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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.08.2009

Hazorea - Ein Kibbutz im Norden Israels. Ein Dokumentarfilm von Ulrike Pfaff
Iella Peter

Ulrike Pfaffs bemerkenswerter Debütfilm "Hazorea" gewährt tiefen Einblick in das alltägliche Ringen eines Kibbutz` um die Bewahrung alter Werte und dem gleichzeitigen Wunsch nach Veränderung.



Ungefähr drei Prozent der israelischen Bevölkerung leben heute noch in Kibbutzim (hebräisch, Plural für Kibbutz). Besonders nach der Staatsgründung Israels 1948 wurden viele Siedlungen in bis dahin kaum erschlossenen Gegenden errichtet und spielten damit eine entscheidende Rolle für die Besiedelung des Staates Israel.

Bis heute schlägt sich die sozialistische Ideologie der Kibbutzim stark im Lebensalltag der BewohnerInnen nieder. Entscheidungen werden in der Mitgliederversammlung basisdemokratisch getroffen. Privater Besitz existiert nicht und ihre Arbeitsleistung bringen die Kibbutzniks "unentgeltlich" für das Kollektiv ein. Im Gegenzug stellt der Kibbutz Verpflegung, Unterkunft, medizinische Versorgung und oft auch Kleidung zur Verfügung. Auch gerade die Gleichberechtigung der Frauen ist ein wichtiges Ziel der Siedlungen. Deswegen werden viele, traditionell als weibliche Tätigkeiten deklarierte, hauswirtschaftliche Aufgaben als Dienstleistungen vom Kibbutz angeboten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das strenge Reglement vieler Kibbutzim allerdings gelockert. Das Kollektivbewusstsein nimmt immer mehr ab und die voranschreitende Individualisierung der Gesellschaft hält auch in den Kibbutzim Einzug. Von den, mit diesen Entwicklungen und Veränderungen einhergehenden, sehr unterschiedlichen Gefühlen erzählt Ulrike Pfaff in ihrem eindrucksvollen Dokumentarfilm.

Hazorea ist ein Kibbutz in der Nähe der israelischen Stadt Haifa. Heute das Zuhause für etwa 1.000 Menschen, gründeten Hanna Oppenheimer, Raja Nehab und andere deutsche JüdInnen nach der Flucht vor dem NS-Regime 1934 den Kibbutz. Anhand von Originalaufnahmen beschreibt Hanna die Ankunft in dem unwirtlichen Fleck Land, welcher von nun an ihr Zuhause sein soll. Die erste Zeit waren die 90 Neuankömmlinge, allesamt zwischen 17 und 21 Jahren, nur damit beschäftigt Steine zu sammeln, um so die Erde für den Ackerbau vorbereiten zu können. Jede Nacht unter Beschuss der arabischen Nachbarn, schafften sie es trotz dieser widrigen Umstände, die anfangs nur aus Zelten bestehende Siedlung zu einem Dorf mit funktionierender Infrastruktur umzuwandeln. Wahre Pionierarbeit, die auf dem Wunsch nach einer gerechten Gesellschaft gründete.

Heute sind Hanna und Raja über 90 Jahre alt und müssen erkennen, dass ihre EnkelInnen nicht mehr nach ihren kommunistischen Idealen leben wollen. Viele haben den Kibbutz schon verlassen. Und auch Oriel (30) lebt mittlerweile in Tel Aviv und ist nur einige Wochen im Jahr bei seiner Familie im Kibbutz. Geboren und aufgewachsen ist er in Hazorea und bis heute, so erzählt er, ist es seine Heimat geblieben. Er ist hin und her gerissen zwischen dem Ort seiner Kindheit und seinem neuen Zuhause. Denn mit seinen 30 Jahren wird Oriel eine wichtige Entscheidung treffen müssen: Verlässt er den Kibbutz für immer oder wird er ein festes Mitglied in der Kommune?

Für Oriel und die anderen der neuen Generation der Kibbutzniks ist es schwer, mit den alten Werten umzugehen. Sie streben nach Selbstverwirklichung und können den Umstand, dass sie kein Gehalt entsprechend ihrer geleisteten Arbeit erhalten, nicht mehr akzeptieren.

In einem für die Gemeinschaft historischen Moment gewährt Ulrike Pfaffs Film der ZuschauerIn Einblick in die Geschehnisse des Kibbutz`. Denn es bleiben noch zwei Wochen, bis alle Kibbutzniks in einer Mitgliederversammlung über wichtige Reformen, die Oriel und seine Freunde sich wünschen, andere aber fürchten, entscheiden müssen. Viele stellen sich die Frage, ob mit Annahme der Reformvorschläge die Zeit der ursprünglichen Kibbutzim abgelaufen sei. Halil, ein junger Mann, der aus Überzeugung in Hazorea geblieben ist, sieht schon in fünf bis zehn Jahren das Ende seines Kibbutz`, seiner Heimat, herannahen.

"Hazorea - Ein Kibbutz im Norden Israels" fängt die unterschiedlichen Stimmen und Gefühle der BewohnerInnen bezüglich der Zukunft ihres Kibbutz` ein und zeigt, dass die Geschichte des Kibbutz´ Hazorea letztlich auch ein Spiegel der israelischen Gesellschaft ist. Für viele ältere Israelis ist das Kibbutz Sinnbild für ein Gesellschaftsideal, das droht zu verschwinden, um einer ausschließlich leistungs- und profitorientierten Gesellschaft zu weichen. Ein Szenario, das große Angst vor dem Verlust der traditionellen Werte und auch der eigenen Identität schürt. In Ulrike Pfaffs Dokumentarfilm kommen alle Parteien zu Wort und lassen so die ZuschauerIn an der Faszination Kibbutz teilhaben.

Zur Regisseurin: 1997, kurz nach dem Abitur, ging Ulrike Pfaff selbst für einige Monate in ein Kibbutz und machte sich mit dem Leben dort vertraut. Nach weiteren Besuchen, viele Jahre später, spürte sie, dass Veränderungen im Kibbutz stattgefunden hatten und machte es sich in der Folge zur Aufgabe, diesen auf die Spur zu gehen.

AVIVA-Tipp: Mit ihrem Debütfilm ist Ulrike Pfaff eine beeindruckende Dokumentation über das Leben in einem Kibbutz gelungen. Sie verwebt die unterschiedlichen Stimmen und Gefühle der BewohnerInnen zu einem unterhaltsamen, aber auch informativen Ganzen und offenbart der ZuschauerIn auf einfühlsame Weise die, dem Kibbutz innewohnende, Faszination.

Hazorea – Ein Kibbutz im Norden Israels
Originaltitel: Hazorea - A Kibbutz in the North of Israel
Deutschland/ Israel 2008
Buch und Regie: Ulrike Pfaff
DarstellerInnen:
Verleih: Instinctive Film
Lauflänge: 80 min.
Kinostart in Berlin: 04. August 2009
Weitere Infos: www.instinctivefilm.com


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Sweet Mud – Im Himmel gefangen. In seinem neuen Film rechnet der israelische Regisseur und Drehbuchautor Dror Shaul mit dem Kibbuz ab und zeigt eine Gemeinschaft, in der Einsamkeit und Selbstsucht die Menschen bestimmen.

Kultur Beitrag vom 28.08.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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