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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.05.2010

Mazel Tov - Ab 6. Mai 2010 im Kino
Nadja Grintzewitsch

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs strömten viele russisch-jüdische ImmigrantInnen in die Bundesrepublik, die von ihren deutschen GlaubensgenossInnen zunächst mit Misstrauen und Ablehnung in...



...Empfang genommen wurden. Der wunderbare Dokumentarfilm von Mischka Popp und Thomas Bergmann klärt über die Hintergründe dieser Zuwanderung auf und erzählt die spannenden Geschichten der russischen EinwanderInnen.

Am 9. Mai, dem Jahrestag des Sieges über den Faschismus, füllt sich die Frankfurter Synagoge jährlich mit hochdekorierten alten Herren. Auszeichnungen und Orden blitzen auf ihren Uniformen. Ein Großteil der Gäste kommt aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie sprechen Deutsch mit starkem Akzent, diese russischen ImmigrantInnen, in den meisten Fällen jedoch nicht einmal das. Auf der anschließenden Feier werden die Veteranen mit je einer Rose geehrt, dazu spielt das Ensemble "Mazel Tov".

Juden in der Roten Armee

Was viele nicht wissen: Etwa 500.000 jüdische Soldaten kämpften unter Stalin gegen die nationalsozialistischen Truppen – doch wofür? Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgte der Diktator weiterhin eine antisemitische Politik, ließ jüdische HeldInnen der Sowjetunion aus Schulbüchern streichen und verhinderte deren Auszeichnung mit Orden und militärischen Abzeichen. Nicht umsonst widmeten Mischka Popp und Thomas Bergmann ihren Dokumentarfilm daher "den jüdischen Kämpfern in der Roten Armee".

Deren Geschichten sind geprägt von Nichtakzeptanz und Diskriminierung, sowohl in der alten wie auch in der neuen Heimat. In der Sowjetunion waren sie zu jüdisch, im Vergleich dazu gelten sie hierzulande fast schon als atheistisch. "Die Alteingesessenen haben sich gedacht: Was wollt ihr denn in Deutschland?" , erläutert Dalia Moneta, Leiterin der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde zu Frankfurt.

Als 1990 die ersten 700 Jüdinnen und Juden aus der UdSSR nach Frankfurt kamen, sah sich Moneta zunächst mit organisatorischen Aufgaben konfrontiert. Die ImmigrantInnen brauchten eine Bleibe, folgten ihr dafür sogar bis auf die Toilette. "Nachts habe ich davon geträumt: ´Frau Moneta, eine Frage…´", lacht die quirlige Sozialarbeiterin und imitiert den russischen Akzent. Für die meisten sowjetischen Jüdinnen und Juden hätten Gebete, hohe Feiertage und Feste bislang nicht zu ihrem religiösen Selbstverständnis gehört. Die Reaktion auf die "Neuen" daher einstimmig: "Das sind keine Juden!"

Doppelter Konflikt

Eine unreflektierte Ablehnung, die den Kern der Sache zunächst außer Acht ließ. Die Sowjetunion untersagte nicht nur die freie Religionsausübung, sondern vermerkte "Jüdischsein" auch noch im Pass – und zwar als Nationalität. Eine doppelte Ausgrenzung, die die betreffenden Personen für ihr Leben traumatisierte. Denn obgleich von vornherein als Jüdinnen und Juden stigmatisiert, durften sie in der Sowjetunion trotzdem nie ihre Kultur und Religion ausleben.

"Nach ihrem Verständnis müssen sie niemanden beweisen, dass sie jüdisch sind – sie sind ja so geboren", präzisiert Julia Bernstein, Kulturanthropologin und Künstlerin, das Verhalten jüdisch-russischer ImmigrantInnen. Wenn sie gefragt würden, was sie als Jüdinnen und Juden auszeichnet, käme meistens: "Ja, aber schau mich doch an, ich habe doch ein jüdisches Gesicht!"
Antisemitismus am eigenen Leib. Die jüdische Identität, die hebräische Sprache, Gebete und Rituale, all dies müsse nun in langen Prozessen mühsam erarbeitet werden.

Ein junger Einwanderer bringt es auf den Punkt: "Ich habe erst in Deutschland gelernt, was das heißt, richtig Jude zu sein." Ihre Freiheit haben sie zurück erobert, aber richtig angekommen sind sie noch nicht. Alles mussten die ImmigrantInnen zurück lassen: Schule, Abschlüsse, FreundInnen, Wohnungen, erste Liebe – und das Land, welches sie Heimat nannten. Nun balancieren sie zwischen jüdisch-russisch-deutschen Identitäten, kämpfen mit Sprach- und Alltagsproblemen, arbeiten meist überqualifiziert in ihren Berufen und wollen doch nur eins: Dazugehören.

Filme wie "Mazel Tov" sind daher unerlässlich, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Das Werk von Mischka Popp und Thomas Bergmann erhielt auf dem Jewish Film Festival 2010 den mit 2.000 Euro dotierten Preis für den besten Dokumentarfilm.

AVIVA-Tipp: Das Besondere an "Mazel Tov” ist, dass er ohne die lästige Stimme aus dem Off auskommt. Die Rolle der Erzählerin übernimmt die wunderbare Dalia Moneta, die mit direkten, politisch völlig inkorrekten, aber stets warmherzigen Aussagen immer genau den Kern der Sache trifft. Hauptsächlich kommen jedoch diejenigen zu Wort, um die es sich dreht: Russisch-jüdische ImmigrantInnen, Alte und Junge, Männer und Frauen, die in ihren Wohnzimmern oder auf ihren Arbeitsplätzen bewegende Geschichten erzählen, zwischendurch jiddische Volkslieder singen, weinen, lachen und tanzen.

Mazel Tov
D 2009
Sprachen: Deutsch und Russisch, mit deutschen Untertiteln
Buch und Regie: Mischka Popp, Thomas Bergmann
Mitwirkende: Dalia Moneta, Julia Bernstein, Wolf Oulski, Boris Gelfand, Manja Gelfand, Michail Rosenberg, Evgenija Silberman u.a.
Verleih: pilotfilm
Lauflänge: 92 Minuten
Kinostart: 06.05.2010
www.pilotfilm-gmbh.de


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Kultur Beitrag vom 13.05.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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