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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.09.2009

Andula - Besuch in einem anderen Leben - Ein Dokumentarfilm
Iella Peter

Die tschechische Schauspielerin Anna Letenská spielte im Sommer 1942 buchstäblich um ihr Leben. Ihr Mann war in Haft und auch ihr Schicksal lag nach Drehschluss einer kriegswichtigen Komödie...



...im Argen.

Anna Letenská, von ihrer Familie und ihren Freunden Andula genannt, war eine Prager Berühmtheit. Als Charakterschauspielerin in vielen Unterhaltungsfilmen der 1930er Jahre zu sehen, feierte sie auch am Theater Triumphe und wurde von den KritikerInnen bejubelt. Die Filme, in denen sie mitwirkte, waren meist Komödien, in Auftrag gegeben von den Nazis, um den Widerstand des Volkes gegen das bestehende deutsche Protektorat zu entschärfen.

Am 27. September 1941 übernahm Reinhard Heydrich, ein Zögling Hitlers, den Posten des stellvertretenden Reichsprotektors von Böhmen und Mähren. Er ging mit aller Härte gegen die WiderständlerInnen vor und erließ unter anderem ein Gesetz, dass ein Jahr später Anna Letenskás Schicksal besiegeln sollte. Die "Sippenhaft", das Einstehen müssen für Straftaten von Familienmitgliedern, wird verhängt und in der Folge verschwinden über 5000 TschechInnen in den KZs.

Diese Zeit des Schreckens wird eindrucksvoll in den Augenzeugenberichten von KollegInnen und WeggefährtInnen Andulas dargestellt. Eva Gerová, eine Schauspielkollegin Letenskás, beschreibt die permanente Angst der tschechischen Bevölkerung vor Diskriminierung und Verhaftung.

Als am 27. Mai 1942 ein Attentat auf Reinhard Heydrich verübt wurde, an dessen Folgen er kurz darauf starb, brach eine unvorstellbare Welle des Terrors über die tschechische Republik herein. Die Nazis zerstörten im Zuge der Vergeltungsmaßnahmen nicht nur die Dörfer Lidice und Lezáky, sondern machten bevorzugt Jagd auf oppositionelle Intellektuelle und ihre Familien. Auch Wladislaw Caloun, Andulas zweiter Mann, wurde verhaftet und verhört.

Einer der beiden Attentäter hatte sich bei der Tat verletzt und suchte Zuflucht bei einem Arzt, der gleichzeitig ein Freund von Annas Mann war. Jiri Letensky, der Sohn Andulas, befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Praxis. Seine kindlichen Erinnerungen tragen einen wesentlichen Teil des Films und hinterlassen einen tiefen emotionalen Eindruck bei der ZuschauerIn. Für ihn war damals der neue Mann seiner Mutter ein Dorn im Auge und es ist in den Film-Sequenzen zu spüren, dass ihr tragischer Tod, der so eng mit dem Schicksal Calouns verknüpft ist, ihn immer noch nicht loslässt.

Anna Letenská stand 1942 gerade vor der Kamera, um die Komödie "Ich komme gleich" zu drehen. Die Dreharbeiten wurden mit großem öffentlichem Interesse verfolgt und so blieb sie von der Gestapo unbehelligt, obwohl ihr Ehemann unter Folter seine Mitgliedschaft im Widerstand gestand und der Erlass der Sippenhaft damit auch Andula in Gefahr brachte.

Der immense emotionale Druck, der auf Letenskás Schultern lastete, kommt in einem Interview mit dem Regisseur Otakar Vavra zum Ausdruck. In den einzelnen Szenen hoch professionell, brach sie in den Drehpausen immer wieder weinend zusammen.

Nach der letzten Klappe wurde Anna Letenská sofort verhaftet und am 5. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihr Leben endete, als sie mit anderen Inhaftierten weiter nach Mauthausen gebracht und dort zwei Tage später erschossen wurde.

Hannah Herzsprung spricht den Kommentar im Film und ist immer wieder in einzelnen Sequenzen zu sehen. Sie soll den Leidensweg von Andula bis in das KZ nach-gehen und -fühlen. Eine interessante Idee, die in seiner Umsetzung dem Film aber leider mehr geschadet hat als alles andere. Die Close-Ups auf Herzsprungs Gesicht, ihr Gang durch das KZ, all das wirkt künstlich und aufgesetzt. Oft noch untermalt mit Klaviermusik, welche die Emotionen der ZuschauerIn hervorlocken soll, erzeugen diese Szenen letztlich nur Unverständnis.

Zu den RegisseurInnen:
Anne Worst
arbeitet, nach einem Studium der Germanistik, Musikwissenschaft und Skandinavistik und einer Tätigkeit beim öffentlichen Rundfunk in Saarbrücken, seit 1990 als freischaffende Regisseurin. Für ihren journalistischen Einsatz wurde sie 1998 mit dem Ernst-Reuter-Preis ausgezeichnet und erhielt den Deutsch-Französischen Journalisten-Preis.
Fred Breinersdorfer studierte Rechtswissenschaften und praktizierte 17 Jahre als Anwalt. 1980 erschien sein erster Krimi und widemete sich der Arbeit als Drehbuchautor. Zahlreiche Fernsehfilme, Tatort-Krimis und alle "Anwalt Abel"-Filme des ZDF stammen aus seiner Feder. Sein Debüt als Kino-Autor feierte er 2005 mit seinem Film "Sophie Scholl - die letzten Tage", der für den Academy Award 2006 nominiert wurde.

AVIVA-Tipp: Die Verfilmung von Anna Letenskás tragischem Schicksal ist ein wichtiger Beitrag, um die Opfer des NS-Regimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In vielen Augenzeugenberichten und Originalaufnahmen wird ein authentisches Bild ihres Lebens geschaffen, das die ZuschauerIn tief berührt und mit ihr fühlen lässt.

Andula - Besuch in einem anderen Leben
Deutschland 2008
Buch und Regie: Anne Worst und Fred Breinersdorfer
Darstellerin: Hannah Herzsprung,
Verleih: Salzgeber & Co
Lauflänge: 90 Minuten
Kinostart: 01. Oktober 2009
Weitere Infos finden Sie unter: www.salzgeber.de und www.breinersdorfer.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lesen Sie auch unsere Film-Rezensionen zu: Sophie Scholl - Die letzten Tage von Fred Breinersdorfer und Ich habe den englischen König bedient von Jirí Menzel.



Kultur Beitrag vom 25.09.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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