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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 11.02.2010

Wir waren Nachbarn. Biografien jüdischer Nachbarn. 2011 erneut ergänzt
Claire Horst

Die Ausstellung im Schöneberger Rathaus wird seit 2005 jährlich am 24. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, für drei Monate neu eröffnet. Seit 2010 ist sie endlich dauerhaft zu sehen. Im Gegensatz ...



...zu zahlreichen anderen Ausstellungen und Mahnmalen, die den Holocaust thematisieren, unternimmt "Wir waren Nachbarn" nicht den Versuch, durch möglichst monumentale Gebäude zu beeindrucken und das Unsagbare so darzustellen.

Stattdessen arbeitet die Ausstellungsinstallation mit der Methode der "oral history" - sie basiert auf den Erinnerungen von ZeitzeugInnen. Zeitgeschichte wird "konsequent aus der Perspektive derer beschrieben, die ihren Lebensmittelpunkt in den 1930er Jahren in den damaligen Bezirken Schöneberg und Tempelhof hatten". Vor allem die Gegend um den Bayerischen Platz findet große Beachtung, da hier zahlreiche Juden und Jüdinnen lebten.

BesucherInnen der Ausstellung


Insbesondere SchülerInnen nehmen heute die Vernichtung der JüdInnen häufig als etwas Entferntes wahr, das Außenstehende traf. In dieser Ausstellung erfahren sie, dass es "ganz normale" NachbarInnen waren, die vertrieben und ermordet wurden.

Katharina Kaiser, Leiterin des Kunstamtes Tempelhof-Schöneberg und Kuratorin der Ausstellung, erläutert die Wirkung der Ausstellung auf Jugendliche: "Zu Beginn fragen sie nicht selten, was haben die denn für eine Sprache gesprochen – und sind ganz erstaunt, dass diese Nachbarn selbstverständlich deutsch sprachen, ihre Muttersprache." Dass es ganz normale Menschen waren, die mitten im noch immer existierenden Wohngebiet ausgegrenzt und von hier aus deportiert wurden, ist den Jugendlichen oft nicht klar: "Mit Opfern mag man sich nicht identifizieren. Mit den Mädchen und Jungen, den Leuten von nebenan, die ein ganz normales Leben als Deutsche unter Deutschen geführt haben, dagegen schon."

Es sind sehr unterschiedliche Geschichten, die in der Ausstellung erzählt werden. BesucherInnen erfahren von einem Kind, das von der Hauswartsfrau versteckt überlebt, einer Musikerin, die Abschied von ihren FreundInnen feiert, bevor sie ihrer Deportation durch Selbstmord zuvorkommt, einem junger Mann, der bis zu seiner Verpflichtung zur Zwangsarbeit noch stolz die Uniform der Wehrmacht trägt, einer Kindergärtnerin, die gemeinsam mit den Kindern deportiert wird. Die Vielfalt des jüdischen Lebens und seiner Vernichtung wird so deutlich.

Die Reaktionen vieler Überlebender und ihrer Angehörigen zeigen, dass die Ausstellung einen Nerv berührt. Katharina Kaiser erklärt: "Anders als bei der Diskussion um manche Denk- und Mahnmale haben wir von jüdischen Ausstellungsbesuchern nie den Satz gehört: Das ist Eure Sache, wir Juden brauchen das nicht. Wir müssen uns erinnern, Ihr als Nicht-Juden könnt Euch erinnern." Stefanie Endlich, Autorin und Honorarprofessorin für Kunst im öffentlichen Raum, schreibt in einer Publikation zur Ausstellung auf www.fragdoch-verein.de, dass das Schöneberger Projekt in der Debatte um die gegenwärtige Erinnerungskultur deutlich Stellung nehme. Häufig gehe es bei der Konzeption von Mahnmalen vor allem darum zu zeigen, wie sehr man Erinnerung geleistet habe, wie sehr man sich mit der Vergangenheit beschäftigt habe. Die Ausstellung in Schöneberg dagegen sieht die Erinnerung als fortlaufenden Prozess, der immer wieder neu gestaltet werden muss.

Deshalb werden die Erinnerungsbücher, die den Hauptteil der Ausstellung ausmachen, beständig ergänzt. Inzwischen sind es 136 Bände, die jeweils eine Biografie darstellen. Passend zum letztjährigen Schwerpunkt "Schüler und Schule" sind 2010 mehrere Alben hinzugekommen, die von in Schöneberg tätigen LehrerInnen und SchülerInnen berichten, etwa der Schulleiterin Luise Zickel und der Schülerin Doris Kaplan.

Doris Kaplan



In dem einer Bibliothek nachempfundenen Ausstellungsraum kann in den Büchern wie in Fotoalben geblättert werden, im Anschluss ist in einem eigenen Raum der Interviewfilm "Geteilte Erinnerung" zu sehen.

Die Ausstellungshalle


Zusätzlich gibt es Hörsäulen, Tafeln mit Hintergrundinformationen und Karteikarten mit Namen und Adressen aller Deportierten. Die Ausstellung ist ein Ort, an dem sich jede/r auf persönliche Weise mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen kann. Nachdem bereits 28.000 BesucherInnen die Ausstellung gesehen haben, wird sie seit Januar 2010 endlich dauerhaft im Lichthof des Rathauses Schöneberg gezeigt.

Auch 2011 wurde die Ausstellung erneut ergänzt: Das Biografische Album von Doris und Gertrud Bloch ist neu hinzugekommen. Gertrud Bloch hat - 2010 aus Amerika kommend - die Ausstellung besucht und wollte unbedingt, dass die Geschichte ihrer Familie in diesem Rahmen gewürdigt wird. Ein anderes neues Album ist einer bekannten Persönlichkeit gewidmet: Hellmut Stern, der langjährige erste Geiger der Berliner Philharmoniker. Den Lebenserinnerungen von Marion House sind Gedanken von SchülerInnen der Rückert-Oberschule gegenüber gestellt worden. Sie haben sich gefragt: "Was hätte ich getan?"


Noch bis zum 3. April ist hier außerdem eine
Retrospektive zu Gertrude Sandmann zu sehen.

Unterstützt wird die Ausstellung von "frag doch! Verein für Erinnerung und Begegnung e.V."

Wir waren Nachbarn
131 Biografien jüdischer Zeitzeugen

Rathaus Schöneberg, Foyer
John-F.-Kennedy-Platz
10820 Berlin
Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag, Samstag und Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr

Veranstalter: Kunstamt Tempelhof-Schöneberg
Ansprechpartnerin: Katharina Kaiser
Email: hausamkleistpark-berlin@t-online.de
Tel.: 90277-6965, Fax: 90277-4613

Informationen zur Ausstellung sowie zu den Begleitveranstaltungen finden Sie unter: www.hausamkleistpark-berlin.de

Weitere Informationen unter: frag doch! Verein für Erinnerung und Begegnung e.V.

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Kultur Beitrag vom 11.02.2010 Claire Horst 

   




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