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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 18.08.2010

Babys - ein Film von Thomas Balmès
Miriam Hutter

Der französische Dokumentarfilmer Thomas Balmès begleitet in seinem aktuellen Film vier Kleinkinder durch ihr aufregendes erstes Lebensjahr. Das Besondere an dem Film sind die unterschiedlichen...



...Schauplätze, die der Regisseur sich dafür ausgesucht hat: Wir erleben mit, wie Ponijao, Mari, Bayar und Hattie in Namibia, in Japan, der Mongolei und den Vereinigten Staaten aufwachsen.

Zusammen mit Alain Chabat, dem Produzenten und Ideengeber dieses Filmprojekts, plante Balmès einen experimentellen Dokumentarfilm, der an einen langen Videoclip erinnern sollte. Das ist ihm auch gelungen, wobei dieser Videoclip sehr konventionell geraten ist. Vielleicht um der Babywelt noch näher zu sein, hat Balmès es unterlassen, die wenigen, meist von den Eltern gesprochenen Worte, mit Untertiteln zu versehen. Es wäre aber interessant gewesen, vor allem die wortreichen namibischen Sequenzen zu verstehen. So bleibt für viele ZuschauerInnen nur das Verstehen der englischen Sequenzen, was ein irritierendes Ungleichgewicht schafft.

Statt mit Sprache arbeitet Balmès mit Musik, für die nach beendetem Schnitt der bekannte Filmmusiker Bruno Coulois engagiert wurde. Coulois hat einen Soundtrack kreiert, der teilweise, wenn auch meist hübsch anzuhören, eine störende Verbindung mit den Bildern eingeht. In den Momenten nämlich, in denen die Musik dem teilweise auch in den Filmbildern vollzogenen Verniedlichungsdrang anheim fällt.

Balmès fängt mit seiner Kamera hauptsächlich Nahaufnahmen der Babys ein, denen sich die ZuschauerInnen damit wirklich annähern können. Doch um einen wirklichen Eindruck von diesen uns fremden Kindern zu vermitteln, geht der Film leider nicht genügend in die Tiefe. Stattdessen scheint der reine Unterhaltungswert im Mittelpunkt zu stehen. Dieser wird von Balmès durchgehend miteinbezogen: Eine längere Aufnahme eines Kindes (Schnitte gibt es nur von Baby zu Baby, was zu einem sehr verlangsamten Tempo führt) verspricht immer eine Pointe, wie wir sie auch aus Sendungen wie "Pleiten, Pech und Pannen" kennen. So scheint es manchmal, als hätte es der Regisseur nur auf das Lachen der ZuschauerInnen abgesehen. Er selbst bezeichnet den Film als Komödie - wirklich lustig ist er jedoch nicht.
Nach dem Verlassen des Kinos wünschte man sich doch etwas mehr gesehen, erfahren zu haben, denn um des Bespaßungseffekts willen erfolgte bei so mancher Szene, deren Weitergang interessiert hätte, nach der Pointe der Schnitt. So erscheinen die 79 Kinominuten zu kurz, um einen wirklichen Einblick in die sozio-kulturellen Lebensumstände dieser Babys zu bekommen.

Denn um zu erfahren, dass alle Menschen zu den gleichen Emotionen fähig sind, dazu braucht es keinen Film über Neugeborene verschiedener Kulturen. (Aus dem Pressetext: "Doch so unterschiedlich ihre Herkunft ist, so verschieden die Kulturen sind, in denen sie aufwachsen - wenn Babys brabbeln, glucksen und lachen, klingt es überall auf der Welt gleich.")

Interessanter ist es da schon, die Unterschiede in der Kindererziehung zu sehen: das mongolische Baby, das kurz nach der Geburt, zu einem Paket zusammengeschnürt, auf dem Motorrad in die Jurte zurückgefahren wird, die Krabbelgruppen in den USA und Japan oder das namibische Mädchen, das soviel Dreck zu sich nehmen darf, wie es möchte, und trotzdem am gesündesten und glücklichsten wirkt.
Auf eine dieser glücklichen Dreck-Ess-Szenen folgt ein Bild des amerikanischen Babys, das, nachdem der Teppich um es herum gesaugt wurde, von Kopf bis Fuß mit einer Fusselrolle bearbeitet wird.

AVIVA-Fazit: Ein durchweg kurzweiliger Film, der aber letztlich an eben dieser Kurzweiligkeit leidet. Statt tiefere Einblicke in das Leben von vier Babys verschiedener Kulturen zu ermöglichen, hat er es vor allem auf das Amüsement der ZuschauerInnen abgesehen.

Zum Regisseur: Thomas Balmès, 1969 in Paris geboren, studierte am Pariser Institut Supérieur d´Études Cinématographiques. Nach seinem Abschluss wandte er sich dem Dokumentarfilm zu und arbeitete für verschiedene TV-Sender als unabhängiger Produzent und Kameramann. 1992 gründete er seine eigene Produktionsfirma TBC Prodcutions und drehte das Making Of zu James Ivorys "Jefferson in Paris" (1995), sowie eine 50-minütige Dokumentation über Michelangelo Antonioni, den legendären Filmemacher aus Italien. Balmès´ erste abendfüllende Dokumentation in eigener Regie war "Bosnia Hotel" (1996), gefolgt von Titeln wie "Maharaja Burger (1997) und "A Decent Factory" (2004), in denen er sich mit der kulturellen Hegemonie des Westens, mit Religion und gesellschaftlichen Werten auseinandersetzt. Seine Filme werden regelmäßig auf Festivals gezeigt und wurden bis heute mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.


Babys
Originaltitel: Bébé(s)
Frankreich 2010
Regie: Thomas Balmès
Originalidee: Alain Chabat
DarstellerInnen: Ponijao, Hattie, Bayar, Mari
Länge: 79 Minuten
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 19. August 2010
www.kinowelt.de/kino/babys

Kultur Beitrag vom 18.08.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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