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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.07.2010

Eine Karte der Klänge von Tokio
Marie Heidingsfelder

Eine Auftragskillerin mit Doppelleben verliebt sich in ihr Opfer – Aber was sich nach "Action, Love and Fun" anhört, ist nur die Basis für eine bild- und tonverliebte Auseinandersetzung...



...mit Tokio und dem Leben in der ebenso glitzernden wie anonymen Metropole.


Zwei Besonderheiten

Ein Messer zerteilt geübt den glänzenden Körper eines Thunfischs in breite, leuchtend rote Scheiben. Auf dem Asphalt unter dem Tisch vermengt sich das Blut mit dem Wasser geschmolzenen Eises, zeichnet für einige Augenblicke leuchtende Formen und wird dann vom Wasserstrahl eines Schlauchs in den nächsten Abfluss geschoben. Hier, auf dem Fischmarkt in Tokio, arbeitet Ryu. Der Alltag der jungen, zerbrechlich wirkenden Frau folgt bis auf zwei Besonderheiten dem grauen, maschinellen Rhythmus des Großstadtlebens zwischen U-Bahn, Nachtschicht, Schlafstörungen und der Aussicht auf die Verkehrsschule aus dem Fenster. Die erste Besonderheit ist ihre Freundschaft zu einem deutlich älteren Toningenieur, der auf der Suche nach besonderen Klängen durch die Stadt zieht und auch der Erzähler der Geschichte ist. Obwohl beide viel Zeit miteinander verbringen, ist ihr Verhältnis unpersönlich. Sie akzeptieren die Schweigsamkeit und Rätselhaftigkeit ihres Gegenübers und beschränken sich auf ein stilles Nebeneinander.



Die zweite Besonderheit ist, dass Ryu ab und zu einen Mordauftrag annimmt.
Zu Beginn des Films wird sie mit dem Auftrag engagiert, den spanischen Weinhändler David umzubringen. David wird vom mächtigen Vater seiner japanischen Exfreundin Midori für deren Selbstmord verantwortlich gemacht - Umstände, die Ryu nicht interessieren. Doch am Abend des geplanten Mordes kommt alles anders und die kurze berufliche Begegnung dehnt sich zu einer gemeinsamen Nacht in dem verkitscht-französischen Hotel "La Bastille". Trotz der heiklen Situation spürt man, dass Ryu aus ihrem geistigen Energiesparmodus gerissen wird, aus der unsichtbaren Blase, die sie vor persönlichen Kontakten trennte und in der "Someone to watch over me" als einzige Hintergrundmusik lief. Diese Rolle, der schweigsamen und rätselhaften Frau zwischen zarten Gefühlen und intensiver Körperlichkeit beherrscht die aus "Babel" bekannte Rinko Kikuchi perfekt. Und so lächelt Ryu, während sich die Situation weiter zuspitzt.



Eine filmsprachliche Gratwanderung

Im Vergleich zu anderen Industrieländern ist die Selbstmordrate in Japan überproportional hoch und indirekt ist dies auch das Thema in Isabel Coixets neuem Film: Fern vom Glitzer- und Karaoke-Image wird das moderne Tokio als anonyme Großstadt inszeniert, in der die Menschen wie Motten betrunken vom Licht um die Leuchtreklamen kreisen, ohne sie je glücklich erreichen zu können. Im Schein von Neonleuchten und im Schatten monströser Hochhäuser folgen sie sogar emotional offiziellen Vorgaben: So wird am U-Bahn-Ausgang täglich ein Motto ausgerufen, beim "Kiss Day" küssen sich Fremde und klammern sich panisch aneinander und beim "Anger Day" schreien sie sich ebenso wahllos an.
Es sind solche Szenen und Bilder, die "Eine Karte der Klänge von Tokio" sehenswert machen - und den Film in ihrer überdeutlichen Symbolsprache gleichzeitig schwächen: Der Grat zwischen faszinierender Rätselhaftigkeit und Unverständnis ist - besonders in der Charakterdarstellung - oft schmal. Was dem Plot etwas schadet, ist auf einer übergeordneten Ebene eine große Stärke des Films: Als gehöre man BetrachterIn selbst zu den EinwohnerInnen, streift man die Personen und die Stadt eher, als dass man sie wirklich versteht. Man kann die oft überkonstruierten Bilder und Symbole bestaunen und bewegt sich wie im Traum über den - wirklich großartigen - Klangteppich des Soundtracks. Das Dauerthema von Wandel und Rhythmus findet sich sowohl in der Musik, als in den Bildern, so dass man nach den fast zwei Stunden von weit her zurück in den Kinosessel und den Okzident fällt.



AVIVA-Tipp: "Eine Karte der Klänge von Tokio" zeichnet ein ebenso verstörendes wie bezauberndes Bild von Tokio. Ein Film über zarte Details menschlichen Lebens, an dem man sich satt sehen und hören kann - wenn man sich auf ihn einlässt.

Die Regisseurin Isabel Coixet wurde 1960 in Spanien geboren und kam aus der Werbebranche zur Regie und zum Drehbuch. Sie studierte Geschichte in Barcelona und gab 1989 ihr Spielfilmdebüt Demasiado viejo para morir joven, bereits in der Doppelrolle aus Regisseurin und Autorin. Ihren nationalen und internationalen Durchbruch feierte sie 2003 mit dem mehrfach ausgezeichneten Film Mein Leben ohne mich. Sie erklärt ihre Faszination an mit widersprüchlichem Geschmack: "Ich kann morgens Hardcore-Mangas lesen und abends Flaubert und Goethe."

Weitere Infos zu Isabel Coixet: finden Sie unter
www.clubcultura.com

Weitere Infos zu Rinko Kikuchi finden Sie unter:
www.anore.co.jp

Eine Karte der Klänge von Tokio
Spanien, 2009
Kinostart: 5. August 2010
Buch und Regie: Isabel Coixet
DarstellerInnnen: Rinko Kikuchi, Sergi López und andere
Laufzeit: 109 Minuten
Almode-Filmverleih

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Kultur Beitrag vom 22.07.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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