, Wolfgang Stumph, Eva-Maria Radoy
Kinostart: 23.07.2009

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin "Lost Children", der Dokumentarfilm ├╝ber Kindersoldaten in Uganda, bei dem Ali Samadi Ahadi zusammen mit Oliver Stoltz Regie f├╝hrte.

Kultur Beitrag vom 21.07.2009 Claire Horst 

   




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