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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 06.09.2010

Zarte Parasiten
Elina Ioschpa

Jakob (Robert Stadlober) und Manu (Maja Schöne) sind anders als andere Liebespaare. Die beiden haben nichts außer sich selbst, sie leben im Wald und ihre Habseligkeiten passen in ein gewöhnliches..



... Schließfach am Bahnhof.

Um sich durchs Leben zu schlagen haben sie ihre ganz eigene Strategie entwickelt. Sie ziehen von Ort zu Ort, suchen Menschen, denen Liebe, Aufmerksamkeit oder Beistand fehlt und geben ihnen genau das, was sie gerade brauchen. Doch AltruistInnen sind Manu und Jakob nicht, für ihre Dienste werden sie bezahlt.

Eben erst in einer neuen Stadt angekommen und auf der Suche nach Arbeit, trifft Jakob Martin und Claudia, deren Sohn vor kurzem gestorben ist. Um dem Ehepaar Trost zu spenden, macht Jakob es sich zur Aufgabe den Verstorbenen zu ersetzen. Verstörend wirkt es auf die ZuschauerInnen, wie Jakob die Trauer des Ehepaars ausnutzt, um daraus Profit zu schlagen. Seine Vorgehensweise wirkt eiskalt und kalkuliert. Mit Nachdruck schleicht er sich in das Leben von Martin und Claudia und gewinnt mehr und mehr ihr Vertrauen. Doch es ist nicht nur Jakobs Strategie, die nachhaltig schockiert. Der Film enthüllt auch eine Welt, in der es scheinbar normal ist, Verlust durch Ersatz zu kompensieren.

Ohne jegliche Erklärungen müssen die ZuschauerInnen in diese verzerrte Welt eintauchen und sind dem dunklen Sujet des Films ausgeliefert. Mit Unbehagen nehmen sie wahr wie gut Jakob sich in seinem neuen "Job" macht. Zu gerne spielt er für Martin und Claudia den Sohn und genießt deren ungeteilte Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Martin geht er joggen, restauriert mit ihm einen alten Segelflieger und entwickelt eine enge Bindung zu ihm. Bald darf er das Familienauto fahren und zieht schließlich in das Haus des Ehepaars. Das immer harmonischer werdende Familienleben nimmt ihn so sehr in Anspruch, dass er sich von Manu distanziert. Er will das gemeinsame Leben mit ihr aufgeben, weil er endlich etwas gefunden hat, was er so noch nicht kannte: eine Familie.

Doch nicht nur für Manu ist Jakobs Beziehung zu dem Ehepaar ein Rätsel. Auch für die ZuschauerInnen wird diese Bindung zunehmend undurchschaubarer. Es ist nie ganz klar, ob das Leben mit Martin und Claudia für Jakob nur ein Job ist, oder ob er sich tatsächlich an das Paar emotional gebunden hat. Die Regisseure Christian Becker und Oliver Schwabe füllen diese Leerstelle nicht. Vielmehr spielen sie mit dem Unwissen der ZuschauerInnen. Bis zum Schluss des Films erfahren diese nichts über die Vergangenheit von Jakob und Manu und es bleibt unklar, warum sie sich für diese Art Geld zu verdienen entschieden haben. Im Presseheft zu "Zarte Parasiten" erläuterte das Regisseurduo in einem Interview ihre Intention:

"Wir wollten an einem Punkt in die Geschichte einsteigen, der es auch erlaubt zu denken, dass unsere beiden Helden schon lange als Parasiten unterwegs sind. Uns ist auch durchaus klar, dass der Film Fragen aufwirft, aber prinzipiell finden wir das spannender, als Antworten zu geben."

Und so müssen die ZuschauerInnen versuchen das Verhalten der ProtagonistInnen selbst zu deuten. Düstere Bilder und die sich etwas zäh entwickelnde Handlung stellen deren Geduld so manches Mal auf die Probe, doch die kluge Grundidee des Films tröstet durchaus über die langatmige Erzählweise hinweg.

AVIVA-Tipp: Dem Regisseurduo Christian Becker und Oliver Schwabe ist nach ihrem Debüt "Egoshooter" mit "Zarte Parasiten" ein verstörend schöner Film gelungen. Die SchauspielerInnen Robert Stadlober und Maja Schöne überzeugen durch ihr authentisches Spiel und verleihen den Charakteren eine geheimnisvolle Seite. Mit viel Einfühlungsvermögen verkörpern sie zwei Menschen die einen Weg finden, in einer Gesellschaft zu überleben, in die sie sich nicht integrieren wollen.

Zarte Parasiten
Deutschland 2009
Buch und Regie: Christian Becker und Oliver Schwabe
DarstellerInnen: Robert Stadlober, Sylvester Groth, Maja Schöne, Corinna Kirchhoff, Gerda Böken u.a.
Verleih: Filmlichter
Lauflänge: 87 Minuten
Kinostart: 09. September 2010
www.zarteparasiten.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Berlin am Meer", ein Film mit Robert Stadlober

"Verschwende Deine Jugend", ein Film mit Robert Stadlober

"Mein Führer", ein Film mit Sylvester Groth

"Summertime Blues", ein Film mit Maja Schöne (in einer Nebenrolle)


Kultur Beitrag vom 06.09.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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