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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.07.2010

Blind Side. Die große Chance - Ein Film von John Lee Hancock
Miriam Hutter

Der Kassenschlager mit Oscargewinnerin Sandra Bullock ab 30. Juli 2010 auf DVD. Eine wahre Geschichte, die in ihrer Verfilmung - angelegt als christlich angehauchtes Drama -, am Kitsch zu...



... ersticken droht.

Natürlich schreit diese Geschichte geradezu danach, verfilmt zu werden: Ein obdachloser junger Afro-Amerikaner schafft es durch einen Zufall auf eine Privatschule., Dort findet er schließlich eine Familie, die sich seiner annimmt und ihm seine Karriere als Footballspieler ermöglicht. Die Rede ist von Michael Oher, der 2003 von der Tuohoy Familie aufgenommen wurde und der heute als Left Tackle der Baltimore Ravens Millionen verdient.

Regisseur John Lee Hancock hat tief in den Kitschtopf gegriffen, um diesen Stoff auf schön amerikanische Weise darstellen zu können. Der arme Michael (dargestellt von Quinton Aaron) wird von den Tuohoys aufgegriffen, als er gerade auf dem Weg zur Turnhalle ist, um sich dort zu wärmen. In deren Haus nun geht es zu, wie in einem Werbespot, so überfreundlich gehen alle Familienmitglieder miteinander um. Die Ermahnungen der Mutter Leigh Anne (gespielt von Sandra Bullock) an ihren kleinen Sohn verdeutlichen, was an dieser Familie nicht stimmt: dass alles stimmt nämlich. "Mom" und "Dad" (Tim McGraw), die sich auch gegenseitig so ansprechen, führen eine harmonische Beziehung, die Tochter Collins (Lily Collins) ist hübsch, nett und sportlich, der Sohn SJ (Jae Head) ein vorlauter, aber herzensguter kleiner Bengel.

Wie in jedem ordentlichen Hollywood-Film gibt es die klare Unterscheidung von Gut und Böse: Das Böse manifestiert sich weniger in der amerikanischen Gesellschaft, die einem Jungen wie Michael Oher keine Chance gibt, als in dem Ghetto, in dem er aufgewachsen ist . Das vorrangig weiße Wohlstandsviertel, in dem die Tuohoys leben, repräsentiert dagegen das Gute. Die Darstellung von Michaels Herkunftsmilieu ist genauso plakativ wie der bilderbuchhafte Gegenentwurf der amerikanischen Familie.

So tut dieser Film so, als sei er ein Sozialdrama, und ist dabei doch unübersehbar rassistisch.
Denn es scheint, als könne nur eine weiße Familie Michael retten. Die Schwarzen in Hancocks Film sind fast durchweg negativ gezeichnet. Dazu zählen die drogensüchtigen und/oder gewalttätigen Menschen im Ghetto, und auch Big Tony, der es Michael ermöglicht, eine Privatschule zu besuchen, wird ihn aus seiner Wohnung werfen.
Während die Geschichte aus der weißen Perspektive Leigh Annes erzählt wird, wird Michael an keiner Stelle als eigenständiger Mensch dargestellt. Über seine Gedanken erfahren wir so gut wie nichts, und das Positive, das ihm in seinem Leben widerfährt, hat er einzig und allein Familie Tuohoy zu verdanken. Als Objekt von deren Liebe kommt Michael zu seinem ersten Bett, neuen Kleidern und vor allem an Bildung, die bisher unerreichbar für ihn war.

So lernen wir in diesem Film vor allem etwas über die Wohltätigkeit weißer Menschen, nicht nur der Familie Tuohoy, sondern auch die von LehrerInnen und des Footballtrainers, der die Aufnahme Michaels an die christliche Briarcrest Schule erwirkte. Das allgemeine Wohlwollen scheint sich Michael dabei dadurch verdient zu haben, dass er trotz seines Ghetto-Hintergrunds niemals gewalttätig geworden ist. Zudem ergab ein fragwürdiger Begabungstest in der Schule, dass er einen ausgeprägten Beschützerinstinkt habe Die kluge Leigh Anne, die soviel besser weiß, wie Michael tickt, als er selbst, versteht auf dem Spielfeld sofort, wie sie ihm Football begreiflich machen kann: "Dieses Team ist deine Familie, Michael, du musst sie beschützen", woraufhin er die zu erwartende Glanzleistung erbringt.
Am unerträglichsten ist aber dann doch ihr kleiner Junge, SJ, der trotz seines Alters zum Coach von Michael avanciert. Wie ein Zugpferd wird Michael da zum Training an die Leine genommen, und am Ende ist es SJ, der die Bedingungen mit den Trainern aushandelt, die Michael für ihr Footballteam gewinnen möchten. Das humorvolle Augenzwinkern, das den Film begleitet, richtet sich dabei immer gegen den - noch - ungehobelten Schwarzen, der nach und nach durch die Weißen diszipliniert wird. Nun ja.

Die auf romantische Komödien spezialisierte Sandra Bullock, hat für ihre Darstellung der Leigh Anne Tuohoy einen Oscar bekommen. Dies scheint weniger an ihrem Schauspiel zu liegen, das man vielleicht als mittelgut bezeichnen könnte, als an der Rolle, die sie verkörpert: Leigh Anne vermag es erstens, Karriere und Kinder spielend zu vereinbaren und dabei noch gut auszusehen. Zweitens hat sie ein goldenes Herz, und verschafft deshalb auch anderen die Möglichkeit, den amerikanischen Traum zu leben.
Eigentlich eine tolle Frauenfigur, die hier jedoch auf ihre bloße Außenwirkung reduziert wird. Und so erfahren wir am Ende des Films von einer beseelt lächelnden Sandra Bullock, eigentlich hätten wir diese wunderbare Geschichte Gott zu verdanken.

AVIVA-Fazit: Michael Oher selbst wird als Figur in einem Planspiel dargestellt, welches das weiße amerikanische Herz nur erfreuen kann: "Blind Side" ist ein Feel-Good-Movie für Weiße. Sinnvoller wäre es gewesen, diese Geschichte aus der Perspektive Michael Ohers zu erzählen.
Unterstützt von stimmungsvoller Musik, die vor allem in den herzerweichendsten Szenen die angemessene Atmosphäre zu erzeugen sucht, vermag es dieses "Drama" so weder einen Eindruck von Authentizität zu vermitteln, noch die ZuschauerInnen in irgendeiner Weise zu fesseln.

Blind Side - Die große Chance
Filmverleih: Warner Home Video Germany
USA 2009
Kinostart: 29. Juli 2010
Drehbuch und Regie: John Lee Hancock
Nach dem Buch "The Blind Side: Evolution of a Game" von Michael Lewis
DarstellerInnen: Sandra Bullock, Tim McGraw, Kathy Bates, Quinton Aaron, Lily Collins, Jae Head u.a.
Untertitel: Spanisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch
Untertitel für Hörgeschädigte: Englisch, Deutsch
Laufzeit: 123 Minuten
Extras: Nicht verwendete Szenen
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
DVD-Start: 30. Juli 2010
wwws.warnerbros.de/theblindside

Nur auf Blu-Ray:
Exclusiv-Interview mit Michael Oher
Making-Of
Von der Trainerbank zum Film - Hinter den Kulissen von BLIND SIDE
Die Geschichte von Big Quinton
Gespräche an der Seitenlinie
Sandra Bullock und Leigh Anne Tuohy
Regisseur John Lee Hancock und Autor Michael Lewis
Zusätzliches Filmmaterial: Nicht verwendete Szenen

Kultur Beitrag vom 30.07.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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