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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.02.2010

Ajami - ein Film von Yaron Shani und Scandar Copti
Nadja Grintzewitsch

Das Spielfilmdebüt eines palästinensischen Christen und eines israelischen Juden verknüpft meisterhaft die Schicksale von fünf jungen Menschen im multikulturellen Schmelztiegel von Tel Aviv-Jaffa.



Bereits mehrfach auf internationalen Festivals ausgezeichnet, war das Drama in 2010 auch für den Oscar nominiert. 65 Länder hatten in diesem Jahr einen Film in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film eingereicht. Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences haben daraus eine Shortlist ausgewählt. Fünf Werke gingen ins Rennen um den wichtigsten Filmpreis der Welt. Leider wurde Ajami nicht ausgezeichnet.

In dem armen, hauptsächlich arabisch geprägten Viertel Ajami in Tel Aviv leben MuslimInnen, arabische ChristInnen, Jüdinnen und Juden eng beieinander. Bereits in einer der ersten Szenen wird deutlich, wie angespannt die Situation ist, Gewaltausbrüche gehören zur Tagesordnung. Friedlich schraubt der etwa 15-jährige Yahya an einem gelben Auto herum, als sich zwei Männer auf einem Moped nähern und ihn am helllichten Tag niederschießen. Er ist der erste Tote in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Clans in Ajami. Es stellt sich heraus, dass Yahya nicht einmal in diesen Streit verwickelt war, sondern einer Verwechslung zum Opfer fiel. Der Mordanschlag galt dem 19-jährigen Familienoberhaupt Omar (Shahir Kabaha), dessen Onkel den Fehdehandschuh warf, indem er einen Schutzgelderpresser erschoss.

Wieviel ist ein Menschenleben wert?

Verzweifelt lässt Omar ein Treffen mit dem mächtigen arabischen Gegnerclan organisieren. Unterstützt wird er hierbei von Abu Elias (Youssef Sahwani), einem einflussreichen palästinensischen Christen, mit dessen Tochter Omar eine heimliche Liebesbeziehung hat. Tatsächlich kommt eine Aussprache zustande, die in eine zivile Gerichtsverhandlung mündet. Aus dieser Szene wird ersichtlich, dass es den Machern von "Ajami" vor allem darauf ankam, die Realität zu dokumentieren. Das Gefeilsche um materielle Entschädigung wird genauestens dokumentiert: Der islamische Richter legt schließlich ein Schuldgeld von 35.000 Dinar fest, welches Omars Familie als Preis für die Zeugungsunfähigkeit des angeschossenen Schutzgelderpressers zahlen muss. Eine horrende Summe, die nicht aufzubringen ist und Omar in die Beschaffungskriminalität abrutschen lässt.

Auch den 16-jährigen Malek (Ibrahim Frege) beschäftigen immense Geldsorgen. Um die 75.000 Doller teure Knochenmarktransplantation seiner leukämiekranken Mutter zu finanzieren, arbeitet er als palästinensischer Flüchtling illegal in Abu Elias´ Restaurant. Herzergreifend die Szene, in der ihm die Bettlägerige per Videobotschaft zum Geburtstag gratuliert. Die Zeit drängt, denn seine Familie kann die Krankenhauskosten nicht länger bezahlen. Guten Kontakt hat er zu seinem Arbeitskollegen Binj (gespielt von Regisseur Scandar Copti), der ungeachtet des Widerstandes seiner arabischen Freunde mit seiner israelischen Geliebten nach Tel Aviv ziehen möchte. Binj pflegt enge Kontakte zur Drogenszene und besitzt die Fähigkeit, aus einem gewöhnlichen Apfel eine Bong zu basteln. Sein Bruder hat aus einer Lappalie heraus einen israelischen Juden erstochen und befindet sich auf der Flucht, nicht ohne ihm vorher 200 Gramm der Droge Crystal im Wert von 150.000 Schekel zu hinterlassen.

Nach einer durchzechten Nacht stirbt Binj, zunächst unter unbekannten Umständen. Omar und Malek geraten mehr oder weniger per Zufall in den Besitz der Drogen und deren Verkauf scheint für sie das viel versprechende Ende aller Geldprobleme zu sein. Doch bei dem arrangierten Treffen mit zwielichtigen Gestalten in einem Parkhaus fallen unerwartet Schüsse. Welche Rolle spielt dabei der von Rachegedanken geplagte israelische Polizeioffizier Dando (Eran Naim), der erst vor kurzem seinen ermordeten Bruder begraben musste?

Die Ereignisse überschlagen sich, die Handlung wird aufgrund von unterschiedlichen Zeitebenen, Rückblenden und Perspektivwechseln immer unübersichtlicher. Die Zersplitterung der Szenen wirkt hierbei gewollt, als sei es die einzige Möglichkeit, der vertrackten Situation gerecht zu werden. Dazu trägt auch maßgeblich das konsequent hebräisch-arabische Sprachwirrwarr bei. Nach und nach erlangen die ZuschauerInnen den Überblick wieder, vermeintlich bedeutungslose Szenen erhalten einen neuen Sinn. Die Auflösung dieses gordischen Knotens kommt symbolisch gesehen durch einen ebenso überraschenden wie tragischen Schwerthieb zustande.

AVIVA-Tipp: "Ajami" ist eine Komposition aus Krimi und shakespeareschem Drama, vermengt mit einem Schuss Romantik und Familiengeschichte. Er hält von Anfang bis Ende ein hohes Spannungsniveau und ist einer der heißesten Anwärter auf den Oscar. Besondere Authentizität erlangt der Film durch die Auswahl von ortsansässigen LaienschauspielerInnen, die in nur zehn Wochen auf ihre Rolle vorbereitet wurden. "Ajami" spiegelt einen Teil der israelischen Gesellschaft wider, der in der Öffentlichkeit sonst wenig Beachtung findet: Tür an Tür wohnende arabische Christen und Muslime.

Ajami
Israel/Deutschland 2009
Regie: Scandar Copti, Yaron Shani
DarstellerInnen: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Ranin Karim, Eran Naim, Youssef Sahwani, Tami Yerushalmi u.a.
Verleih: Neue Visionen
DF und OmU (Arabisch und Hebräisch mit deutschen Untertiteln)
Lauflänge: 120 Minuten
Kinostart: 11. März 2010

Der Film im Netz: www.neuevisionen.de und www.ajami-film.de

"Ajami" ist eine israelisch-deutsche Koproduktion. Deutscher Produzent ist Thanassis Karathanos von der Twenty Twenty Vision. Gefördert wurde der Film vom medienboard Berlin-Brandenburg, dem World Cinema Fund und ZDF/arte.

Kultur Beitrag vom 23.02.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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