Ondine - Das Mädchen aus dem Meer. Kinostart: 21. Oktober 2010 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 21.10.2010

Ondine - Das Mädchen aus dem Meer. Kinostart: 21. Oktober 2010
Britta Meyer

"Ist dir heute etwas Seltsames und Wundervolles passiert?", fragt der Fischer Syracuse seine Tochter Annie jeden Tag. "Nein", sagt sie jedes Mal. Aber eines Tages findet er selbst beim Fischen...



... etwas, das sowohl seltsam, als auch wundervoll ist.

Syracuses (Colin Farrell) Leben in einem winzigen irischen Inselstädtchen ist größtenteils trostlos. Er ist geschieden, einsam, ein mühsam trocken bleibender Alkoholiker und die Fischerei läuft auch nicht sonderlich gut. Der Höhepunkt des Tages ist für ihn, seine schwerkranke Tochter Annie (Alison Barry) zur Dialyse zu fahren. Annie lebt bei ihrer ständig betrunkenen Mutter und deren ebenso trinkendem und obendrein übergriffigem Freund.

"Unglücklichsein ist einfach. Am Glücklichsein musst du arbeiten.",

versucht der Geistliche des Ortes Syracuse zu motivieren. Doch nichts scheint für diesen jemals besser zu werden, bis er eines Tages einen ungewöhnlichen Fang an Bord seines Kutters zieht: Zwischen Meerestieren und Tang hängt eine junge Frau (Alicja Bachleda-Curus) in seinem Netz. Halb ertrunken und ohne Erinnerung weiß sie nicht, wer sie ist oder warum sie allein mitten im Ozean trieb. Auf den Vorschlag, sie in ein Krankenhaus zu bringen, reagiert sie panisch. Unsicher, ob er das Ganze vielleicht nur halluziniert, wickelt Syracuse die rätselhafte Frau erst einmal in Decken und bringt sie im Haus seiner verstorbenen Mutter unter.

Annie, der nichts auf der Insel entgeht, wenn sie allein in ihrem Rollstuhl unterwegs ist, hat die Unbekannte rasch entdeckt. Für Annie ist die Frage ihrer Herkunft schnell geklärt: Ondine, wie sie sich selbst nennt, ist eine Selkie, eine Robbenfrau, die ihren Pelz abgeworfen hat, um sieben Jahre lang mit einem Mann vom Land glücklich zu sein. Ondine selbst äußert sich nicht dazu, aber sie schwimmt ohne Scheu im eisigen Wasser und wenn sie eine schöne, sehnsüchtige Melodie ohne Worte singt, gehen Syracuse plötzlich bergeweise die besten Fische ins Netz. Sie hat keine Vergangenheit über die sie sprechen will, läuft trotz kühler Witterung immer halbnackt herum und reagiert extrem ängstlich, wenn jemand sie zu entdecken droht. Mit Annie und bei ihrem bald hoffnungslos verliebten Vater scheint sie sich jedoch sehr wohl zu fühlen. Ondine ist weniger eine reale Person mit eigenen Zielen und Sorgen, als einfach der wahrgewordene Traum eines einsamen Mannes: eine schöne junge Frau, die niemand anderen sehen will, keine Fragen stellt, keine Geschichte hat, sich gut mit seinem Kind versteht und damit zufrieden scheint, ihm den Haushalt zu führen und sich schicke Kleider schenken zu lassen.

Von herrlich trockenem Humor sind die Szenen mit dem örtlichen Priester (Stephen Rea), dessen Beichtstuhl Syracuse hartnäckig als Ersatz für die auf der Insel nicht vorhandenen Anonymen Alkoholiker benutzt. Alison Barry als wunderbar altkluge Zehnjährige begeistert auf Anhieb, die Darstellung von Annies Krankheit kommt ohne kitschige Momente aus und wird gleichzeitig anrührend und unsentimental gezeigt.

Syracuse, der zu Anfang noch glaubte, sich die geheimnisvolle Frau nur herbeigeträumt zu haben, nimmt sie mitsamt ihrer unerklärten Geschichte langsam als ein Geschenk des Schicksals - oder des Meeres - an. Nach und nach wagt sich auch Ondine aus ihrem Versteck hervor und die misstrauischen BewohnerInnen des kleinen Fischerörtchens müssen sich wohl oder übel mit ihrer mysteriösen Existenz abfinden. Doch droht, wie Annie bei ihren Recherchen in den Märchenbüchern der Stadtbibliothek herausfindet, einer Selkie immer Gefahr durch ihren Ehemann aus dem Meer, der eines Tages kommen wird, um sie zurückzufordern...

AVIVA-Fazit: "Ondine" besticht zwar durch wunderschöne Bilder der irischen Küstenlandschaft und durch die schwebende Musik Kjartan Sveinssons, doch im letzten Drittel verliert der Film einen großen Teil seines Charmes. Wenn nach einer zuvor träumerisch langsamen Erzählweise plötzlich krampfhaft versucht wird, die Handlung durch sich überschlagende Ereignisse voranzutreiben, wird die angenehm surreale Stimmung schnell verwischt und der Stil rutscht rasant in den eines mittelmäßigen Krimis ab. Doch auch wenn Regisseur Neil Jordan es letztlich nicht überzeugend gelingt, das Märchenhafte in ein weltliches Szenario hinüberzuretten, bleibt nach den Ansehen dennoch eine leise verträumte Grundstimmung übrig.

Auszeichnungen: "Ondine" gewann im Februar 2010 die Irish Film and Television Awards für Colin Farrell (bester Hauptdarsteller), Dervla Kirwan (beste Nebendarstellerin), Anna Rackard (bestes Produktionsdesign) und Brendan Deasy, Tom Johnson und Sarah Gaines (bester Ton).

Ondine - Das Mädchen aus dem Meer
Originaltitel: Ondine
Irland, 2010
Regie und Drehbuch: Neil Jordan
DarstellerInnen: Colin Farrell, Alicja Bachleda-Curus, Stephen Rea, Dervla Kirwan, Alison Barry, Tony Curran, u. A.
Kamera: Christopher Doyle
Produktion: Neil Jordan, James Flynn, Ben Browning
Produktionsdesign: Anna Rackard
Musik: Kjartan Sveinsson
Schnitt: Tony Lawson
Ton: Brendan Deasy, Tom Johnson und Sarah Gaines
Länge: 111 min
Verleih: Concorde
Kinostart: 21. Oktober 2010

Zur Website des Films: www.ondine-derfilm.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Breakfast on Pluto" von Neil Jordan


Kultur Beitrag vom 21.10.2010 Britta Meyer 

   




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