Soul Kitchen - Ein Film von Fatih Akin - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Juden, Christen und Muslime. Im Dialog der Wissenschaften 500-1500 DIE FLÜGEL DER MENSCHEN Happy End
Aviva-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.12.2009

Soul Kitchen - Ein Film von Fatih Akin
Lisa Erdmann

"Let me sleep all night in your soul kitchen", sangen "The Doors" 1967 – Regisseur Fatih Akin machte daraus einen Film, der sich neben den Leidenschaften Essen, Trinken und Feiern insbesondere...



... mit dem Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit, auch ohne festgelegten Ort, beschäftigt.

Der Deutschgrieche Zinos (Adam Bousdoukos) ist am Ende. Sein Restaurant läuft mehr schlecht als recht, seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) zieht als "Zeit"-Korrespondentin nach Shanghai und er selbst leidet unter einem unbehandelten Bandscheibenvorfall. Durch die Schmerzen arbeitsunfähig, stellt er den exzentrischen Koch Shayn (Birol Ünel) ein, der seine Gäste gerne als "Gaumenrassisten" bezeichnet. Der kreiert zwar das köstlichste Essen, das es im "Soul Kitchen" je gegeben hat, vertreibt aber damit die wenigen Stammgäste. Die wollen nämlich in ihrer Mittagspause wie gewohnt lauwarme Fischfrikadellen, Hacksteak-Hawaii und Kartoffelsalat aus dem Supermarkt.

Als dann auch noch Zinos kleinkrimineller und spielsüchtiger Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) auftaucht, der gerade Freigang aus dem Gefängnis hat, und ihn um Hilfe bittet, gibt das dem Restaurantbesitzer endgültig den Rest. Zinos will den heruntergewirtschafteten Laden nur noch los werden, endlich zu Nadine nach Shanghai ziehen und dort noch mal ganz neu anfangen.

Das "Soul Kitchen" ist jedoch nicht nur ein heruntergekommenes Restaurant in einer alten Lagerhalle - neben den Bäuchen der Gäste sollen hier auch ihre Seelen gefüttert werden. Soul-Musik aus den Siebzigern und die Rockband des Kellners Lutz zeichnen Zinos Laden aus. Als nebenan eine Musical-Schule eröffnet, rennen die jungen StudentInnen wegen Shayns szenigem Essen und der groovigen Musik sprichwörtlich die Türen des "Soul Kitchen" ein. Das Lokal wird zum Trend, platzt förmlich aus allen Nähten und Zinos hat beide Hände voll zu tun. Trotz plagender Rückenschmerzen und Stress mit dem Finanzamt will er sich auf keinen Fall mehr von seinem Laden trennen. Doch dann taucht der Immobilienspekulant Thomas Neumann (Wotan Wilke Möhring) auf und Ilias begeht einen tragischen Fehler. Zinos muss kämpfen und alles geben, um zu retten, was ihm am liebsten ist.

Fatih Akin kocht in seiner "Soul Kitchen" ein durchweg schmackhaftes Konglomerat aus Komödie, Heimatfilm und einer guten Priese Lovestory. Dabei zünden die humoristischen Passagen nicht nur wegen des geistreichen Wortwitzes, sondern vor allem dank der überzeugenden Slapstick-Einlagen der sympathischen DarstellerInnen, deren Namen sich wie ein "Best Of" aus Fatih Akins früheren Filmen liest: Adam Bousdoukos trat bereits in "Kurz und Schmerzlos" auf, Moritz Bleibtreu war schon in "Im Juli" und in "Solino" zu sehen und Birol Ünel brillierte bereits in "Gegen die Wand".

Besonders Co-Autor Adam Bousdoukos hat als liebenswürdig-naiver Zinos die Lacher auf seiner Seite. Wenn er in einer überfüllten Diskothek Gymnastikübungen macht, während die Meute um ihn herum wild tanzt oder wenn er voller Angst im Wartezimmer des "Knochenbrechers" sitzt, amüsieren sich die BeobachterInnen über sein Leid, fühlen aber gleichzeitig mit ihm.

Der Regisseur Akin verzichtet auf grelle Farben und helles Licht und fängt in seinem sechsten Spielfilm das authentische Lebensgefühl der Filmfiguren in seiner Reinheit ein. Dabei versprüht speziell Anna Bederke als Kellnerin Lucia die ungebremste Lebendigkeit und Kraft ihrer Generation und legt ein beeindruckendes Leinwanddebüt vor. Auch ohne Schauspielausbildung verkörpert sie die trinkfeste Tresenschönheit so überzeugend, dass frau denkt, die Hamburgerin hätte ihr Leben lang nichts anderes gemacht, als vor der Kamera zu stehen.

Darüber hinaus erhält der Film durch die konsequent auf den Schultern getragene Kamera ein besonders lebendiges Tempo in seiner Bildsprache. Zusätzlich versteht sich der treffend ausgewählt Soundtrack als Kommentar der Szenen, der ein zusätzliches Licht auf die einzelnen Sequenzen wirft.

AVIVA-Tipp: Mit seinem komödiantischen Heimatfilm "Soul Kitchen" beweist Fatih Akin ein weiteres Mal sein filmemacherisches Talent und inszeniert seine Bilder und Figuren greifbar, mit Liebe für den Moment und zum Detail. Wenn Ilias sich in Lucia verliebt, verlieben wir uns mit ihm und wenn Zinos sehnsüchtig ist und leidet, dann sind wir es auch. Ein Film, der von Heimat als Ort im Geiste erzählt und eine Hommage an das Leben malt!


Soul Kitchen
Deutschland 2009
Buch und Regie: Fatih Akin, Adam Bousdoukos
DarstellerInnen: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Pheline Roggan, Anna Bederke, Dorka Gryllus, Lukas Gregorowicz, Wotan Wilke Möhring u.a.
Verleih: Pandora Film GmbH
Lauflänge: 99 Minuten
Kinostart: 25. Dezember 2009

Weitere Infos zum Film finden Sie unter: www.soul-kitchen-film.com

Weitere Filme von Fatih Akin auf AVIVA-Berlin:

Im Juli aus dem Jahr 2000.

Solino aus dem Jahr 2002.

Gegen die Wand aus dem Jahr 2004.

Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul aus dem Jahr 2005.

Auf der anderen Seite aus dem Jahr 2007.

Kultur Beitrag vom 18.12.2009 Lisa Erdmann 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken