Mahler auf der Couch - Ein Film von Percy und Felix Adlon - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Regina Schmeken. Blutiger Boden Lucian Freud Poryes 2017
Aviva-Berlin > Kultur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.06.2010

Mahler auf der Couch - Ein Film von Percy und Felix Adlon
Undine Zimmer

Zum 150. Geburtstag Gustav Mahlers bekommt er einen Film über seine Ehe mit der 19 Jahre jüngeren Alma Schindler geschenkt. Der eigenbrötlerische geniale Komponist und die junge flatterhafte...



... Künstlermuse - ob das gut gehen kann?

Was haben der klassische Komponist Gustav Mahler und der Begründer der neuen Architektur des Bauhaus Walter Gropius gemeinsam? Diese beiden kann nur eine Frau in Verbindung bringen: Alma Mahler, ehemalige Künstlermuse, Komponistin und nun junge Mutter und Ehegattin des großen Komponisten. Und warum sollte Gustav Mahler in seinem Glück Sigmund Freud aufsuchen, ihn zweimal versetzen, ihm fast aus der Tür rennen und schließlich doch anbetteln, auf der Couch liegen zu dürfen? Richtig! Weil seine Frau eine Affäre hat.

Diese Geschichte entfaltet sich in den komischen Anfangsszenen zwischen dem nervösen Mahler und dem von Mahlers Marotten genervten Siegmund Freud. Schließlich liegt hinter der Unzufriedenheit Almas und ihrer schwachen Gesundheit die Ursache ihrer Affäre mit Walter Gropius. Wir gehen also mit Mahler, der sich als der Betrogene begreift, zurück zu dem Tag, an dem er aus der eigenwilligen Komponistin eine seinem Genie dienende Ehefrau machte. Auf einmal stellt sich die Schuldfrage ganz anders und Mahler sieht sich selbst von Zweifeln und Vorwürfen attackiert, zum Beispiel dafür, dass er Alma zehn Jahre lang verboten hat zu komponieren.

In langen Rückblenden verfolgen wir das Eheleben der Mahlers von Anfang an. Wie in einem Dokumentarfilm inszeniert sprechen Mahlers Schwester, die die Verbindung missbilligte und Almas Mutter, die beiden wohlgesonnen war, ihren Kommentar frontal in die Kamera. Immer wieder wird eine starke Bildsprache gewählt, um die emotionale Konstellation zwischen den Figuren einzufangen. So werden die SchauspielerInnen einmal wie auf einer Bühne mit dem Rücken zueinander im Dreieck aufgestellt und verweilen in dieser Pose. Als die Krise der Mahler-Ehe auf ihrem Höhepunkt angekommen ist, sehen wir das Paar streitend durch eine karge Berglandschaft kraxeln. Das mühsame Abarbeiten wird somit bildlich noch einmal hervorgehoben. Diese künstlerischen Effekte durchziehen den Film, sind originell gewählt und eingesetzt. Leider überdeckt die Schwere der theatralischen Passagen die besondere Komik und den trockenen Humor, mit dem der Film zu Anfang begeisterte. Percy und Felix Adlon wollten haben sich die Meßlatte hoch gesetzt in diesem Film. Manchmal verliert er sich im Detail, verweilt doch etwas zu lange auf einzelnen Bildern, so dass man den ZuschauerInnen mit einer kleinen Straffung Gutes getan hätte.

Wer jedoch viele Details über Mahlers Ehe mit Alma und im besonderen darüber, was im Sommer 1910 passiert ist, erfahren möchte, ist in diesem Film richtig und bekommt sie sorgfältig ausgewählt präsentiert. Mit Tagebuchzitaten Almas, den Notizen Mahlers am Rande seiner 10. Symphonie wird das schwierige Verhältnis kommentiert. Sorgfältig wird uns eine Beziehung und vor allem das Dilemma der Alma Mahler vorgeführt, die wir so noch nicht gesehen haben. "Dass es geschah, ist verbürgt. Wie es geschehen ist, haben wir erfunden.", so die Produzenten und meinen damit vor allem den versehentlich geschickten Liebesbrief von Walter Gropius an Alma, der an Gustav adressiert war und die Begegnung zwischen Mahler und Freud.

Der Film konzentriert sich ganz auf die Liebesgeschichte Mahlers. Seine Erfolge in Europa, weitere berühmte ZeitgenossInnen, mit denen er umzugehen pflegte, sowie seine Konvertierung vom Judentum zum Katholizismus werden im Film kaum thematisiert, spielen aber für diesen besonderen Sommer auch keine wesentliche Rolle. Ebenso wird als bekannt vorausgesetzt, dass es unter anderem eine antisemitisch gefärbte Pressekampagne und letztendlich die Aufführung von Wagners "Salome" war, die dazu führte, dass Mahler seine Stellung am Wiener Hof aufgeben musste.

AVIVA-Tipp: "Mahler auf der Couch" will alles auf einmal sein: Komödie, Kammerspiel, Doku-Fiktion und Biographie und Fiktion. Besonders witzig und erfrischend sind die Begegnungen zwischen Mahler und Freud: Als einfältiger egozentrischer Ehemann nimmt Mahler Gropius als den Geliebten seiner Frau jedoch kaum wahr und tritt in jedes erdenkliche Fettnäppchen. Mal tragisch leidend, mal rasend ist Barbara Romaner als seine vernachlässigte Ehefrau "Almschi". "Mahler auf der Couch" ist trotz einiger Längen ein interessanter Film, der den schwierigen Eigenarten Mahlers mit viel Sympathie begegnet und den oft als verrucht beschriebenen Charakter Almas von einer neuen Seite beleuchtet. Gewidmet ist der Film Mahler zu seinem 150. Geburtstag, aber auch seiner 10. Sinfonie, an der er im Sommer 1910, während der Ehekrise, arbeitete. Selbst nannte Mahler seine Frau den Mittelpunkt seines Lebens und hätte einen Film, der sie derart würdigt, sicherlich begrüßt. Genau wissen werden wir es nie: Herzlichen Glückwunsch Herr Mahler!

Lesen Sie auch das AVIVA-Berlin-Interview mit Barbara Romaner als "Almschi".

Mahler auf der Couch
Deutschland, Österreich 2010
Regie und Drehbuch: Percy Adlon, Felix Adlon
DarstellerInnen: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics, Eva Mattes, Friedrich Mücke, Lena Stolze, Nina Berten, u. a.
Musik: 1. Satz der 10. Symphonie, "Ruhevoll" aus der 4. Symphonie, "Adagietto" aus der 5. Symphonie von Gustav Mahler, dirigiert von Esa-Pekka Salonen mit dem Schwedischen Radio Sinfonie-Orchester
Länge: 101 Minuten
Verleih: Kinowelt Filmverleih
FSK: Ab 12 Jahren
Filmstart: 07. Juli 2010


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: :

Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Wahler-Werfel von Oliver Hilmes

Die Frauen der Genies

"Simone de Beauvoir, Else Buschheuer, Marlene Dietrich und viele mehr"

Kultur Beitrag vom 29.06.2010 Undine Zimmer 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken