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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.09.2010

Herta Müller - Der kalte Schmuck des Lebens. Ausstellung vom 17. September bis zum 21. November 2010 im Literaturhaus Berlin
Britta Meyer

Die erste Ausstellung über Leben und Werk der rumäniendeutschen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller wird durch die Nachricht überschattet, dass einer ihrer ältesten...



... Weggefährten ein Informant des rumänischen Geheimdienstes gewesen ist.

Die Ausstellung im Literaturhaus Berlin folgt den Spuren der Autorin, angefangen bei ihrer Kindheit im schwäbischen Banat bis hin zur Verleihung des Literaturnobelpreises in Stockholm im Winter 2009.

Herta Müller, deren Familie zur deutschen Minderheit in Rumänien gehörte, wurde 1953 in Nitzkydorf, Rumänien im Banat geboren. Ihr Großvater wurde unter dem kommunistischen Regime in Rumänien enteignet, ihre Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg zu jahrelanger Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert. Nach dem Abitur studierte Müller Germanistik und Rumänistik und arbeitete ab 1976 als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, aus der sie allerdings 1979 nach ihrer Weigerung, mit dem rumänischen Geheimdienst "Securitate" zusammenzuarbeiten, entlassen wurde. Um diese Zeit begann sie mit dem Schreiben, da es zu gefährlich wurde, laut auszusprechen, was man dachte.

Im Zuge ihrer schriftstellerischen Arbeit gelangte Müller in Kontakt mit der politisch engagierten literarischen "Aktionsgruppe Banat", die jedoch im Jahr 1976 durch die "Securitate" aufgelöst wurde. Müllers erstes Buch "Niederungen", dessen Manuskript vor der Veröffentlichung über vier Jahre vom Verlag zurückgehalten wurde, konnte 1982 in Rumänien, wie alle Publikationen, nur in stark zensierter Fassung erscheinen. 1987 siedelte sie nach Deutschland über und nahm seitdem eine Reihe von Gastprofessuren in England, Amerika, Deutschland und der Schweiz an. Sie war durchgehend schriftstellerisch tätig und verfasste eine gewaltige Menge an Romanen, Essays und Erzählungen.

Herta Müller in West-Berlin, Ende 1980er Jahre © Renate von Mangoldt


Für ihre Werke und ihr soziales Engagement wurde Herta Müller mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Bei der Verleihung des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen am 1. November 2009 forderte sie laut Deutschlandradio die grundlegende Aufarbeitung der Judenverfolgung in Rumänien und Ungarn und kritisierte die evangelische Kirche, die sie auf Druck von Rumänien hin 1989 vom Kirchentag ausgeladen hatte. Im Jahr 2009 wurde sie für ihr Gesamtwerk in Stockholm mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. In ihrer Nobelpreis-Vorlesung sagte Müller, sie wolle mit ihren Texten ausdrücken, wie Diktaturen Menschen ihrer Würde beraubten. Sie habe "auf die Angst vor dem Tod mit einem Durst nach Leben" reagiert und sei vom Regime Ceausescus verfolgt worden, weil sie sich trotz Todesdrohungen geweigert habe, Informantin zu werden.

Die Ausstellung in Berlin zeigt bisher unveröffentlichte Dokumente und Fotografien aus dem Familienbesitz Herta Müllers, in Filmausschnitten wird das historische und das heutige Banat gezeigt; Müllers WeggefährtInnen wie die AutorInnen der "Aktionsgruppe Banat" kommen zu Wort. Auszüge aus "Securitate"-Akten berichten von einem rigorosen und menschenfeindlichen politischen System.

Kurz vor der Ausstellungseröffnung in Berlin berichtete der Münchner Germanist Stefan Sienerth in der wissenschaftlichen Vierteljahresschrift "Spiegelungen", dass ihr Freund und Vertrauter Oskar Pastior auch als Spitzel für den rumänischen Geheimdienst gearbeitet hatte. Der 2006 gestorbene rumäniendeutsche Lyriker, der im selben Jahr postum mit dem Büchnerpreis geehrt wurde, war von 1961 bis zu seiner Flucht in den Westen1968 "Securitate"-Informant gewesen. Die SchriftstellerInnen Müller und Pastior hatten sich in den 1980er Jahren in Berlin kennen gelernt. Vor Pastiors Tod im Jahr 2006 hatte Müller drei Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet und dabei mit ihm dessen Deportationsorte in der Ukraine aufgesucht. Müllers Roman "Atemschaukel" zeichnet Pastiors Abtransport in ein sowjetisches Arbeitslager nach dem Zweiten Weltkrieg nach.

Oskar Pastior und Herta Müller 2004 in der Ukraine © Ernest Wichner


Müllers Reaktionen auf diese Entdeckungen waren erst Schrecken und Wut, dann Anteilnahme und Trauer. Auf der Ausstellungseröffnung im Literaturhaus Berlin sagte sie: "Ich muss mich nicht von Oskar Pastior distanzieren. Ich habe einen Menschen weiter so lieb, wie ich ihn vorher hatte."

Müllers und Pastiors Werke erschienen im Hanser-Verlag.

Die Ausstellung "Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens" ist vom 17. September bis zum 21. November 2010, täglich außer montags von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, im Literaturhaus Berlin zu sehen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.literaturhaus-berlin.de

"Spiegelungen" 2/2010 Download gegen Entgelt

Deutschlandradio: Menschenrechtspreis für Herta Müller

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: Literaturnobelpreis für Herta Müller



(Quellen: AVIVA-Berlin, SPIEGEL, Frankfurter Allgemeine, ZEIT)

Kultur Beitrag vom 23.09.2010 Britta Meyer 

   




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