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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.03.2010

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen
Adriana Stern

Der Dokumentarfilm von Hajo Schomerus entführt uns in eine ungewohnte, seltsame, ja geradezu bizarre Welt inmitten der Jerusalemer Altstadt zu Beginn eines neuen Jahrtausends. Die Bilder und ...



... Eindrücke von der Grabeskirche in Jerusalem sind berührend, bewegend, erstaunlich.
Die Grabeskirche in Jerusalem, die im Jahr 325 über dem vermeintlichen Grab Jesu Christus erreichtet worden ist, liegt heute mitten in einem religiösen und politischen Pulverfass. Hier hat sich die Christenheit ihr größtes Heiligtum errichtet, welches schon seit Jahrhunderten von sechs unterschiedlichen christlichen Konfessionen ebenso heiß begehrt wie umkämpft und entsprechend im Laufe seiner Geschichte vielfältig umgestaltet worden ist.

Hajo Schomerus lässt in seinem Film alle sechs Vertreter dieser Religionsgemeinschaften zu Wort kommen, ohne selbst Partei für eine dieser tief zerstrittenen Gruppen zu ergreifen. Es gelingt ihm Kraft der Bilder über dieses ungewöhnliche Bauwerk und seine BewohnerInnen, einen vielseitigen, kaleidoskopartigen Eindruck in der Zuschauerin zu hinterlassen, der noch lange nach dem Ende des Films nachhallt.

Die Männer leben unterschiedlich lange in der Grabeskirche, manche werden bleiben, für andere ist der Aufenthalt in dieser außergewöhnlichen Kirche nur eine Station auf ihrem Lebensweg. Doch für sie alle ist ihre Zeit in der Grabeskirche ein wesentlicher Teil dieses Lebens und ihrer zutiefst religiösen Überzeugungen.

Hajo Schomerus lässt nicht nur die Vertreter der sechs Religionen sprechen, er bezieht auch das direkte jüdische und muslimische Umfeld in seine Betrachtungen ein. So begleitet er eine Gruppe von Interessierten der israelischen Armee bei ihrem Rundgang durch die Grabeskirche, der in diesem Film am deutlichsten macht, wie absurd, bizarr und weltentrückt das Treiben in dieser Kirche auf Außenstehende wirkt.

Das Leben in der Grabeskirche, einerseits geprägt durch die täglichen Besuche der TouristInnen und PilgerInnen, andererseits angefüllt mit den täglichen Gebeten und unterschiedlichsten religiösen Verrichtungen der sechs christlichen Glaubensrichtungen, mutet chaotisch, verwirrend, verstörend und faszinierend an. Der Franziskaner Bruder Jayaseelan aus Indien bringt es im Interview auf den Punkt, wenn er von einem riesigen Stundenplan spricht, den niemand auswendig lernen kann und der bedingt, dass es in der Grabeskirche niemals eine Routine geben wird. So verändern die griechischen oder armenischen Traditionen auch den Zeitplan der Franziskaner oder der syrischen Christen, was zu ständigen Konflikten und Reibereien führt. Sind beispielsweise die Kopten noch ins Gebet vertieft, ertönt plötzlich die Orgel der Franziskaner, die alles andere übertönt und jedes weitere Gebet der Kopten sofort verstummen lässt. Ein ungläubiger, wütender Blick des koptischen Priesters auf die Uhr verrät, dass sich mal wieder jemand zu Unrecht das Recht des Stärkeren herausgenommen hat. Die Kämpfe um Gebetszeiten und die Orte, an denen die Gebete verrichtet werden dürfen, führen unter Umständen bis hin zu handfesten Auseinandersetzungen.

Dabei liegt die Schlüsselgewalt für das Bauwerk nicht in den Händen der christlichen Glaubensgruppen, sondern schon seit dem 7. Jahrhundert, begonnen mit dem Kalifen Omar, wohlweislich fest in der Hand zweier muslimischer Familien. Die eine Familie, bestehend aus religiösen Vertretern des Islam, bewahrt den Schlüssel auf, die zweite Familie öffnet die Grabeskirche am Morgen und schließt sie am Abend. Sie ist frei von religiösen Pflichten, die dem regelmäßigen Öffnen und Schließen entgegenstehen würden. Die Entscheidung des damaligen griechisch-orthodoxen Oberhauptes war weise, denn sie sorgt dafür, dass die Grabeskirche unabhängig von den seltsam bis kindisch anmutenden Streitereien der sechs Religionsgruppen immer rechtzeitig geöffnet und geschlossen wird.

AVIVA-Tipp: Es ist Hajo Schomerus gelungen, den so typischen, von der sogenannten Zivilisation angewandten eurozentristischen Blick, mit dem seit Jahrzehnten ausschließlich auf die religiösen Riten beispielsweise in Afrika herabgeblickt wird, in diesem Film auf das Geschehen in der Grabeskirche zu richten. Und damit erscheinen uns diese Riten der afrikanischen oder anderer Völker plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt zu sein von dem, was in der vermeintlichen Zivilisation geschieht. Im Gegenteil. Schon allein diese heilsame Blickverschiebung ist zutiefst beeindruckend und macht den Film neben seinem berührenden Bildkaleidoskop sehenswert.

Zum Regisseur: Hajo Schomerus geboren 1970 in Hannover. Einjähriger Studienaufenthalt in Japan. Seit 1993 Studium an der Fachhochschule Dortmund für Film- und Fernsehkamera. 1995 Praxissemester am Anthology Film Archive, New York bei Jonas Mekas. 1998 zwei Auslandssemester am Film and Television Institute of India in Pune, Indien. "Ich und das Universum" ist sein Abschlussfilm an der FH Dortmund und wurde mehrfach preisgekrönt.(Quelle: Mücke Filmpresse & Werbung)

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen
Deutschland / Schweiz 2010
Regie, Idee, Konzept, Kamera und Bild: Hajo Schomerus
Produktion: busse & halberschmidt Filmproduktion oHG
Montage: Daniela Grosch
Tonmeister: Andreas Mücke-Niesytka und Stavros Charitidis
Redaktion: Lukas Schmidt, ZDF Das kleine Fernsehspiel und Urs Augstburger, SF Schweizer Fernsehen
HauptdarstellerInnen: Vater: Afrayem Elorashalimy – äthiopischer Mönch, Bruder Jayaseelan-Franziskaner aus Südindien, Vater Samuel Aghoyan- armenischer Priester, Vater Gebreselassie-ägyptischer Mönch, Theophilos III- griechisch-orthodoxer Patriach von Jerusalem, Pater Robert Jauch-Franziskaner aus dem Rheinland, Wajeeh Y. Nusseibeh-muslimischer Türwächter, Abdilkadr Joudeh-muslimischer Schlüsselhalter
Länge: 89 Minuten
Verleih: X- Verleih AG
Kinostart: 25. März 2010
Weitere Informationen im Netz:
www.imhausmeinesvaters.x-verleih.de

Kultur Beitrag vom 23.03.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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