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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 17.06.2010

Amelia - Das Leben der Amelia Earhart
Eva Jackolis

Der neue Film der Regisseurin Mira Nair ("Monsoon Wedding", "New York, I love you") porträtiert die legendäre Flugpilotin Amelia Earhart im Großformat. Die Frauenrechtlerin Amelia Earhart war...



... die erste Frau, die den Atlantik überquerte.

Der Film eröffnet mit Jubelgeschrei. Eine begeisterte Menschenmenge feiert ihre Starpilotin Amelia Earhart (Hilary Swank) , die am 1. Juni 1937 zu ihrem Alleinflug um die Welt aufbricht. Earhart sitzt auf den Tragflügeln ihrer zweimotorigen Lockheed L-10 Electra. Sie flirtet gekonnt mit der Kamera und betont, dass sie nicht aufhören wird mit dem Fliegen solange noch "ein Funken Leben" in ihr steckt. Ihr Ehemann, der Verleger George Putnam (Richard Gere) reicht ihr die Hand.

Nachdem Charles Lindbergh den Atlantik im Jahr 1927 allein überquert hatte und seine Autobiographie veröffentlicht war, suchte George Putnam eine Frau, die dazu ebenso in der Lage war. Er traf auf die damals noch unbekannte Amelia Earhart.

In einem eleganten Kostüm betritt Earhart das Büro von Putnam und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sie als Pilotin und nicht nur als ein hübsches Gepäckstück den Atlantik überfliegen will. Hilary Swank verkörpert Earhart als eine ungezwungene, aber durch und durch leidenschaftliche Frau . Das Lächeln verschwindet nur selten aus ihrem von Sommersprossen gesprenkelten Gesicht. Putnam hingegen gibt sich jovial. In großväterlicher Manier weist er sie in die Regeln des Geschäfts ein, bis sie schließlich seinem Vorschlag zustimmt, den Atlantik zunächst an der Seite eines bekannten Piloten zu überqueren. Der Flug wird ein Medienspektakel.

Die stürmische Frau und der väterlich wohlwollende Mann, nein, das ist nicht schön anzusehen, weder angezogen noch halbnackt. Earhart und Putnam heiraten 1931 mit einem Ehevertrag, der besagt, dass das Ehepaar getrennte Wege geht, falls Earhart nach einem Jahr unglücklich ist. Dennoch möchten sich keine romantischen Gefühle für das Liebespaar auf der Leinwand einstellen.

Um Earharts unermüdliche Leidenschaft für das Fliegen finanzieren zu können, organisiert Putnam reichlich Werbeaufträge für sie. Earharts Gesicht wird von nun an mit Koffern und Modeartikeln assoziiert werden. Sie wird zur Werbeikone, fliegt einen Rekord nach dem anderen und avanciert schließlich zur nationalen Heldin. Eine Frau, die den amerikanischen Traum von Freiheit lebt und liebt.

Earhart bewegt sich auch in den höheren Kreisen in der Gesellschaft, wo sie auf ihren späteren Geliebten, den Piloten Gene Vidal (Ewan McGregor) trifft. Die beiden haben eine kurze, aber heftige Liebesbeziehung, die Earhart schließlich beendet. Die Darstellung der Affäre lehnt sich an die Biographie "East To The Dawn" der amerikanischen Schriftstellerin Susan Butler, die sich in diesem Buch auf die wenig bekannten Details aus Earharts Leben konzentriert.

Earhart gründete im Jahr 1929 die erste Pilotinnen-Vereinigung "Ninety-Nines", die auch heute noch besteht, und setzte sich vehement für die soziale Gleichberechtigung von Frauen ein.
Der Film lässt ihre starke feministische Haltung allerdings nur erahnen. Zwar spricht Earhart den Mädchen und Frauen beständig Mut zu, ihren Träumen auch in einer männlich dominierten Welt zu folgen, doch wurden ihre öffentlich geäußerten Kommentare über den "Käfig des Geschlechts" in das Drehbuch nicht aufgenommen.

AVIVA-Fazit: Das Biopic über Amelia Earhart ist eine Geschichte über eine unkonventionelle Frau in einer unkonventionellen Liebesbeziehung, die eine unkonventionelle Leidenschaft hatte. Leider ist die filmische Umsetzung konventionell. Die Kamera fliegt über die Victoriafälle, gleitet über die Wüste des Okavango Deltas und zeigt Kalkutta im Monsoonregen – dennoch berühren die Bilder kaum, was daran liegen kann, dass gleichzeitig die (meist) romantisierenden Gedanken Earharts eingespielt werden. Earharts Drang nach weiblicher Selbstbestimmung offenbart sich zudem in plötzlichen Ausbrüchen der Lust oder der Wut, was der Brisanz einer solchen Haltung nicht gerecht wird. Dennoch: Hilary Swank bewegt sich so ungestüm, lebhaft und charismatisch durch den Film, dass die zwei Stunden dann doch nicht so lang werden.

Amelia
USA, 2009
Regie: Mira Nair
Drehbuch: Ronald Bass, Anna Hamilton Phelan
DarstellerInnen: Hilary Swank, Richard Gere, Ewan Mc Gregor, Christopher Eccleston, Joe Anderson, Cherry Jones, Mia Wasikowska
Länge: 111 Minuten
Twentieth Century Fox of Germany
Kinostart: 17. Juni 2010


Kultur Beitrag vom 17.06.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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