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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.10.2010

Orly
Clarissa Lempp

Zwei Stunden am Pariser Flughafen Orly - hier kreuzen sich die Wege der sieben ProtagonistInnen. Mit bedachtsamer Eindringlichkeit öffnet Regisseurin Angela Schanelec für uns die Leben der Reisenden



Das leise, fast stumme Erzählen von Figuren in einem fremden Raum, in einer anderen Sprachlandschaft, in einem künstlichen Zustand des Wartens, war schon Angela Schanelecs Stärke in ihrem 2004 mit dem deutschen Drehbuchpreis ausgezeichneten Film "Marseille". Auch in "Orly" sind die ProtagonIstinnen in einer zeitlichen Überbrückung der Langsamkeit der Uhrschlags ausgesetzt, das Nichtstun aufgezwungen oder durch lesen, essen und umhergehen abgelenkt. Gleichzeitig scheint es, als ob um sie herum die Welt zusammenkommt, Menschen strömen durch die Gänge und kommen an oder wollen, vielleicht müssen, sich von diesem Ort entfernen. Vier Paare begegnen oder verabschieden sich hier, zwischen Neubeginn und Verlust in der Wartezeit bis zu ihrem Abflug.

Eine junge Frau, die für die Liebe nach Kanada emigrierte, verliebt sich in einen Fremden, der seinerseits irgendwo zwischen Familienleben und Berufskarriere verloren ging und nun das große Jobangebot in den USA erhalten hat. Sie teilen ihr Heimweh miteinander, sie das geografisch-, kulturell- und familienbedingte, er das emotionale, das nach dem Verbundensein mit anderen. Mutter und Sohn versuchen sich einander, auf dem Weg zur Beerdigung des Vaters des Jungen, zu öffnen, auf schmerzhafte Weise, immer darauf bedacht, sich im öffentlichen Raum emotional zurücknehmen zu müssen. Ein junges Paar aus Deutschland verliert sich auf einer Rucksack-Reise zwischen Digital-Bildern, Erinnerungen und aufgeschlagenen Buchklappen. Eine Frau sucht den Schutz der Anonymität des Flughafens, um den Abschiedsbrief ihres verlassenen Mannes zu lesen. Bis der Evakuationsalarm das geschäftige Auf- und Abgehen, das die Reisenden zu den Flugzeugen transportieren soll, in eine andere Richtung lenkt.

Angela Schanelec nutzt lange Einstellungen, ungewöhnlich lange für das Medium Spielfilm. Die Zeit scheint unendlich zu sein, genauso wie der Strom der Reisenden, der um die ProtagonistInnen zieht, in den sie ein- oder aus dem sie auftauchen. Die Szenen sind wie aus dem "Kopftheater", das sich bei so vielen Menschen in Situationen wie auf dem Flughafen abspielt. Mensch sitzt sich gegenüber, schaut verstohlen in ein fremdes Gesicht und fragt sich, fantasiert, stellt sich vor, was diesem anderen Menschen widerfahren ist. Wohin sie oder er geht, wer auf sie oder ihn warten wird, ob überhaupt jemand wartet, warum die Reise? Die unaufgeregte Beiläufigkeit mit der Schanelecs Kamera die ProatgonistInnen verfolgt, spielt dieses Gedankenspiel visuell nach. Angela Schanelec inszeniert die Theaterbühne Wartehalle.

Die kratzig-honigsüße Stimme Cat Powers untermalt musikalisch die Melancholie, die den Zwischenstationen der Reisen anhängt, die dem Warten oft entspringt. Doch Angelas Schanelec scheint zu wissen, dass in der Verlangsamung, inmitten dieser wahnsinnigen Schnelllebigkeit, die unsere Welt umspinnt, dass sich im Innehalten ebenso Trost finden lässt – auch in Orly.

AVIVA-Tipp: Angela Schanelec hat selbst ein Schauspielstudium abgeschlossen, und das macht sich immer wieder in ihren Besetzungen deutlich. Die ungewöhnlich langen Einstellungen werden durch die großartige Arbeit ihrer SchauspielerInnen getragen, sie führen durch die Massen hindurch, werden zu einem vertrauten Gesicht, das wir zwischen tausend anderen erspähen können. Besonders Maren Eggert sei hier hervorgehoben, die bereits in "Marseille" mit ihrem eindringlich unaufgeregtem Spiel überzeugte und Bruno Todeschini, der hier den bärtigen melancholischen Medienmacher gibt und leider nur selten auf deutschen Leinwänden zu sehen ist.

Orly
Deutschland/Frankreich 2009
Drehbuch & Regie: Angela Schanelec
DarstellerInnen: Natacha Régnier, Bruno Todeschini, Mireille Perrier, Emile Berling, Jirka Zett, Lina Phyllis Falkner, Maren Eggert, Josse de Pauw
Schnitt: Mathilde Bonnefoy
Bildgestaltung: Reinhold Vorschneider
Verleih: Piffl Medien
Lauflänge: 84 Minuten
Kinostart: 4. November 2010

Mehr zum Film: www.orly-der-film.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Nachmittag" und "Mein langsames Leben" von Angela Schanelec

Kultur Beitrag vom 30.10.2010 Clarissa Lempp 

   




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