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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.09.2010

Nine – Ein Film von Rob Marshall
Evelyn Gaida

Der "Maestro" und weltberühmte Regisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis) steht gewaltig unter Druck. Ein neues Werk muss her. Von Crew bis Kulisse ist alles schon bombastisch aufgestellt, fehlt ...



... nur eine Kleinigkeit: das Drehbuch.

Dem Meister will aber auf Gedeih und Verderb nichts einfallen. Da hilft der monumentale Filmtitel "Italia" auch nicht weiter. Zu allem Überfluss wird Contini von Presse und Produzent gejagt, hauptsächlich aber von den weiblichen Traumbildern und sexuellen Projektionen seiner Innenwelt, die völlig außer Kontrolle geraten sind. Sein eigenes Leben wird derweil zum abstrusen Theater und Lügenlabyrinth.

"Chicago"-Regisseur Rob Marshall hat sich erneut für die Kino-Adaption eines Musicals entschieden. Diesmal fiel seine Wahl auf den Broadway-Hit "Nine" (1982), der wiederum auf Federico Fellinis autobiographisch beeinflusstem Film-Klassiker "8 ½" (1963) basiert. Marshalls Wiederaufnahme (2009) machte vor allem durch das eklatante Staraufgebot von sich reden: Penélope Cruz als erotisch-dümmliche Geliebte, Marion Cotillard als leidende Ehefrau, Nicole Kidman als Verkörperung der Filmdiva, Judi Dench als mütterliche Freundin, Sophia Loren als Mutter, Kate Hudson als moderne amerikanische Modejournalistin, Fergie (Stacy Ferguson, Black Eyed Peas) als fleischgewordene Männerphantasie und Daniel Day-Lewis als überdrüssiger Regisseur.

© Senator Home Entertainment


Kann ein einzelner Film so viel Megastar-Strahlung in sich vereinen? Statt Einheit ergibt die Handlung ein Stelldichein der berühmten Gesichter, eine Aufreihung der Turbulenzen, die von Tanz- und Gesangseinlagen im Varietéstil unterbrochen, in gelungenen Momenten ergänzt werden. Der Film wartet immer wieder mit eingestreuten geistreichen Bemerkungen auf, mit metaphorischen Anspielungen zuhauf, opulenter Bildlichkeit und Theaterreferenzen. Doch gerade an der Übertragung des Fellini-Stoffes ins "Theatralische" krankt die Adaption: Die geistreichen Aspekte bleiben als plakative Andeutung im Raum stehen und verpuffen damit an der allzu offensichtlichen Oberfläche. Die Inszenierung nimmt überhand und verrennt sich ins aufgebauschte Brimborium.

Eine gewisse Kontinuität bringt die Rolle Continis ins Stückwerk, um den alles in beklemmender Weise kreist – insbesondere der Gejagte um sich selbst und die Frauen um ihn. Daniel Day Lewis holt wie immer das Maximum aus seinem Charakter heraus, was auch in "Nine" die meiste Zeit über nicht aufhört, elektrisch zu sein. Misere, Brillanz und verantwortungslose Selbstgefälligkeit verbinden sich im Fluss seiner Darstellung zu Strom.

Contini ist dermaßen in seinem übersättigten "Cineasmus" abgedreht, dass Frauen darin nur noch als Figuren seiner (Selbst-)Inszenierung zum Einsatz kommen. Sogar das "Liebesspiel" mit Mätresse Carla wird zur "Probe", für die er sie erst in bizarrer Weise zurechtschminkt. Anschließend muss sie so tun, als hätte sie sich in der Bahnhofspension, wohin er sie außerhalb seines Luxushotels ausgelagert hat, nur in der Tür geirrt. Der Regisseur war zuvor aus Rom und Cinecittà irgendwo an die italienische Küste geflohen – leider vergeblich, denn auch Crew, Kulisse und Produzent sind ihm kurzerhand nachgeeilt. Ehefrau Luisa lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, ihm einen Überraschungsbesuch abzustatten, obwohl Contini am Telefon erst ihren Geburtstag vergisst, sie dann wenig dezent abwimmelt. Tragisch wird es, als sie auf Carla trifft. Die Anhängliche findet ihrem Mann gegenüber endlich zu einigen markanten und schaudernden Worten: "Die Absurdität, du zu sein. Der Aufwand, ständig zu lügen, zu betrügen und sich zu verstecken."

© Senator Home Entertainment


Luisa, ehemals erfolgreiche Schauspielerin, hatte sich zugunsten ihrer Ehe aufgegeben. Eine Zeitlang gelingt ihr die Befreiung, was Cotillard in einer Entwicklung von emotionaler Abhängigkeit zu gepeinigten Erkenntnismomenten aussagekräftig umsetzt. Das Spiel der weiblichen Darstellerinnen wird in "Nine" häufig jedoch im wahrsten Sinne des Wortes von der extrem dick aufgetragenen Schminke ´überschattet´. Das episodische Auftreten der Frauen in Continis Tagtraumkabinett und Wirklichkeitskonstruktion muss vieles in sich aufnehmen, ohne eine substanzielle Grundlage dafür gewährleisten zu können. Bezüge auf die gesellschaftliche Rolle der Frau unter anderem, die mit "vielsagenden" Bemerkungen aber gleich wieder versiegen. Filmdiva Claudia Jenssen möchte lieber der Mann sein, als die Muse, die sich in ihn verliebt, und durchschaut Contini neben der lebensklugen Kostümbildnerin (Judi Dench) am geistesgegenwärtigsten: "Der Mann, den du beschreibst, weiß nicht, wie man liebt."

© Senator Home Entertainment


Wiederholt werden auch kritische Seitenhiebe auf Gesellschaft ("Lüge für Italien!") und Kirche ("Offiziell missbilligt die Kirche die Filme. Das müssen wir. Aber wir lieben sie alle.") untergebracht, kommen jedoch ebenfalls über den Inhalt eines Slogans nicht hinaus. Noch obendrauf gesetzt, halten die Tanzeinlagen und Traumsequenzen als psychoanalytisch angehauchter metaphorischer Widerstreit zwischen (Doppel-)Moral und Begierde, Kindheit und Erwachsensein her, können der eigenen Bedeutungslast aber in keiner Weise standhalten. Auf kleinen Konfettiplättchen, die Marshall großzügig in seinem Spektakel ausstreut, prangen kapital verschleuderte Schlagwörter.

© Senator Home Entertainment


Die Frage, in welcher Weise so etablierte Schauspielerinnen wie Penélope und Co. sich nun beim Tanzen oder Singen (durch)schlagen, erweckt Neugier. Cruz liefert eine (zu) perfekt einstudierte Performance der ´verkörperten´ Verführung, Kate Hudson überträgt ihre sonnige Art auch auf die tänzerische Darbietung. Das Musical wird jedoch zur Karikatur, wenn eine ganze Reihe gestiefelter und netzbestrumpfter Frauen mit Fergie an der Spitze stampfend und Beine schlenkernd vorrückt, aber eher an eine völlig schräge Armee als an Varieté erinnert. Weniger Großaufgebot und mehr Zwischentöne wären auch hier wirkungsvoller gewesen.

AVIVA-Tipp: Viel für die Augen und für Fans der Hollywood-Größen. Wenig für Kopf und Herz. Die Musical-Dramaturgie kommt im Film nicht zur flüssigen Einheit und die SchauspielerInnen kommen nicht ernsthaft zum Zug. Vorherrschend sind Künstlichkeit und Theatralik. Inhaltlich werden verschwenderisch verpackte Happen unter die ZuschauerInnen geworfen, die sich jedoch als Knallbonbons herausstellen. Das "Nine"-Starensemble, das hier auf ungewohntem Terrain wandelt, und die opulente italienische (Cinecittà-)Szenerie sind für sich genommen dennoch sehenswert.

Nine
Label: Senator Home Entertainment
Bildformat: DVD / Blu-ray 1,78:1, 16:9 / 1080p/24
Tonformat: DVD / Blu-ray Dolby Digital 5.1 / DTS-HD Audio Master 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
VÖ: 27. August 2010
Gesamtspieldauer: DVD / Blu-ray ca. 113 Minuten / ca. 118 Minuten

Weitere Infos finden Sie unter:

www.nine.senator.de

Kultur Beitrag vom 08.09.2010 Evelyn Gaida 

   




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