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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 09.09.2009

Antichrist
Clarissa Lempp

Lars von Trier ist zurück! Mit seinem neuen Thriller "Antichrist" wirbelt er Fragen auf und hinterlässt Chaos und Verstörung. Ein stilistisches Meisterwerk mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe.



In eindrucksvollen Schwarz-Weiß Aufnahmen umschlingen sich zwei Körper im Geschlechtsakt. Die Welt bewegt sich in Zeitlupe, Wasser perlt aus der Dusche auf das Paar hinab. Es fällt eine Zahnbürste aus dem Regal und drückt sich an die Haut, schmiegt sich für den Bruchteil einer Sekunde eine Mulde ins Fleisch eines Oberarms. Draußen schneit es und die Fenster in der Wohnung sind offen, lassen die kühle Luft hinein. Die Ohren der Liebenden nehmen die kleinen Schritte nicht wahr, die sich durch das Wohnzimmer auf die Schneeflocken zubewegen. Das Kind beugt sich aus dem Fenster und fällt. So beginnt die Elegie.

Die Mutter scheint zu zerbrechen. Ihr Mann, der Psychiater, verliert sich, und tut das, was ein Therapeut nie tun sollte, er behandelt sie. Das Paar zieht sich zurück in Trauer, Schuldgefühle, Depression, Sex. In ihrer Hütte, die da "Eden" heißt, will der Psychiater, dass seine junge Frau sich ihren Gefühlen stellt. Doch was sie da finden, ist kein Paradies. Die Natur ist ein gespenstischer Feind. Eicheln trommeln in der Nacht auf das Blechdach und rauben den Schlaf. Armeen von Zecken beißen sich am Körper fest und da sind die drei "Bettler", drei unheimliche mythologische Tiergestalten, das (tot)gebärende Reh, der verwundete Fuchs und die unsterbliche Krähe, die sich dem Mann offenbaren. Seine Frau, die einst in dieser Hütte an ihrer Dissertation zu Misogynie und Hexenverfolgung arbeitete, scheint diese Zeichen zu übersehen und erklärt sich selbst als geheilt.
Doch was nun folgt, ist das Gegenstück zum Happy End, es ist der ultimative Kampf zwischen Frau und Mann, zwischen Mensch und Schöpfung, der mit einer Explosion von Sex und Gewalt einhergeht.

ANTICHRIST ist ein Film, der RezensentInnen und KinobesucherInnen polarisieren wird.
Die deutsche Koproduktion wurde in den Bergischen Wäldern gedreht und mit den Mitteln der Filmstiftung NRW gefördert. ANTICHRIST feierte seine Premiere im Wettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes. Charlotte Gainsbourg erhielt für ihre Darstellung die Silberne Palme als Beste Schauspielerin.

AVIVA-Tipp: "Antichrist" ist ein Festbankett der Interpretationen. Es stellt sich gegen jegliches Sinnsystem, ob religiös, therapeutisch oder um die Unschuld der Liebe. Will Lars von Trier hier die Ur-Sünde auf erleben lassen? Das Weib als das Böse, das Triebhafte, der Mann stellvertretend die Vernunft? Ist die Welt nicht therapierbar? Oder ist dies schlicht der letzte Befreiungsschlag der Frau, deren Demütigung von Trier bereits in seinen vorangegangen Filmen ("Dancer in the Dark", "Dogville") thematisierte? Auch von Trier äußerte sich nur wenig klärend zu seinem Werk, vielmehr scheint es ihm ein Bedürfnis gewesen zu sein. Gewiss ist, dass dieser Film nichts für schwache Nerven ist. Horrorfilmartig kommen die letzten Szenen daher, Geschlechtsteile werden verstümmelt, rohe Gewalt und Blut. Der Film ist verstörend, ein grausames Märchen über das Mensch sein. Und ein stilistisches Meisterwerk, die Kameraarbeit erschafft poetische Bilder, selbst in den erbarmungslosesten Momenten. Von diesen mythischen Bildkompositionen nährt sich die Atmosphäre, die SchauspielerInnen leisten Großes. Auch wenn sich also die Botschaft von "Antichrist" nicht so leicht erfassen lässt, bleibt am Ende doch das Gefühl, ein monumentales Stück Filmkunst gesehen zu haben.

ANTICHRIST
Deutschland/Dänemark 2009
DarstellerInnen: Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe
Regie: Lars von Trier
Buch: Anders Thomas Jensen
Länge: 104 Minuten
Kinostart 10. September 2009
FSK: keine Jugendfreigabe

Mehr zum Film unter: www.antichristthemovie.com



Kultur Beitrag vom 09.09.2009 Clarissa Lempp 

   




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