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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.06.2010

Altiplano - Ein Film von Bronsens und Woodworth mit Jasmin Tabatabai und Magaly Solier
Undine Zimmer

Ein Film über Traumata und Verlust, der seine ZuschauerInnen den Glauben an ein grundlegendes Verständnis zwischen Menschen bewahren lässt. Mit "Altiplano" haben die Regisseure ein Epos...



... in den peruanischen Anden geschaffen, das in der cineastischen Tradition Tarkovskys seine Geschichte aus poetischen Bildern meißelt.

Kino für die Seele

Bronsens & Woodworth sind keine gewöhnlichen Filmemacher. Ihre Herangehensweise an das, was für viele cineastisches Vergnügen mit Unterhaltungsfaktor ist, ist für Bronsens & Woodworth viel mehr. Der studierte Anthropologe und Geograf Peter Brosens und die Literaturwissenschaftlerin und Dokumentarfilmerin Jessica Woodworth haben ihren Film "Altiplano" einem ästhetischen Konzept verschrieben, das die Realität und das Kino als metaphysisch begreift. Der Film ist geprägt von der Lebenswelt der PeruanerInnen, in der magischer Realismus eine notwendige Ergänzung zur Rationalität ist. Bronsens & Woodworths metaphysisches Kino entspricht also ganz und gar nicht den Konventionen des europäischen Kinos und fordert seine ZuschauerInnen dazu heraus sich Gedanken zu machen.

Bewegte Bilder

Die Zeit fließt nahezu unendlich langsam in diesem Film. Anders ausgedrückt: Die Regisseure erzählen ihre Geschichte durch ausdruckstarke bewegte Bilder, nicht primär durch die rasche Folge von Bewegungsabläufen oder Dialogen. Heimlicher Hauptdarsteller ist jenes Hochplateau "Altiplano" in Peru. Die poetische Bildsprache inszeniert die Landschaft manchmal wie Gemälde, die bedeutungsschwanger bis ins kleinste farbliche Detail austariert sind. Die Anden sollen den ZuschauerInnen vor allem als Lebensraum der peruanischen Bewohner nahegebracht werden.

Altiplano © farbfilm-verleih


Die Ande(re)n in Peru

Es gibt drei Spielorte in "Altiplano": Irak, Belgien und Peru. Eine kurze Sequenz am Anfang zeigt Grace (Jasmin Tabatabai) als Kriegsfotografin im Irak. "Zuhause" in Belgien versucht Graces Familie sie in ihrem Trauma zu erreichen. Die Szenerie wird umrahmt von symbolisch geladenen, in die Höhe ragenden Ruinen. Der größte Teil des Films spielt jedoch in den peruanischen Anden, wo auch Graces Mann als Augenarzt in einem kleinen Dorf tätig ist. Dort sind zu Beginn der Geschichte drei signifikante Ereignisse passiert: die heilige Figur der Maria ist zu Beginn einer Prozession von ihrem Sockel gekippt und in tausend Teile zersprungen, Ignacio ist zum Gletscher aufgebrochen um seiner Verlobten Saturina das heilige Wasser zu holen und im Dorf ist plötzlich überall flüssiges Quecksilber zu finden.

Diese drei Ereignisse signalisieren auch die drei Ebenen auf denen "Altiplano" seine Handlung aufsetzt: Das spirituelle Leben der DorfbewohnerInnen, das geprägt ist von Symbolen, wie Sonne und Mond, der Maria, Ritualen, Spielen und Masken, vom Wasser des Gletschers, der Landschaft und bestimmten Zeitpunkten. Das Alltagsleben der DorfbewohnerInnen, das abhängig ist vom Funktionieren des spirituellen Lebens und sich um Nahrung, Hochzeit, Familie, Tod und Krankheit dreht. Auf der dritten Ebene schließlich wird das Einwirken des Fremden in das Dorfleben sichtbar, das den Rhythmus und die Riten durcheinanderbringt. Zum einen ist da das Quecksilber, das sich als Abfall einer von westlichen Firmen abgetragenen Goldader herausstellt und Opfer fordert. Zum anderen repräsentieren die Ärzte einer kleinen in den Anden gelegenen Augenklinik die Schnittstelle zweier sich fremder Welten, die sich vor allem mit Unverständnis begegnen.

Jasmin Tabatabai als Grace © farbfilm-verleih


Über die Regisseure

Das Duo Bronsens und Woodworth hat sich schon in früheren gemeinsamen und einzelnen Filmprojekten mit der abgelegenen lateinamerikanischen Lebenswelt der Anden oder den stark religiös geprägten Gesellschaften der Mongolei und Marokko beschäftigt. Ihre film-ästhetischen Vorbilder stammen aus dem sozialistischen Russland und Griechenland der 1950er bis 1980er Jahre. Sie verweisen auf die Ästhetiken von Tarkovsky, Paradjanov, Antonioni and Angelopoulos und bürden sich damit ein nicht geringes Erbe auf. Das zeigt die Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, mit der Bronsens & Woodworth an ihre filmischen Projekte herangehen, es bedeutet für die ZuschauerIn aber auch, dass sie sich auf sehr lange und langsame Takes einstellen muss.

Aviva-Fazit: Für einen poetischen Film ist "Altiplano" zu moralisch, für einen moralischen Film ist er zu poetisch, für einen Dokumentarfilm ist er zu romantisch, für einen politischen Film ist er zu ungenau, für einen unterhaltsamen Film ist er zu langsam für einen lehrreichen Film ist er zu sehr Kunstwerk. In "Altiplano" haben sich die Regisseure so sehr bemüht, ihrem eigenen künstlerischen Konzept gerecht zu werden, dass sich der Film letztendlich als hochästhetisiertes Produkt in seinen eigenen Ansprüchen verheddert. Denn das Kino, das gleichzeitig authentisch und poetisch sein möchte, überzeichnet, schwelgt in seinen Bildern und beschwört damit doch wieder die Exotik des Magischen und Primitiven. Als Resultat werden die DorfbewohnerInnen und ihre Umgebung mit opernhaftem Pathos romantisiert und stilisiert. Dennoch ist "Altiplano" ein ungewöhnlicher und besonderer Film. Wer AnhängerIn der Filme Tarkovskis ist, wird diesem Film etwas abgewinnnen können. Wer Landschaftsbilder liebt, bekommt hier 109 Minuten exklusives Material und wer früheren Filmen von Bronsens und Woodworth gerne an andere Orte gefolgt ist, wird auch von diesem Film nicht enttäuscht sein. Letztendlich bleibt es auch eine Geschmacksfrage ob man in diesem Film gerne bis zum Ende sitzen bleibt - auf jeden Fall sollte man zu einiger Kopfarbeit bereit sein.

Altiplano
Deutschland, Belgien, Niederlande 2009
Sprachen: Spanisch, Quechua, English, Französisch, Farsi
Regie: Brosens & Woodworth
Buch: Brosens & Woodworth
Produktion: Brosens & Woodworth
DarstellerInnen: Jasmin Tabatabai, Magaly Solier, Oliver Gourmet, Behi Djanati, Ataï, Edgar Quispe, Norma Martinez, Rodolfo Rodríguez, Hermelinda Luján, Arturo Zárate, Andreas Pietschmann
Verleih: farbfilm verleih GmbH
Lauflänge: 109 Minuten
Format: 35mm
Kinostart: 24. Juni 2010
www.altiplano.info


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Khadak Ein Film von Jessica Woodworth und Peter Brosens

Jasmin Tabatabai im Interview

Interview mit der Filmemacherin Nina Menkes


Kultur Beitrag vom 22.06.2010 Undine Zimmer 

   




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